Michel Abdollahi

Shownotes

Er ist Conferencier, Gründer der Poetry Slam Reihe Kampf der Künste, Autor, Künstler, Reporter, Moderator und Dokumentarfilmer. Immer eloquent und rhetorisch weit vorne, mal angriffslustig, mal nachdenklich. Sein aktuelles Buch "Es ist unser Land" mit dem Untertitel "Wir dürfen Deutschland nicht den Rechten überlassen" bringt ihn auf Tour durch Deutschland. Hamburg, das ist heute: Michel Abdollahi.

Michel Abdollahi (Wikipedia)

Michel Abdollahi (Instagram)

Michel Abdollahi Tourdaten

Buch: Es ist unser Land

Jamel: Rückkehr ins Nazidorf (2025, ARD)

Fink Hamburg, Kunstinstallation: Das ist doch Käse!

Golestan (Saadi, 1259)

Die Kinder Adams sind aus einem Stoff gemacht, als Glieder eines Leibs von Gott, dem Herrn, erdacht.

Sobald ein Leid geschieht nur einem dieser Glieder, dann klingt sein Schmerz sogleich in ihnen allen wider.

Ein Mensch, den nicht die Not der Menschenbrüder rührt, verdient nicht, dass er noch des Menschen Namen führt.

Firdausi

Lernangebote

HOOU Lernangebot: Mediennutzung im Kindesalter

Einstiegstest Mediennutzung

HOOU Lernangebot: Urban Types. Von Häusern und Menschen

HOOU Lernangebot: Nudging für mehr Gesundheit und Nachhaltigkeit

Foto Michel Abdollahi: Max Baier & Adrian Henning

Credits

Moderation: Nicola Wessinghage und Christian Friedrich

Musik: Jakob Kopczynski

Produktion: Christian Friedrich

Die Angebote zum Selbstlernen auf der Online-Plattform der Hamburg Open Online University stehen allen Interessierten frei zur Verfügung.

Um unsere Lernangebote zu nutzen, brauchst du weder zu studieren noch bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen. Schau einfach online vorbei. Unsere Internetadresse ist www.hoou.de

Feedback, Anregungen und Kommentare zum Podcast erreichen uns per E-Mail unter waswillstduwissen@haw-hamburg.de

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Michel: Wenn du wirklich nicht anecken willst, wenn du immer beliebt sein möchtest,

Michel: wenn du keinen Shitstorm haben möchtest, wenn du quasi uneinordnbar sein möchtest,

Michel: wenn du den Leuten durch die Finger gleiten willst, dann darfst du dich nicht zur Politik äußern.

Michel: Also das darfst du davon nicht machen, weil dann gewinnst du am Ende.

Michel: Weil du hast keinen Stempel. Hast du einen Stempel, nutzen das Leute.

Michel: Und ich habe das natürlich, also dass ich einen Stempel von Anfang an hatte,

Michel: war gleich bei einem Migrant, man sieht das ja, wie ich aussehe.

Michel: Und dann war auch immer klar, auf welcher politischen Seite ich stehe.

Michel: Das war auch, seit ich immer so, das war auch klar.

Michel: Und den Rest mache ich, weil das Teil meines Jobs ist letztendlich.

Michel: Und ja, natürlich gibt es Einbußen, aber es gibt auch ganz viele positive Sachen dadurch.

Michel: Also es ist ja nicht so, dass wenn man was sagt, dass es immer schlimm wird danach.

Michel: Aber man muss danach abwägen und man muss ein bisschen vorsichtiger sein mit

Michel: dem, was man macht. Weil andere Leute haben Dinge in der Hand.

Michel: Und das muss man einfach abwägen, wie man das machen möchte,

Michel: wie man damit umgehen will.

Christian: Hamburg, das ist heute Michel Abdollahi. Michel Abdollahi ist Konfrancier,

Christian: Gründer der Poetry-Slam-Reihe Kampf der Künste, Autor, Künstler,

Christian: Reporter, Moderator und Dokumentarfilmer.

Christian: Immer eloquent und rhetorisch weit vorne, mal angriffslustig, mal nachdenklich.

Christian: Er ist im Herbst letzten Jahres und auch jetzt zu Beginn des Jahres 2026 noch

Christian: viel unterwegs durch Deutschland auf Tour für sein aktuelles Buch »Es ist unser

Christian: Land« mit dem Untertitel »Wir dürfen Deutschland nicht den Rechten überlassen.«

Christian: Das Gespräch mit Michel habe ich im November 2025 aufgezeichnet.

Christian: Ich glaube, für uns beide war zu dem Zeitpunkt noch nicht so ganz klar,

Christian: dass es einerseits zu dieser großen Protestwelle im Iran kommen würde und andererseits

Christian: zu dieser wirklich brutalen und widerwärtigen Reaktion des Regimes.

Christian: Wenn man heute Anfang Februar 2026 in die Medien schaut, dann liest man dort

Christian: von mindestens 30.000 Toten, viele andere Quellen sprechen von mehr.

Christian: Ja, wer das kann und möchte, dem oder der empfehle ich, Menschen wie Michel Abdollahi

Christian: gerade jetzt zu folgen, gerade jetzt zu schauen, was sie berichten,

Christian: wenn sie mit Menschen im Iran sprechen.

Christian: Das ist teilweise schwer auszuhalten, aber Menschen wie Michel bringen dann

Christian: eben doch auch nochmal ein etwas anderes Licht in unsere Nachrichtenwelt.

Christian: Zum Iran selbst haben wir in unserem Gespräch im November relativ wenig gesprochen.

Christian: Ich glaube aber, dass viel von dem, was er sagt, zum Beispiel über Recht und

Christian: Unrecht, auch im Kontext Iran resonieren wird.

Christian: Ich hoffe, ihr findet das Gespräch

Christian: genauso interessant, wie ich es auch gefunden habe. Nun geht's los.

Christian: Hamburg, das ist heute Michel Abdollahi. Herzlich willkommen, Michel.

Michel: Vielen Dank für die Einladung.

Christian: Schön, dass du da bist. Wir wollen ja heute über ein paar Lernangebote der Hamburg

Christian: Open Online University sprechen.

Christian: Du hast dir ein paar rausgesucht, die dich interessiert haben,

Christian: über die du sprechen möchtest.

Christian: Vorab die paar Leute, die dich noch nicht kennen oder denen würde es,

Christian: glaube ich, helfen, wenn wir so ein paar Sachen mal so abstecken,

Christian: die mir zumindest an dir aufgefallen sind, um damit die Leute eine Chance haben, dich kennenzulernen.

Michel: Gerne.

Christian: Vielleicht noch was so.

Michel: Natürlich.

Christian: Ich habe es gerade schon in der Vorstellung gesagt, du machst eigentlich Sachen,

Christian: die du, zumindest soweit ich das beurteilen kann, nicht formal gelernt hast.

Christian: Mit formal meine ich, du bist in irgendeine Einrichtung reingegangen,

Christian: drei Jahre später bist du rausgekommen und hast ein Zeugnis dafür gekriegt.

Christian: Also du hast, wenn ich das richtig recherchiert habe, Islamwissenschaftlich

Christian: und Iranistik studiert, nach einem kurzzeitigen Jura-Studium.

Michel: Ja, lange Jura-Studium, keinem kurzen, das ist ja was, das war lang.

Michel: Aber ich war in der Regelstudienzeit.

Christian: Okay. Fast. Fast?

Michel: Fünf Jahre habe ich gemacht, glaube ich.

Christian: Okay.

Michel: Weiß ich gar nicht mehr.

Christian: Siehst du, dann habe ich das nämlich überlesen.

Michel: Aber ich war ein guter Student. Ich war ganz okay. Für juristische Verhältnisse war das alles ganz okay.

Christian: Du bist aber heute eigentlich, also zumindest wenig, was ich mit einem Juristen verbinden würde.

Christian: Also ich habe es gerade schon aufgezählt, Autor, Künstler, Moderator,

Christian: Geschäftsführer, Aktivist irgendwie auch, Poet.

Michel: Ja.

Christian: Und jetzt in einem Podcast, in dem es auch ums Lernen geht, frage ich mich natürlich

Christian: irgendwie, Wie lernst du das denn alles?

Christian: Wie hast du das gelernt? Hast du das überhaupt gelernt? Wie machst du es?

Michel: Also wenn ich ehrlich bin, durch das Jurastudium tatsächlich.

Christian: Ach echt?

Michel: Ja. Jura ist ja, ich glaube es gilt immer noch so als Studium.

Michel: Es heißt das Studium Generalis und es heißt anders. Ich gebe mir so ein Fachwort

Michel: dafür, dass wenn man Jura lernt, auf ganz viele verschiedene Dinge ausgebildet wird.

Michel: Das ist ein bisschen im Jurastudium heute anders.

Michel: Aber ich habe das dadurch gelernt. Also in der Juristerei lernst du abwägen,

Michel: du lernst lernen, du lernst auswendig lernen, du lernst aber auch einordnen.

Michel: Du bereitest dich ja, als ich angefangen habe zu studieren, war das so,

Michel: dass wir auf Richter gelernt haben.

Michel: Davor waren die Studiengänge so, dass man relativ schnell, ich glaube vor 2000

Michel: hat man geguckt, möchte ich eher als Rechtsanwalt arbeiten, möchte ich eher

Michel: Staatsanwalt werden, möchte ich Notar werden und Richter oder möchte ich in die höhere Verwaltung.

Christian: Aber so um den Dreh musst du dann auch angefangen haben.

Michel: Ich habe 2000 angefangen und dort war das schon verändert worden, das Studio.

Michel: Und deswegen haben wir quasi auf Richter gelernt, davor aussteigen zu können,

Michel: um dann sich zu spezialisieren.

Michel: Diese Herausforderung, ich glaube, die hat dazu geführt, dass ich mich in andere

Michel: Dinge schneller reindenken konnte.

Michel: Und immer die Frage nach, was ist gerecht, was ist konform, wie prüft man etwas

Michel: und wo wägt man dann letztendlich ab.

Michel: Das ist wirklich viel aus dem Jura-Studium. Tatsächlich, ja, es ist es.

Christian: Okay, interessant. Mir fällt auch gerade erst auf, du bist dann schon der zweite Jurist.

Christian: Wobei, ich glaube, Jan Müller würde sich selber als vieles bezeichnen, aber nicht als Jurist.

Christian: Aber mir ist gerade eingefallen, dass er auch schon bei uns im Podcast war und

Christian: sein Jurastudium mal abgebrochen hatte in Hamburg.

Christian: Okay, spannend. Das heißt, wenn du jetzt an sowas rangehst wie ein Buch schreiben,

Christian: dann gehst du in so eine Situation auch rein und fühlst dich irgendwie unter

Christian: anderem durch ein Jurastudium darauf vorbereitet.

Michel: Ja, es ist immer, also was haben wir Jura gelernt? Wir haben den Obersatz gehabt,

Michel: dann haben wir das Ganze analysiert, dann haben wir es weitergeführt und dann

Michel: haben wir eine Erkenntnis draus gehabt.

Michel: Und das ist ja, ich mache ja nichts anderes.

Michel: Wenn du geprüft hast, hast du Rechtswidrigkeit geprüft, dann hast du die Schuld

Michel: geprüft und das mache ich immer noch in meinem Kopf.

Michel: Also die Schuld ist bewusst ja in Deutschland erst später, das ist nicht die erste Prüfung.

Michel: Die meisten Menschen möchten aber die Schuld immer am ersten prüfen,

Michel: weil Schuld ist immer so wichtig, wer hat Schuld? Aber Schuld ist nicht so wichtig.

Christian: Du hast eigentlich auch so zur deutschen Mentalität gedacht,

Christian: oder? Ja, nicht zu allen.

Michel: Nein, nein, nein, alle machen das. Das ist menschlich. Das hat mit Deutschen

Michel: nichts zu tun. Aber Schuld ist immer ganz wichtig. Wer ist der Schuldige?

Michel: Den müssen wir noch finden.

Christian: Okay.

Michel: Aber wenn du Jura studierst, weißt du, dass die Schuldfrage relativ spät kommt

Michel: und sie ist sehr komplex.

Christian: Und sie entscheidet.

Michel: Ganz andere Dinge, als was man glaubt. Die Rechtswidrigkeit ist viel wichtiger

Michel: und noch viel wichtiger als Jurist, muss ich sagen, natürlich die Zuständigkeit.

Michel: So, ich bin nicht zuständig. Weiter.

Michel: Das ist auch wichtig. Das muss man auch verstehen. Bin ich für eine Sache wirklich zuständig?

Michel: Nun ist es ärgerlich, wenn Gerichte sagen, wir sind nicht zuständig und schicken

Michel: einen dann von A nach B von Ponyo zu Pilatius. Aber ich prüfe das immer noch so und ich gucke.

Christian: Bin ich zuständig?

Michel: Ist das rechtswidrig, was passiert ist?

Christian: Ist das ein Fall für Abdollahi?

Michel: Ja, ist das Notwehr? Warum machen Menschen Dinge?

Michel: Und das lernt man schon in so einem Studium.

Michel: Ich glaube, es hat schon einen Grund, warum so viele Politiker Juristen sind.

Michel: Du lernst dieses Abwägen. Wie man das einsetzt, ist eine andere Sache.

Michel: Das ist was anderes, was man am Ende, ob man dann, weiß ich nicht,

Michel: Bundeskanzler wird, der eher links oder rechts ist, das ist was anderes.

Michel: Aber sich mit Themen sehr tief zu beschäftigen und vor allem sehr unvoreingenommen

Michel: zu beschäftigen und mit Dingen, die man eigentlich entscheiden möchte,

Michel: sehr schnell, weil man ein Gefühl hat zu sagen, das Gefühl zählt jetzt gerade erst mal noch nicht.

Michel: Du musst ganz viele andere Dinge machen. Das habe ich schon im Jurastudium gelernt.

Christian: Okay, spannend. Wie kommt es denn dann, also wie soll ich sagen,

Christian: bei so einem Reportagejob kann ich mich da viel besser reindenken,

Christian: glaube ich, als, wann war das, so um 2017, glaube ich, rum, der große Schwamm.

Michel: Ja.

Christian: Kannst du da mal sozusagen, wie war da der Blick des Juristen auf so ein Kunstprojekt,

Christian: also für alle, die es vielleicht nicht kennen, auf einmal sozusagen stand am,

Christian: ich glaube, Jungfernstieg.

Michel: Am Jungfernstieg, ja.

Christian: Stand ein großer Schwamm.

Christian: Der, glaube ich, auch aus so einem Schwamm ähnlichen Material war.

Michel: Das war schon mal.

Christian: Der war echt, ja. Und du hast den, so wie ich das verstanden habe,

Christian: aufgestellt, damit er irgendwie die negative Negativität so ein Stück weit aus

Christian: der Stadt aufsaugen soll. Du kannst es bestimmt besser beschreiben als ich.

Michel: Ja, nee, das war super. Das hat er auch gemacht. Dann haben wir ihn am Ende

Michel: zerstört und ihn irgendwie über den Jungmannschick verteilt.

Michel: Das gehört auch mit dazu. Also das war ja, also witzigerweise war dieser Schwamm,

Michel: Das war, glaube ich, die fünfte Installation, die ich von diesem Schwamm gemacht habe oder die vierte.

Michel: Die war im Rahmen von 70 Jahre Grundgesetz.

Christian: Ja, okay.

Michel: Also das war eine Aktion, da ging es auch um Kunstfreiheit.

Michel: Also da spielte mein Studium natürlich auch mit rein, auf eine ganz andere Art

Michel: und Weise, weil da ging es um Grundrechte.

Michel: Die werden anders geprüft und die prüfe ich jeden Tag im Kopf,

Michel: in dem, was hier draußen gerade passiert.

Michel: Aber auch da, man muss ja als Jurist am Ende nicht irgendwie nur vor Büchern sitzen.

Michel: Man kann ja auch kreativ sein und sagen, es gibt jetzt gerade für Dinge keine

Michel: Lösung, die wir aufgeschrieben haben, vielleicht müssen wir das visualisieren.

Michel: Ich habe, ich glaube, ein Praktikum musste ich machen, das habe ich am Verkehrsgericht

Michel: gemacht und dort hatte der Richter, er hatte so eine ganze Kollektion von so

Michel: Kinderautos und so Straßen und Schildern und so weiter.

Michel: Hat er von seinem Kind alle mitgenommen und die Kinder waren schon groß.

Michel: Und dann hat er halt immer mit den Leuten, die dort angeklagt waren,

Michel: hat er das halt nachgestellt so, weil er meinte, man muss es visualisieren.

Christian: Ich war einmal in meinem Leben vor Gericht, weil mir jemand in mein Auto gefahren

Christian: war und da musste ich irgendwie dahin.

Christian: und der hatte tatsächlich, war auch wirklich so ein etwas großväterlicher Typ.

Michel: Im besten Sinne des Wortes in dem Fall tatsächlich.

Christian: Und sagte, kommen Sie mal nach vorne, beschreiben Sie mal, was da passiert ist.

Christian: Ich habe hier drei Autos stehen und ein Schild.

Michel: Ja, genau. Wachen Sie mal, zeigen Sie mal, was los ist. Und das gehört auch dazu.

Christian: Finde ich.

Michel: Also man kann das schon vielfältig sehen, aber es ist natürlich nicht das ganze

Michel: Leben Jura. Aber recht und recht.

Michel: Das ist schon das ganze Leben. Man muss sich im Grunde immer wieder darüber

Michel: auseinandersetzen mit anderen Menschen, was ist Recht und was ist Unrecht.

Michel: Ich glaube, das ist so eine entscheidende Frage. Vielleicht machen das viele

Michel: nicht, aber ich glaube, man macht das schon. Den ganzen Tag macht man das schon.

Michel: Auch als normaler Mensch, der jetzt irgendwie nicht das macht,

Michel: was ich mache, sondern anderen Dingen nachgeht, ist am Ende immer die Frage,

Michel: wurde mir Recht getan oder wurde mir Unrecht getan?

Michel: Und das macht was mit dir. Das macht emotional was mit dir. Das macht psychisch was mit dir.

Michel: Das macht physisch was mit dir. Da passiert eine ganze Menge. Das prägt dein Leben.

Michel: Sei es, dass jemand dir die Vorfahrt nimmt, dass sich jemand an der Kasse vordrängelt,

Michel: dass du nicht gehört wirst, dass jemand sagt, du erzählst Quatsch. So viele Dinge.

Michel: Da geht es um Recht und Unrecht. Also dieses Studium verbindet schon,

Michel: es ist ein ätzendes Studium, es ist sehr lang und es ist auch mühsam.

Michel: Aber wenn ich die Sachen raushole jetzt 25 Jahre später, dann muss ich sagen,

Michel: war das eine gute Entscheidung, das zu machen.

Christian: Ja, ich bin deswegen so dran hängen geblieben, weil ich kenne viele,

Christian: die so den letzten Teil, was du gerade gesagt hast, den kann ich auch als Nicht-Jurist nachvollziehen.

Christian: Ich gehe durchs Leben und sehe eigentlich überall Recht, Unrecht,

Christian: legitim, illegitim und so weiter.

Christian: Ich kenne aber wenig und vielleicht kenne ich einfach nicht genug.

Christian: Ich kenne so zwei, drei Menschen, die mal Jura studiert haben.

Christian: Und ich kann mich nicht erinnern, dass irgendjemand von denen mal gesagt hätte,

Christian: da habe ich das Lernen gelernt. Auswendig lernen, ja.

Christian: Also dass ich da sozusagen diese Abwägung, wie du es beschreibst,

Christian: das ist eine neue Perspektive für mich.

Michel: Ja, viele lernen auswendig im Jurastudium, das stimmt. Aber es ist einfache

Michel: Dinge zu verstehen als Auswendig. Ich bin kein guter Auswendiglerner.

Michel: Ich kann mir nicht so gut Sachen merken oder ich will es nicht.

Michel: Vielleicht weiß ich nicht oder ich kann es nicht mehr. Ich habe keine Ahnung.

Michel: Aber wenn du Dinge verstehst, ist es viel hilfreicher für alles,

Michel: weil du dir das dann als Werkzeug dann ganz Leben lang zunutze machen kannst.

Michel: Das Auswendiglernen nützt in dem Moment und meistens hat man es dann auch wieder

Michel: vergessen, oft zumindest, also in Zeiten des Studiums.

Michel: Ich fragte mich noch nicht jemand nach irgendwelchen Paragraphen und ich habe

Michel: gemerkt, ich kriege das nicht mehr ganz so schnell hin.

Michel: Also 4,33 Kaufvertrag und so, das kriege ich noch hin.

Michel: Aber dann war ich mir nicht mehr sicher, was 4,34 war, Obwohl ich das eine Million

Michel: mal gelesen habe. Und dann habe ich gemerkt, okay, das Auswendiglernen hat nicht so viel gebracht.

Michel: Aber hätte ich gewusst, was dort sinngemäß steht, dann würde mich das weiterbringen.

Christian: Hast du zumindest so eine erste Idee und weißt, wo du hin musst?

Michel: Ja.

Christian: Ja.

Christian: Habe auch gelesen, im Oktober war das, glaube ich, da hast du für das Zeitmagazin

Christian: aufgeschrieben, eine Serie, was ich früher gerne gewusst hätte.

Michel: Ja, das hat Spaß gemacht.

Christian: Ich habe das gelesen und dachte spontan, eigentlich eine super Liste.

Christian: Müssen wir eigentlich jedem Gast, der hier bei uns in den Podcast kommt,

Christian: vorher einmal schicken, wenn es um Lernen geht. Was hätte ich früher gerne gewusst?

Christian: Und ich habe es auch wirklich gerne gelesen. Verlinken wir auch in den Shownotes.

Christian: Ich bin über einen Punkt gestolpert, auf den ich dich ansprechen wollte. Oh, ich bin gespannt.

Michel: Ich gehe schon im Kopf gerade durch, über welchen Punkt du reden möchtest.

Christian: Mal gucken, vielleicht hast du ja auch einen, über den du reden möchtest.

Christian: Der, den ich mir aufgeschrieben habe, ist, äußere dich nicht zu politischen

Christian: Dingen, wenn du gewinnen möchtest.

Christian: Und ich habe es ja, als du reinkamst, habe ich es schon kurz gesagt,

Christian: ich kenne es nun wirklich zu viel, aber ich weiß, wer du bist.

Christian: So seit zehn, zwölf Jahren, als ich noch in Hamburg lebte, öfter mal beim Kampf der Künste.

Christian: Man hat ja so eine Imagination davon, wie Menschen so sind, wenn sie auf der

Christian: Bühne rumtun. Und ich habe dich nie als jemanden wahrgenommen,

Christian: den ich als zynisch oder verbittert beschrieben hätte.

Christian: Und ich finde ganz viel in dem Zeitding liest sich auch nicht so,

Christian: als wärst du ein verbitterter Mittelalter-Zyniker geworden.

Christian: Aber an dem Satz bin ich deswegen hängen geblieben, weil der für mich so ein

Christian: bisschen aus dem Raster fiel. Ja, und ich habe mich gefragt,

Christian: also jetzt kann ich natürlich wieder die Perspektive des Lernens einnehmen.

Christian: Hast du irgendwas gelernt oder verlernen müssen, um zu dieser Erkenntnis zu

Christian: kommen? Ja, klar. Kannst du das ein bisschen beschreiben?

Michel: Ich glaube, es wird einem immer mit in die Wiege gelegt, streite nicht über

Michel: Politik und Religion, rede damit mit anderen Leuten nicht.

Michel: Geld ist was an, Geld ist in Deutschland so.

Michel: Andere Nationen reden über Geld. Wenn es jetzt ein Podcast in Großbritannien

Michel: wäre und du mich gefragt hast, was verdienst, du hättest sofort geantwortet

Michel: und du hättest sofort zurückgeantwortet.

Michel: Das macht man in Deutschland nicht. Das ist was anderes. Aber über Religion

Michel: und Politik, das ist irgendwie universell.

Michel: Religion wird weniger. Das hat nicht mehr so die Bedeutung, wie das das einst

Michel: mal hatte, aber die Politik bleibt. Und natürlich...

Michel: habe ich Erfahrungen gesammelt, warum ich das aufgeschrieben habe.

Michel: Ich habe ja auch noch ganz viele andere Sachen dahinter geschrieben,

Michel: dass wenn man über bestimmte Dinge dann nicht redet, dann darf man noch nicht

Michel: erwarten, dass was passiert am Ende. Also ich habe ja auch immer wieder gesagt,

Michel: Du musst, wenn du Sachen machst, kann es gut werden, kann es auch schlecht werden,

Michel: aber es passiert auf jeden Fall was und das kannst du entscheiden für dich.

Michel: Möchtest du, dass was passiert oder möchtest du, dass nichts passiert?

Michel: Und bei der Politik ist es so, es wird dir immer irgendwie ausgelegt,

Michel: was du sagst und du musst stark sein.

Michel: Aber wenn du gewinnen willst, so richtig gewinnen willst, dann musst du unpolitisch sein.

Christian: Und damit meinst du, meinst du damit Opportunismus?

Christian: Sozusagen, wenn du es nicht als Negativum beschreibst, im Sinne von unpolitisches,

Christian: ich lasse was weg sozusagen.

Christian: Also heißt das, dass jemand, der gewinnen will, opportunistisch sein muss im

Christian: Sinne von kein eigenes Wertesystem und er oder sie bewegt sich dann irgendwie

Christian: so dahin, wo gerade eine Möglichkeit ist?

Michel: Wahrscheinlich ist es kein eigenes Wertesystem. Wir haben das ja vor einigen

Michel: Jahren diskutiert, als sich Künstlerinnen und Künstler gegen die AfD gestellt

Michel: haben und Helene Fischer hat nichts gesagt.

Michel: Und die Leute erwarteten von Helene Fischer, dass sie das sagt,

Michel: weil sie hat die größte Fanbase in Deutschland.

Michel: Sie ist der deutsche Superstar und die Leute, die sie anspricht,

Michel: sind häufig Menschen, die ein politisches Problem in diesem Land sehen.

Michel: Und sie hat sich nicht geäußert. Sie hat sich irgendwann geäußert.

Michel: Irgendwann hat sie dann gesagt, ich möchte das nicht. Ich möchte diese Leute

Michel: nicht. Das hat sie anders verpackt, aber sie hat immer gesagt, ich bin unpolitisch.

Michel: Und das finden Leute gut. Viele finden das gut. Weil damit sagst du ihnen,

Michel: sie wissen, was ist. Ich glaube, die meisten Leute wissen, was Helene Fischer denkt.

Michel: Mutmaße ich jetzt mal. Und ich denke, dass Helene Fischer eine absolute Gegnerin der AfD ist.

Michel: Aber sie weiß auch um ihre Fans.

Michel: Und dann sagt sie das nicht. Und die Fans können sich einbilden in ihrem Kopf,

Michel: Vielleicht ist sie auf unserer Seite. Oder zumindest würdigt sie uns nicht herab.

Michel: Oder sie belehrt uns nicht. Sie hat keinen mahnenden Zeigefinger.

Christian: Ist einfach gute Laune und stört mich.

Michel: Ja und Verständnis ist noch viel drin.

Michel: Also Menschen glauben, dass man sie dann versteht. Immer wenn ich in einer Sendung

Michel: sitze und sage, wir müssen festhalten, dass nicht alle AfD-Wähler Neonazis sind.

Michel: diese Menschen in diese Schublade reinzupacken ist falsch, dann bekomme ich,

Michel: unglaublich viele Zuschriften von AfD die mir sagen, vielen Dank dass sie das

Michel: gesagt haben, weil genau so ist es und wenn ich dann aber in einer Sendung sage,

Michel: wir müssen festhalten, dass Menschen die AfD wählen,

Michel: Neonazis wählen, dann bekomme ich ganz viele böse Zuschriften von Menschen,

Michel: die sagen, sie haben uns als Nazis bezeichnet das war immer das gleiche,

Michel: was ich gesagt habe, um und bei nur einmal auf dich bezogen und einmal auf die

Michel: anderen bezogen und dann merkst du,

Michel: wie wichtig das ist für die Menschen, wenn über diese Politik gesprochen wird und wenn man,

Michel: gewinnen will, so wirklich nahtlos gewinnen will, wenn man sein Leben lang komplett

Michel: beliebt auf allen Seiten bleiben möchte Helene Fischer gewinnen Ja,

Michel: Helene Fischer gewinnen, dann,

Michel: sag einfach nichts, was anecken kann ob du dann ruhig schläfst und ob du dich

Michel: selber magst, das ist ein anderes das weiß ich nicht, es gibt ja Menschen,

Michel: die sind so ich kann mir das schwer vorstellen, aber es gibt Menschen, die sind so Naja.

Christian: So unpolitisch zu sein, muss man sich auch irgendwie leisten können.

Michel: Ja, muss man sich leisten können. Muss man auch viel ertragen,

Michel: weil viele Menschen einem sagen, sag doch mal was.

Michel: Aber diese Menschen sehen irgendwann, dass es teilweise ganz gut war,

Michel: nichts gesagt zu haben, weil zwei Wochen später hat sich die Lage doch wieder verändert.

Michel: Und dann sagen sie, du Fuchs, du hast nichts gesagt, weil du wusstest das.

Michel: So, am Ende gewinnt immer die Politik, ja, so egal aus welcher Richtung.

Michel: Und ich kann nur verlieren, weil ich weiß ja nicht, was sie macht.

Christian: Aber empfindest du das auch so? Also du hast ja schon...

Christian: Du gehst ja schon mit einer bestimmten Haltung in die Welt. Bei allem,

Christian: was ich so von dir kenne. Ich mache das. Deine Bücher.

Christian: Aber dann nimmst du ja auch, wenn du das so weißt, wenn du das so beschreibst,

Christian: nimmst du ja auch mindestens mal billigend in Kauf, dass dir dadurch vielleicht

Christian: auch der ein oder andere Buch verkauft, der ein oder andere Auftritt,

Christian: was auch immer es ist, verloren geht.

Michel: Ja, ja. Nicht nur billigend in Kauf, wenn man schon mal Jura sieht.

Christian: Man muss das wissen und ordentlich machen.

Michel: Ich mache das mit Absicht. Ja, klar.

Christian: Und auch das muss man sich ja leisten können. Also ich habe das auch ein paar

Christian: Mal gedacht, ich glaube, jenseits sozusagen der Bühne bei Kampf der Künste bist

Christian: du mir das erste Mal aufgefallen, wann war denn das, 2015, mit dem großen Schild,

Christian: ich bin Muslim, was wollen Sie wissen?

Christian: Ja, wenig später oder kurz davor, also so für mich in der gleichen Zeitrechnung

Christian: irgendwie, warst du dann das erste Mal in Jamel für vier Wochen.

Michel: Ja, richtig, das war alles zur gleichen Zeit, ja.

Christian: Also auch das muss man sich ja leisten können. Das kriegt ja auch nicht jeder

Christian: hin mit seinem psychischen System oder ihrem psychischen System.

Christian: Sich da mal irgendwo auf den Jungfernstieg zu stellen, war vielleicht noch im

Christian: Vergleich eher das weniger belastende Szenario, stelle ich mir so vor.

Christian: Aber das muss man ja auch können und abkönnen.

Michel: Also der Jungfernstieg war schlimmer

Michel: als das Nazidorf, weil im Nazidorf wusste ich, was mich erwartet.

Michel: Da sind Neonazis mit Hagenkreuz und Reißflagge. Auf dem Jungfernstieg war das

Michel: ganz schön hart, dass ganz normale Menschen kommen und dann ins Gesicht spucken quasi.

Christian: Echt?

Michel: Ja.

Christian: Dass das schlimm ist, glaube ich, aber dass das so war, habe ich gar nicht.

Michel: Ja, dass wenn du in einer eigenen Stadt stehst, an dem Ort, an dem du selber

Michel: einkaufen gehst und denkst, okay, jetzt bin ich sichtbar, jetzt sage ich was

Michel: und jetzt sagen die mir, was sie denken, habe ich als wesentlich schlimmer empfunden

Michel: als zu denen. Die Nazis waren unangenehm.

Christian: Weil das diese normalen Leute in Anführungszeichen sind.

Michel: Ja, das war verletzend. Das unangenehm waren die Nazis und verletzend war der Jugendveranstieg.

Christian: Okay.

Michel: Macht aber nichts. Jetzt sehen wir ja, wie es ist. Also, das ist halt schlimmer.

Christian: Ja, aber es macht ja schon was. Also, ich will das gar nicht so...

Christian: Das muss man ja schon, also ich habe das so ein bisschen mit,

Christian: ich war schon beeindruckt von den einzelnen Aktionen an sich,

Christian: aber auch das so durchzuziehen.

Christian: Ich meine, wir schreiben jetzt 2025, zehn Jahre her.

Christian: Dazu gehört ja eine gewisse, wie sage ich das denn, Robustheit. ein mentales...

Michel: Ja, das bringen aber viele Migranten mit.

Michel: Also die Themen, die ich behandle, sind ja für Migranten nicht so interessant,

Michel: weil für viele Migranten sind, danke, dass du das machst, weil es sehen es die anderen.

Michel: Aber das ist dann für mich selber nicht so eine große Herausforderung,

Michel: weil ich so ungefähr weiß, was da passiert.

Christian: Hast du ja auch schon öfter in Interviews gesagt, dass du so ein Stück weit

Christian: abgestumpft bist eigentlich.

Michel: Ja, ja, total.

Christian: Das ist normal.

Michel: Das nehme ich nicht wahr. Aber ansonsten, wie soll ich das sagen?

Michel: Wenn man diese Politik rausnimmt,

Michel: Ich habe diesen Satz hier aufgeschrieben, um den Leuten zu sagen,

Michel: wenn du wirklich nicht anecken willst, wenn du immer beliebt sein möchtest,

Michel: wenn du keinen Shitstorm haben möchtest, wenn du quasi uneinordnbar sein möchtest,

Michel: wenn du den Leuten durch die Finger gleiten willst,

Michel: dann darfst du dich nicht zur Politik äußern.

Michel: Also das darfst du davon nicht machen, weil dann gewinnst du am Ende,

Michel: weil du hast keinen Stempel. Hast du einen Stempel, nutzen das Leute.

Michel: Und ich habe das natürlich, also dass ich einen Stempel von Anfang an hatte,

Michel: war gleich bei einem Migrant, man sieht das ja, wie ich aussehe.

Michel: Und dann war auch immer klar, auf welcher politischen Seite ich stehe.

Michel: Das war auch, also seit ich immer so, das war auch klar.

Michel: Und den Rest mache ich, weil es Teil meines Jobs ist, letztendlich.

Michel: Und ja, natürlich gibt es Einbußen, aber es gibt auch ganz viele positive Sachen dadurch.

Michel: Also es ist ja nicht so, dass wenn man was sagt, dass es immer schlimm wird danach.

Michel: Aber man muss danach abwägen und man muss ein bisschen vorsichtiger sein mit

Michel: dem, was man macht. Weil andere Leute haben Dinge in der Hand.

Michel: Und das muss man einfach abwägen, wie man das machen möchte,

Michel: wie man damit umgehen will.

Christian: Ich vermute es einfach mal, ich war ja nie dabei, aber ich vermute auch,

Christian: dass sowas wie eine physische Bedrohung für dich jetzt auch nichts Neues dann

Christian: wäre in solchen Situationen.

Christian: Oder fühlt sich das irgendwann auch jenseits von, ich sag mal,

Christian: dir schwappt ja dann die ein oder andere Verachtung entgegen,

Christian: Missbilligung, um es mal nett zu formulieren.

Michel: Ja.

Christian: Wird das dann auch irgendwann physisch?

Michel: Für physischer Gewalt überhaupt gar keine Angst, weil ich hab das auch,

Michel: ich hab auch nie einen Hehl drum, ich sag's auch immer, ich bin ein iranischer,

Michel: 44 Jahre alter Mann, wenn mich jemand schlägt, dann hau ich ihn um.

Michel: Ganz einfach. Also deswegen sind die Nazis auch nie gekommen,

Michel: weil sie wissen, womit sie es zu tun haben.

Michel: Also ich bin kein Heimchen am Herd, was dort irgendwie steht und sagt,

Michel: oh Mensch, meine Finger gehen jetzt kaputt oder sowas.

Michel: Ich kann absolut zuschlagen und die andere Person, da musst du dir gar keine Gedanken machen.

Michel: Ich hab das auch den Leuten auch immer auf der Bühne gesagt,

Michel: wir dürfen da keinen Hehl draus machen, wir dürfen das auch irgendwie nicht verstecken.

Michel: Ich kann nicht sagen, ja Mensch, aber ich bin Pazifist und ich sage,

Michel: nein, nein, wenn mich jemand schlägt, ich schläge zurück. Und das,

Michel: Sorgt für Respekt auf Seiten der Nazis. Das sorgt auch für Augenhöhe.

Michel: Wenn ich da irgendwie so ein bisschen, ich weiß nicht, so unklar daherkomme

Michel: und irgendwie mir die, wenn ich mir die Finger nicht schmutzig machen möchte.

Michel: Das respektieren die Nazis nicht.

Christian: Das ist meine Erfahrung eigentlich eher, dass sozusagen, wie soll ich sagen,

Christian: diese Haltung, die du da gerade zum Ausdruck bringst, dass man die auch irgendwie

Christian: an Körpersprache und Gestikmimik irgendwie auch ablesen kann eher.

Christian: So dieses, komm mir jetzt nicht.

Michel: Komm mir nicht zu nah. Weil du bist in einer Gefahrensituation.

Michel: Ich bin auf Neonazi-Demos.

Michel: Ich sag das ganz offen. Und mir ist es auch völlig egal, was Leute draus machen.

Michel: Sie können es aus einem Zusammenhang reißen und das irgendwie hin,

Michel: Michel Abdollahi ist ein Schläge. Das spielt für mich keine Rolle.

Michel: Aber du bist auf einer Neonazi-Demo. Da sind ganz schöne Brocken, die da rumlaufen.

Michel: Das ist jetzt irgendwie nicht, ich weiß nicht, wo ich hingehöre.

Michel: Und ich backe in meiner Freizeit gerne und mache lange Spaziergänge am Meer.

Michel: Das ist es nicht. Das sind schon Leute, die schlagen gerne zu.

Michel: Und die kommen und die bauen sich auf, die schubsen dich, die fassen dich härter

Michel: an, die wissen ganz genau, wie sie dich wegdrängen können.

Michel: Und da musst du mit Körpersprache dagegen, sonst hast du verloren sofort.

Michel: Wenn die nicht merken, du kannst genauso mit denen umgehen, du kannst genauso

Michel: den Griff, den sie machen, du bist ausgebildet in dem, was du dort machst,

Michel: du weißt, was du da tust, dann haben die Angst.

Michel: Zumindest haben sie aber erstmal Respekt. Aber man darf nicht vor denen zum

Michel: Opfer werden, in denen man aus irgendeiner, ich weiß nicht, falsch verstandenen

Michel: Eitelkeit heraus sagt, man sei,

Michel: ja, nein, ich mache sowas nicht und ich bin ganz friedlich.

Michel: Und dann kann man nicht auf eine Neonazi-Demo gehen, letztendlich.

Michel: Dann kommst du sehr unschön wieder zurück.

Michel: Wo hast du das denn gelernt? Das habe ich schon früh gelernt.

Michel: Also ich habe schon als Jugendlicher gelernt, dass es wichtig ist,

Michel: sich verteidigen zu können.

Michel: Was ich übrigens sehr vielen Frauen raten möchte, dass sie ganz,

Michel: ganz dringend Verteidigungskurse, Selbstverteidigungskurse machen müssen.

Michel: Die meisten Leute gehen auf Leute, wo sie glauben, das ist ein Opfer,

Michel: das kann sich nicht wehren.

Michel: Bei der kleinsten Regung, bei der kleinsten Gegenwehr geben ganz viele schon

Michel: mal auf. Das haben wir im Jurastudium auch gelernt, in so vielen Fällen zu sehen.

Michel: Das kleinste Widerstand bei den meisten dafür sorgt, dass sie erstmal die Beine

Michel: in die Hand nehmen und laufen.

Michel: Ich bin großer Fan von, halt die andere Wange hin.

Michel: Aber die andere Wange halte ich hin, wenn ich vor einer Übermacht stehe und

Michel: nicht mehr weiß, was ich machen soll. das ist für mich was anderes,

Michel: wenn ich gegen den Staat kämpfe, wenn ich gegen ein System kämpfe.

Michel: Also wenn ich gegen Thorsten auf der Demo. Nein, nein, wir reden nicht von 1989

Michel: und auch nicht von Mahatma Gandhi.

Michel: Aber wir reden davon, ja, wir reden davon so einem Typen, der kommt auf dich

Michel: zu und der holt die Faust und will dir ins Gesicht schlagen.

Michel: Da bin ich nicht der Mensch, der sagt, hier, schlag doch auf die andere Wange.

Michel: So, da mache ich was, dass Thorsten das nicht machen kann.

Michel: Und das ist ganz, ganz wichtig, um,

Michel: in diesem System auch bestehen zu können und dann auf Augenhöhe mit den Leuten

Michel: reden zu können. Das lernst du sehr, sehr schnell.

Michel: Das lernst du, als Junge lernt man das ja schnell schon, als kleines Kind,

Michel: in so Raufereien. Da bin ich nie Fan davon gewesen.

Michel: Ich hasse blaue Flecken. Ich mag nicht, dass meine Hände auch nur einen Kratzer haben.

Michel: Ich habe Karate gelernt, weil meine Eltern das so gerne wollten,

Michel: weil mein Vater das selber gemacht hat.

Michel: Ein sehr friedlicher Sport, ein sehr fairer Sport. Aber bringt dir halt auch

Michel: bei, wie du dich sehr fair und sehr friedlich, aber sehr unmissverständlich wehren kannst.

Michel: Ich bin nie der, der den ersten Angriff macht. Das mache ich sonst verbal,

Michel: aber mit Händen und Füßen mache ich das nicht.

Michel: Das ist für mich eine sinnlose Sache.

Michel: Aber wenn jemand zu nahe kommt, dann kann ich darauf reagieren.

Christian: Eben, es macht ja was mit einem, wenn man weiß, man könnte.

Michel: Ja.

Christian: Karate übrigens, shameless plug, im September ist eine Folge bei uns erschienen mit Reem Karmes.

Michel: Ah, schön.

Christian: Die, also nicht, kennst du sie zufällig?

Michel: Also nicht persönlich, aber ich weiß, was sie macht, ja.

Christian: Du bist ja ganz schön rumgekommen so die letzten Monate.

Michel: Ja.

Christian: Also wirklich viel. Ich glaube, gestern warst du in Leipzig,

Christian: wenn ich es richtig auf dem Zettel habe.

Michel: Richtig.

Christian: Hast auch einen Haufen Interviews gegeben und bist gleichzeitig jemand,

Christian: der ganz schön viele Interviews auch führt.

Christian: Also gewohnt ist, glaube ich, für dich nach wie vor die Seite,

Christian: auf der ich hier eigentlich eher sitze.

Michel: Ja.

Christian: Also derjenige, der ausfragt, anstatt derjenige, der ausgefragt wird, um zu sein.

Christian: Gehst du manchmal in solche Gespräche rein und denkst dir, Mensch,

Christian: wenn sie mir die Frage mal stellen würden, das wäre schön. Und wenn ja,

Christian: welche Frage ist denn das?

Michel: Nein, habe ich aufgehört mit. Ja, ich werde immer, ganz am Anfang,

Michel: ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll, aber ich hatte so Ansprüche

Michel: an mich selbst, die habe ich nicht mehr.

Christian: Als Interviewer oder als Fragender?

Michel: Als Interviewer. Auf der anderen Seite weiß ich, was ich mache.

Michel: Und dann bin ich auch nicht im Vordergrund, sondern der Gast und ich kann so

Michel: ein bisschen lenken und steuern und gucken, dass die andere Person so aussieht, wie sie aussieht.

Michel: Meistens ein bisschen besser. Das ist ja die Aufgabe des Moderators,

Michel: dass die andere ein bisschen besser aussieht am Ende des Tages.

Michel: Außer sie ist ganz schlimm.

Christian: Genau, manchmal.

Michel: Dann muss man sie manchmal auch schützen. Also wenn man weiß,

Michel: die ist gar nicht so schlimm, sondern macht sich gerade nur schlimmer.

Christian: Man hat nicht die Erfahrung, die man so sagt.

Michel: Oder sie ist ganz schlimm und muss sie entlarven. Alle haben doch nicht verstanden,

Michel: über welche verschiedenen Kategorien Menschen ich spreche.

Michel: Aber wenn du befragt wirst selber, dann wollte ich so Sachen platzieren.

Michel: Ich wollte bestimmte Fragen gestellt bekommen. Ich dachte, das ist alles wichtig

Michel: und am Ende habe ich gesehen, es ist nicht wichtig.

Michel: Das Einzige, was wichtig ist, ist, ob die Menschen einem gerne zuhören und ob sie einem vertrauen.

Michel: Ob sie sagen, ja, ich bin nicht bei allem seiner Meinung, aber irgendwie vertraue ich dem.

Michel: Und da habe ich gemerkt, da gibt es keine Frage. Das kann ich nur durch Wahrhaftigkeit überbringen.

Michel: Ich kann den Leuten nur sagen, ja, sie können mir vertrauen. Ich bin da.

Christian: Also authentisch bleiben, so sehr das am Vortil ist.

Michel: Ja, ich bin das, was ich bin. Das, was sie sehen, das ist, das,

Michel: was sie glauben, das stimmt wahrscheinlich.

Michel: Egal, was sie glauben, das stimmt wahrscheinlich. Einen Ticken stimmt das wahrscheinlich.

Michel: Und wenn sie nicht wissen was, dann fragen sie doch und überlegen sie mir,

Michel: ob das wirklich Not tut oder nicht.

Michel: Aber ansonsten die große Frage, die ich noch beantworten möchte, die habe ich nicht.

Michel: Und ich habe natürlich im Laufe der Jahre gelernt, dass die Frage muss ja gar

Michel: nicht gestellt werden, damit ich die Antwort darauf gebe.

Christian: Naja, das kommt noch dazu, wenn man so ein paar Tricks drauf hat.

Michel: Dann kann man ja irgendwann das antworten oder das platzieren,

Michel: was man gerne platzieren möchte.

Michel: Da bin ich auch nicht so der große Typ. Ich höre gerne den Leuten,

Michel: die mich befragen, gerne zu und antworte ihnen dann auch ehrlich.

Christian: Aber du hast es eben auch angesprochen. Ich glaube im Kontext des,

Christian: wer wirklich gewinnen will.

Christian: Das ist ja was, was zum Beispiel oft PolitikerInnen unterstellt wird, so zu handeln.

Christian: So erstmal sich lange nicht zu verhalten und dann dahin zu gehen,

Christian: wo die Mehrheit schon ist. Und,

Christian: Ich habe das ein paar Mal überlegt und ich meine das tatsächlich wertschätzend.

Christian: Ich habe das ein paar Mal überlegt, als ich das Buch gelesen habe,

Christian: dass ich so einzelne Formulierungen gefunden habe, wo ich dachte,

Christian: ach Mensch, das könnt ihr jetzt auf irgendeinem Parteitag erzählen.

Christian: Ich muss mal weiterlesen, welche Partei das wäre.

Christian: Aber da waren Formulierungen bei, wo

Christian: ich dachte, das kann jetzt auch eine Politikerrede sein, was ich da lese.

Christian: War das bewusst so gemacht? Weil das hat ja auch so bestimmte rhetorische Stilelemente,

Christian: so Gegenüberstellungen und solche Sachen. Richtig.

Christian: Hast du das bewusst platziert oder kam das einfach irgendwann?

Michel: Nee, das ist bewusst.

Christian: Und wann trittst du in eine Partei ein und sagst...

Michel: Das sind die Helene-Wischer-Momente.

Christian: Ich habe alte Sachen gefunden, dass du mal, ich glaube zumindest rudimentär

Christian: in der Hamburger CDU, glaube ich...

Michel: Im Landesfachausschuss für Integration der CDU, weil ich habe im Rathaus ein

Michel: Praktikum gemacht und sie haben leider niemanden gefunden, der Migrationshintergrund hatte.

Michel: Da haben sie mich gefragt, ob ich nicht auch noch in diesem Fahusschuss machen möchte.

Michel: Da saß nur alte Männer und ich habe den da mal irgendwie erklärt,

Michel: so geht das nicht und dann wurde der Ausschuss auch aufgelöst,

Michel: so das war meine kurze Karriere irgendwie im Fachausschuss.

Michel: Aber ja, ich mache das, natürlich mache ich das bewusst, weil wenn ich einen

Michel: Abriss schreiben möchte, dann erreiche ich damit nichts.

Michel: Und mit der Art und Weise, wie wir heute die Debatten führen,

Michel: erreichen wir nichts. Und dann...

Christian: Damit meinst du so dieses also dieses übliche Talkshow Ding,

Christian: muss ich jetzt gar nicht eine nennen, sondern so sind die ja dann irgendwie

Christian: oft alle, Also aneinander vorbeireden und eigentlich in Richtung des Publikums reden.

Michel: Nee, das meine ich. Ich meine, wie wir miteinander reden. Ich sage irgendwas,

Michel: du sagst irgendwas, wir sind nicht einer Meinung und dann hassen wir uns und gehen auseinander.

Michel: Das ist nicht gut. Wenn du was sagst, musst du meinen Pullover nicht mögen.

Michel: Dann hasse ich dich ja nicht deswegen.

Michel: Das meine ich eher. Und deswegen habe ich versucht, im Buch...

Christian: Und das Gute ist.

Michel: Ja, aber du wirst nicht herausfinden, welcher Partei ich dann,

Michel: du wirst nicht sagen können, auf welcher Partei dieses Statement sein könnte.

Michel: Also du wirst sagen, es hört sich an wie Politiker sprechen,

Michel: aber du kannst nicht sagen, für dich, welcher Partei. Es könnte auch die AfD sein.

Christian: So abschätzig meinte ich es gar nicht. Politiker-Sprech ist ja wirklich so ein,

Christian: also würde man eher so als, wie sagt man, Slur, als so ein, so ein,

Christian: so ein, so ein, ja genau, so eine Worthülse.

Michel: Ja.

Christian: Das, das meine ich gar nicht. Ich meine eher so die, die, der Aufbau.

Christian: Warte, ich kann, wenn du willst, kann ich mal, kann ich mal eine Stelle raussuchen.

Michel: Ja, gerne.

Christian: Hier.

Christian: Ich weiß sogar, auf welcher Seite es steht. Also alle, die das Buch kaufen.

Christian: Und was ist die Lösung? Nicht mehr reden, sondern handeln. Nicht mehr uns,

Christian: sondern die zur Verantwortung ziehen.

Christian: Wir brauchen eine Politik, die nicht nur reichen, sondern auch die Armen im

Christian: Blick hat. Wir brauchen eine Wirtschaft, die nicht nur Profite,

Christian: sondern auch Menschen zählt.

Christian: Und wir brauchen eine Gesellschaft, die nicht nur Integration,

Christian: sondern vor allem Gerechtigkeit auf die Fahnen schreibt.

Christian: Da hätte ich jetzt eine Idee, auf welchen Parteitagen das wahrscheinlich eher

Christian: nicht stattfindet. Aber ich will ja, also mich interessiert das ehrlich gesagt

Christian: noch gar nicht, für welche Partei du im Zweifel antreten würdest.

Christian: Das geht mich ja echt nichts an.

Christian: Aber mir ist das einfach aufgefallen beim Lesen, dass ich dachte,

Christian: ach guck mal, jetzt ist das vielleicht das Genre.

Michel: Ja, ich lese diese Passage ab und zu vor.

Michel: Dann musst du dir überlegen, dass wenn ich, ich lese sie dann vor.

Michel: Und ich lese sie nicht als Politiker vor, sondern ich lese sie als Bürger vor

Michel: oder als Mensch, der dieses Buch geschrieben hat. Und es gibt so viel Zustimmung von den Leuten dafür.

Michel: Weil diese paar Sätze, die du vorgelesen hast, wenn wir die umsetzen würden,

Michel: dann hätten wir oder wären auf dem Weg zu einer viel, viel besseren Gesellschaft,

Michel: zu einer viel gerechteren Gesellschaft.

Michel: Also mir ging es darum, weil ich das so viele Sachen in diesem Buch aufgeschrieben

Michel: habe und wenn ich solche Sachen reinschreibe, dass die Leute wissen, ich meine das so.

Michel: Und ich glaube, dass das das Einzige ist, was wir erreichen müssen,

Michel: um aus dieser Situation wieder rauszukommen.

Michel: Und wenn du das den Leuten dann nicht mit einer Parteitagsrede,

Michel: Du stehst da vorne irgendwie und dann schreist du das ins Mikrofon und dann

Michel: immer noch mit sehr, meine sehr gefährten Damen und Herren, da gibt es immer so Zwischenapplaus,

Michel: sondern du stellst dich dorthin, es ist mucksmäuschenstill und du sagst es als

Michel: Betroffener in einen großen Raum rein mit einer, mit einer ganz ruhigen Stimme.

Michel: Und sagst, das ist es, was wir wollen. Das ist es, was wir brauchen.

Michel: Aber wir machen es einfach nicht. Und das war's.

Michel: Und dann schwöre ich dir, sitzen die Leute da und gucken dich an und dann gibt

Michel: es aber richtig Beifall.

Michel: Weil diese Sätze gehen den Leuten direkt ins Herz, weil sie wollen sie hören,

Michel: weil sie wissen, sie sind wahr.

Michel: Und sie wissen, es ist so schlecht umsetzbar.

Michel: Aber wenn das, weiß ich nicht, der Bundeskanzler sagt, aber er hat zwei Tage

Michel: vorher was ganz anderes gesagt.

Christian: Das muss man endlich ordentlich abschieben.

Michel: Dann geht's nicht, ja. Aber wenn ich es sage, dann wissen die Leute,

Michel: dass ich davor und davor und davor und danach auch wieder das gleiche sage.

Michel: Und dann schaffst du wieder Vertrauen bei den Leuten.

Christian: Genau, das geht aber nur, weil du ja sozusagen als Person dafür stehst.

Christian: Wenn ich jetzt einfach irgendwie aus irgendeinem Fuchsbau komme und mich hier

Christian: auf den nächsten Platz in Berlin stelle.

Michel: Kommt drauf an, wie du es sagst. Der Ton macht die Musik. Bei solchen Dingen

Michel: kommt es sehr drauf an, wie man das formuliert.

Michel: Wie liest man so etwas vor? Und wie adressiert man das an die Leute?

Michel: Und wie viel Körpersprache und wie viel Blick packst du da rein?

Michel: Also merken die Leute, dass du wirklich überzeugt davon bist,

Michel: dass das das Einzige ist, was uns helfen wird.

Michel: Und wenn die merken, dass du davon wirklich überzeugt davon bist, dann folgen sie dir.

Christian: Und einen Teil davon verstehe ich vielleicht sogar, als jemand,

Christian: der früher gerne Matlock geguckt hat, dass man das im Jurastudium lernen kann.

Christian: Also nochmal zum Anfang zurück.

Christian: Aber einen anderen Teil davon lernst du ja nicht.

Michel: Nein, das musst du haben.

Christian: Der gerne viel ist, aber dass man das irgendwie im dritten Semester Jura-Studium

Christian: lernt, glaube ich nicht.

Michel: Nein, im Jura-Studium lernst du gar nichts von dem, was ich da gemacht habe.

Michel: Da lerne ich den Unterbau von dem, was ich mache.

Michel: Aber das Ausführen, das lernst du im Jura-Studium. Das musst du mitbringen.

Michel: Das lernt man über die Zeit.

Michel: Entweder hat man es oder hat man es nicht. Also ein bisschen ist es auch Gott gegeben.

Christian: Man baut es auch aus durch Übung, glaube ich, immer, oder?

Michel: Du musst üben, du musst reflektieren. Also du musst verstehen, was du da machst.

Michel: Du musst ein Publikum verstehen können. Du musst Reaktionen lesen können,

Michel: du musst an dir arbeiten, du musst dich verändern wollen und dann...

Michel: Das Ganze wieder von vorne fünf Jahre später, weil du musst immer in einem Wandel

Michel: sein, weil sich alles wandelt und alles anders wird.

Michel: Ich habe vor fünf Jahren anders gesprochen, ich habe vor zehn Jahren anders

Michel: gesprochen, aber meine Grundhaltung, meine humanistische Grundhaltung war dieselbe.

Michel: Die hat sich nie verändert.

Michel: Und wenn du das über Jahre mitziehst, aber nur anders verpackst,

Michel: damit du immer up to date bist und die Leute erreichst, was gerade jetzt relevant

Michel: ist, dann gelingt das. Aber das lernt man, nein, das lernt man nicht im Studium.

Michel: Ich habe Matlock auch sehr gerne geguckt. Ich dachte ja, Jura wäre wie Matlock.

Michel: Und als ich dann das erste Mal zu Gericht war, habe ich dann gefragt, was ist das denn hier?

Michel: Und dann haben sie gesagt, das ist ein deutsches Gericht. Da habe ich so,

Michel: oh Gott, das wollte ich aber nicht, wo sind.

Michel: Also ich wollte jetzt auch keine Rosshapperrücken haben, wie aus Großbritannien,

Michel: aber das war halt überhaupt nicht wie bei Matlock.

Michel: Und dann dachte ich mir, weiß ich nicht, ob ich das noch viele Jahre lang machen kann.

Christian: Dann ist das nicht mein Ding.

Michel: Nein.

Christian: Okay. Lass uns vielleicht mal zu den Lernangeboten kommen, wenn du magst.

Christian: Du hast hier drei ausgesucht. Ich habe mich auch sehr über die Auswahl gefreut.

Christian: Ich habe sie hier mal in, wie sagt man, in no particular order, einfach für dich.

Christian: Und ich würde vielleicht bei jedem Lernangebot mal kurz sagen,

Christian: worum es da so grob geht, damit die Hörner mitkriegen, okay,

Christian: das könnte was für mich sein oder vielleicht eher nicht.

Christian: Mich interessiert aber auch, warum das jetzt was ist, was dir so ins Auge gesprungen ist.

Michel: Kann ich dir sagen.

Christian: Ich bin gespannt. Das erste Lernangebot, was du dir rausgesucht hast,

Christian: dreht sich um Mediennutzung im Kindesalter.

Christian: Also es gibt wertvolle Tipps für Eltern, wie sie den medialen Alltag umsetzen

Christian: und dadurch auch eine eigene Position zum Umgang mit Medien oder ihre eigenen

Christian: Kinder mit Medien finden viel mehr.

Christian: Ich fand es ganz interessant. Ich weiß nicht, ob du soweit geschaut hast.

Christian: Es gab sogar einen Selbsttest in dem Lernangebot, wo die Eltern,

Christian: bevor sie überhaupt über Mediennutzung ihrer Kinder sprechen.

Michel: Oh nee, soweit bin ich nie gekommen.

Christian: Einen Test machen.

Michel: Das mache ich aber.

Christian: Wenn du willst, können wir jetzt sofort.

Michel: Ja.

Christian: Soll ich mal gucken?

Michel: Bitte.

Christian: Ich habe das Quiz hier vor mir und es sind genau fünf Fragen.

Christian: Und wir machen die mal im Schnelldurchlauf und hinterher kann ich dir sagen,

Christian: wie reflektiert du in deiner Mediennutzung bist.

Michel: Ich habe Angst. Ich mache das ganz ehrlich. Okay, muss ich gut nachdenken.

Christian: Frage 1 von 5. Wie häufig überprüfst du dein Smartphone am Tag,

Christian: außer für berufliche oder schulische Zwecke?

Christian: Also wenn du es wirklich, ich interpretiere das so, mit Intention aufmachst.

Christian: Nur ein paar Mal, wenn ich es wirklich brauche, mehrmals pro Stunde,

Christian: oft ohne konkreten Grund?

Michel: Nein, die letzte, das allerletzte. Es gibt noch was drüber als mehr als die

Michel: Stunde? Nee, dann nehme ich mehr als die Stunde. Oh Gott, Gott sei Dank gibt es nichts drüber.

Christian: Ohne konkreten Grund steht hier noch.

Michel: Ja, aus reiner Sucht.

Christian: Reine Sucht, sehr gut. Wie fühlst du dich, nachdem du längere Zeit auf Social

Christian: Media warst? Erstens, meist inspiriert oder gut informiert?

Michel: Nein, das nächste.

Christian: Gemischt, manchmal unterhalten, manchmal gestresst?

Michel: Nein, auch nicht. Ich glaube, es gibt nur gestresst.

Christian: Das sind die beiden.

Michel: Also, dann nehme ich gemischt. Gott sei Dank, so nett. Das ist aber freundlich auch.

Christian: Ich glaube, es richtet sich an Leute, die jetzt nicht irgendwie zigtausende

Christian: Follower haben und irgendwie einen Haufen Kommentare kriegen, sondern mehr so.

Michel: Doch, die alle sind wie ich. Das nimmt sich nichts ab. Es spielt gar keine Rolle,

Michel: ob man Follower hat oder nicht, um Social Media süchtig zu sein.

Christian: Frage 3. Wählst du gezielt aus, welche Inhalte, zum Beispiel Nachrichten,

Christian: Videos, Podcasts, du konsumierst?

Michel: Überhaupt nicht. Null. Wie soll ich das denn machen?

Christian: Das habe ich hier nicht mal als Antwortmöglichkeit. Hier steht teils,

Christian: teils. Manches finde ich gezielt, manches scrolle ich einfach durch.

Christian: Das andere ist, ja, ich suche bewusst nach Inhalten, die mich interessieren oder weiterbringen.

Michel: Da fehlt immer noch Antwort C, nämlich die Realität. Die müssen wir noch ändern

Michel: noch. Also Antwort C. Antwort C ist?

Michel: Natürlich gucke ich nicht, ist gezielt.

Christian: Es kommt einfach. Also du kriegst so einen Schwall ab und….

Michel: Das ist da. Es funktioniert ja gar nicht anders, das System.

Michel: Ich weiß schon, was am Ende rauskommt hier bei dem Test.

Christian: Ich habe auch eine Ahnung, aber wir ziehen das jetzt durch.

Michel: Das ist noch freundlich wahrscheinlich.

Christian: Wie oft reflektierst du deine eigene Medienzeit oder setzt dir bewusste Medien Pausen?

Michel: Gar nicht.

Christian: Okay. Selten oder nie. Medien gehören einfach ständig dazu, steht hier.

Michel: Ja.

Christian: Nehmen wir die, oder?

Michel: Das nehmen wir. Ja.

Michel: Für ehrlich sein.

Christian: Frage 5 von 5. Wie oft nutzt du Medien, um Langeweile, Stress oder unangenehme Gefühle zu verdrehen?

Michel: Permanent.

Christian: Das ist ja nicht die Antwortmöglichkeit. Ich habe hier die Möglichkeit,

Christian: entweder manchmal anzuklicken.

Christian: Medien sind eine gute Ablenkung oder fast nie. Ich versuche solche Gefühle.

Michel: Krass, aber da müssen wir über den Test mal reden. Das ist echt spannend,

Michel: weil da fehlt immer noch die Wahrheit.

Michel: Ich bin nämlich viel mit Leuten unterwegs, die mit Medien zu tun haben.

Michel: Ich bin oft in ihren Schulen, rede dort mit Jugendlichen. Da fehlt überall das,

Michel: was die alle sagen und was bei mir Realität ist und was bei den meisten Menschen,

Michel: die ich kenne, Realität ist.

Christian: Also wirklich dieses Extrem, was man sich eigentlich nicht wünscht.

Christian: Ja. Interessant. Ich klicke jetzt hier mal auf manchmal einfach, weil das ist schlimm.

Michel: Ja, finde ich gut, manchmal.

Christian: Hier steht jetzt sogar, dass du eine teilweise bewusste Mediennutzung hast und

Christian: die würde ich dir auch unterstellen, ehrlich gesagt.

Michel: Ich glaube, dass das nicht so ist.

Christian: Nee?

Michel: Nein. Ich glaube, das ist einfach falsch. Ich glaube, dass wir uns das einreden,

Michel: dass wir das haben, aber wir haben es nicht.

Michel: Also ich glaube, es stimmt einfach nicht. Es hat sich einfach geändert im Laufe der letzten Jahre.

Michel: Der Medienkonsum ist schleichend mehr geworden, Social Media ist schleichend

Michel: mehr geworden, wie bei allen Dingen, die süchtig machen.

Michel: Jeder Mensch, der eine Sucht hat, weiß, dass man mit,

Michel: einer sehr großen Mühe, selbst dann es nicht wirklich hinbekommt,

Michel: dass die Sucht mehr wird.

Christian: Also das ist ein, wie soll ich sagen, ein sehr offenes Statement.

Christian: Sonst in anderen Kontexten, wenn du jetzt, was wäre es, ich denke mir was aus,

Christian: wenn du jetzt vor mir sitzen würdest und sagst, ich habe eine Heroinsucht,

Christian: dann würde ich ja, ich würde mir glaube ich sehr, also hoffentlich,

Christian: große Sorgen um dich machen.

Christian: Weil das ja eine Sucht ja auch, zumindest soweit ich das noch so aus dem Studium

Christian: von früher kenne, eine Sucht ja auch was ist, was in dem Moment,

Christian: wo es deinen Lebensalltag wirklich so stark einschränkt und so um sich greift,

Christian: dass es sich wirklich auch negativ auf jede andere Lebenswelt von dir auswirkt.

Christian: So ist ja eine der vielen, ich glaube, rumschwirrenden Definitionen von Sucht.

Michel: Richtig.

Christian: Du wirst also schon so weit gehen, dass deine Mediennutzung diesen Suchtcharakter

Christian: hat, dass sozusagen alles in deinem Leben dadurch beeinträchtigt wird, wie du mit dir nutzt.

Michel: Nein, bei mir, also natürlich bin ich der Einzige, der süchtig ist und keine

Michel: Konsequenzen davon hat, aber bei allen anderen sagen, kann ich das bei ihr stetigen.

Michel: Beim Medienkonsum muss ich sagen, also bei mir gehört es einmal zum Beruf dazu.

Michel: Zweitens weiß ich, was ich dort mache und ich kann das Handy auch jederzeit weglegen.

Michel: Ich mache es aus Gründen heraus nicht, aber ich, also ich habe meine Mitarbeiter,

Michel: ich habe irgendwie, ich muss gucken, was gerade jetzt passiert.

Michel: Ich kann nicht einfach so sagen, ich bin jetzt irgendwie als euer Chef,

Michel: bin ich jetzt nicht erreichbar. Ich habe tagsüber, was wir im Fernsehen machen

Michel: und abends habe ich noch ein Theater.

Michel: Also ich habe 24 Stunden was zu tun. Und ich kann nicht das Handy jetzt weglegen,

Michel: weil ich sage, mein Medienkonsum ist zu hoch und dann ruft mich immer aus dem

Michel: Theater und sagt, das hier ist gerade ein Rohr geplatzt. Was machen wir jetzt?

Michel: Das geht natürlich nicht. Das wissen alle Leute, die solche Berufe haben.

Christian: Deswegen kann ich das gut kontrollieren.

Michel: Es ist aber nicht die Mediennutzung.

Christian: Die hier so im Test zumindest gemeint ist, glaube ich. Also hier geht es,

Christian: glaube ich, eher um sowas wie,

Christian: Ich mache aus so einem gelangweilten Habitus auf. Ja, genau.

Michel: Ich meine, das kommt halt noch hinzu. Ich würde mein Handy natürlich weglegen,

Michel: um auch aus Langeweile Insta nicht aufzumachen.

Christian: Okay.

Michel: Was mir gar nichts gibt. Da passiert gar nichts, was für ein Interesse ist für mich. Nichts.

Michel: Nichts. 0,0. Ich glaube, ich habe alle Bilder schon gesehen,

Michel: die es dort gibt. Es ist immer wieder die Reproduktion von dem gleichen Scheiß.

Michel: Aber du machst das aus Langeweile. Das ist wie eine Tüte Weingummi in den Griff

Michel: bereit zu haben, dass der Arm wirklich nur reingehen kann.

Michel: Dann isst du alles auf. Wenn das Ding in der Küche ist, hast du irgendwann keinen

Michel: Bock. Und irgendwann vergisst du das, dass es noch da ist.

Christian: Du machst die Schublade auf und denkst, oh.

Michel: Aber durch meine ständige Erreichbarkeit sein müssen, habe ich halt quasi die

Michel: Tüte die ganze neben mir.

Michel: Und greife dann auch die ganze Zeit auch rein. Und das versuche ich immer weiter

Michel: unter Kontrolle zu haben.

Michel: Ich richte das jetzt auch mittlerweile ein, dass wenn ich mal ein paar Tage

Michel: nicht da bin, den Leuten sage, ich bin für jetzt 48 Stunden nicht erreichbar,

Michel: egal was passiert. Ich habe mein Handy einfach nicht dabei.

Michel: Aber ich weiß, dass es Jugendlichen noch viel schlimmer geht damit,

Michel: die dann irgendwie das ja so halbfreiwillig machen.

Christian: Ja, verschiedene Studien zu auch so ein bisschen zu sozialer Teilhabe.

Michel: Deswegen habe ich diesen Lehrgang dort angeklickt und gesagt,

Michel: das würde ich gerne machen, weil...

Michel: Das Ganze jetzt auch noch für Kinder. Also ich bin 44 Jahre alt und tue mich

Michel: sehr schwer, das einzuordnen.

Michel: Was ist mit einem Zweijährigen, mit einem Dreijährigen, mit einem Vierjährigen,

Michel: die ja auch alle Medien konsumieren, die Leute irgendwie in einer schwarzen

Michel: Box groß werden lassen und sagen, du darfst nämlich gar nichts sehen,

Michel: bis du 18 bist. Und guck mal, so sieht die Welt aus.

Michel: Natürlich müssen Kinder irgendwann ein Handy haben. Kinder müssen nur ein Tablet spielen können.

Michel: Also die Zeiten sind vorbei, wo man mit einem stockeren Reifen draußen rumgelaufen

Michel: ist. Das erwarte ich auch von niemandem.

Michel: Und dann habe ich das auch ausgewählt, weil ich einen Artikel gelesen habe,

Michel: der Kinderkanal wird ja rein online bald.

Michel: Der Kinderkanal ist ein Kanal, der komplett kuratiert ist. Da haben sich Menschen,

Michel: die wirklich Ahnung haben von dem, was sie da machen, das ist nicht für mich gemacht.

Christian: Manche Sachen.

Michel: Super langweilig. Dann sag ich, ja, das ist aber auch für einen Dreijährigen

Michel: gemacht, Alter. Und nicht für dich.

Michel: Manche Sachen sind auch für uns. Das ist auch mit drin, weil wir was lernen als Erwachsene.

Michel: Aber dass du mit deinem Kind dort sitzt, ein kuratiertes Programm siehst,

Michel: was verschiedene Ansprüche hat, für verschiedene Alter ist, für verschiedene Arten von Kinder ist.

Christian: Vielleicht auch mal was zeigt, was du zu Hause nicht so siehst.

Michel: Richtig. Und vor allem, du hast das Kind dabei, du kannst das zusammen gucken,

Michel: man kann irgendwie kuscheln miteinander, man kann reden danach,

Michel: man kann das ausmachen, Zeiten diskutieren.

Michel: Wenn das wegfällt und das Kind bekommt einfach nur so ein Handy vor die Nase

Michel: gesetzt und kann dann damit machen, was es will, das halte ich für hochgradig bedenklich.

Michel: Ich halte es ja schon hochgradig bedenklich bei Erwachsenen.

Michel: Was soll es dann bei Kindern erst machen? Deswegen habe ich das ausgesucht,

Michel: weil ich glaube, Menschen, die aus sehr hohem Bildungsstand mit viel Geld und

Michel: viel Zeit und viel Interesse und viel Neugier, das muss alles zusammenkommen, kommen.

Michel: Die können mit Sicherheit im Internet für ihr Kind selber ein Programm zusammen kuratieren.

Michel: Normale Menschen, die, sage ich mal, so albernen Sachen wie Arbeit nachgehen,

Michel: weil sie ihre Miete zahlen müssen, die haben leider keine Zeit dafür,

Michel: noch das Internet für ihr Kind zu kuratieren.

Michel: Deswegen fand ich das sehr wichtig, weil ich glaube, es müssen viel mehr Menschen

Michel: lernen, was machen Medien eigentlich mit Kindern.

Michel: Und das ging ja da hauptsächlich um Kinder, nicht um Jugendliche.

Michel: Also noch viel früher anfangen.

Christian: Aber selbst da. Also wenn du Jetzt sagst du, wir sind fast gleich alt und jetzt

Christian: sagst du, der 13-jährige Christian hat jetzt auf einmal den Medienzugang,

Christian: den heutige 13-Jährige haben.

Michel: Ja.

Christian: Ich weiß nicht, wie ich funktioniert hätte.

Michel: Ich auch nicht. Ich kann mir auch schwer vorstellen.

Christian: Ich bin auch sehr froh, dass Fotos aus der Zeit noch entwickelt werden mussten.

Michel: Ja, ja, total. Also deswegen finde ich das wichtig. Das sollten eigentlich alle

Michel: machen. Alle sollten das lernen. Alle Menschen, Kinder haben, sollten das lernen.

Christian: Perfektes Schlusswort. Kommen wir zum nächsten Lernangebot. Das nächste Lernangebot,

Christian: das du dir ausgesucht hast, heißt Urban Types von Häusern und Menschen.

Christian: Und in dem Lernangebot geht es um Wohnen, aber es wird so ein bisschen,

Christian: und ich fand es interessant, früher hätte ich Arzi gesagt, beschrieben.

Christian: Ich weiß gar nicht, ob du so weit vorgedrungen bist. Es gibt so verschiedene

Christian: Haus- und BewohnerInnen-Biografien, an denen so verschiedene Stadtteile und

Christian: Wohnen formen. irgendwie so als Nicht-Experte irgendwie beschrieben werden. Es geht um,

Christian: verschiedene Gebäudeformen, was sie wiederum mit den Leuten machen,

Christian: die da irgendwie rein und raus laufen und da wohnen. Einen Haufen Materialsammlungen,

Christian: Filme, Zeichnungen, Interviews, Karten.

Christian: Und ich habe mich beim, also ich habe mich natürlich gefragt,

Christian: warum du es dir ausgesucht hast. Kommst du bestimmt auch gleich zu.

Christian: Ich habe mich aber gleichzeitig auch gefragt, jemand, der so wie du jetzt,

Christian: ich glaube deutschlandweit, aber auch im Hamburger Raum, ja doch,

Christian: also ich stelle mir vor, dass du über die Straße gehst und schon ab und zu mal

Christian: angesprochen wirst oder jemand irgendwie hinter deinem Rücken tuschelt,

Christian: ah, das ist der Abdollahi wieder.

Christian: Also dass dir das regelmäßig passiert, dass es ja irgendwann dann auch gerade für so Leute,

Christian: die irgendwie eine gewisse Sichtbarkeit haben, auch einen Rückzugsraum braucht

Christian: und das ist ja dann oft das Zuhause und ich kenne das dann so,

Christian: dass an den Klingelschildern irgendwo nicht der richtige Name steht oder dass

Christian: man irgendwie so einen Deal hat mit den Nachbarn, die einen vielleicht sogar

Christian: abschirmen ab und zu mal.

Christian: Ich habe mich gefragt, wie das bei dir gelöst ist, ohne dass du jetzt gleich

Christian: verraten musst in Straße und Hausnummer in Hamburg.

Michel: Ich bin da ganz offen, ich habe immer ganz offen gewohnt, es ist mir relativ

Michel: egal, was die Leute da, das spielt für mich keine Rolle, ich habe,

Michel: ich wollte irgendwie, wie soll ich das sagen, ich wollte mein Leben und die

Michel: Öffentlichkeit irgendwie nicht gegeneinander tauschen müssen.

Michel: Dass ich sage, in der Öffentlichkeit... Ja, das wollte ich nicht.

Michel: Aber ich kann das auch relativ schlecht. Ich kann schlecht eine Rolle spielen.

Michel: Ich bin ein guter Schauspieler. Ich bin eigentlich immer so, wie ich bin.

Christian: Hätte ich dir jetzt zugetraut irgendwie? Ich weiß gar nicht.

Michel: Vielleicht ist das meine Projektion. Aber ich hätte jetzt gedacht.

Christian: Du kannst auch im nächsten Tatort auftreten.

Michel: Nee, das kann ich ganz schlecht. Es ist mir egal.

Michel: Das spielt für mich einfach keine Rolle. Weil ich gehe raus,

Michel: wie ich rausgehen möchte. Die Leute können mich ansprechen, können mich nicht ansprechen.

Michel: Das war immer so. Das ist Glück, dass ich einfach so bin. Das ist die eine Geschichte.

Michel: Die andere Geschichte ist, ich finde das schon sehr interessant,

Michel: wie wir wohnen, warum wir so wohnen, was das mit Städten macht.

Michel: Was das mit Städten macht, die es quasi nicht mehr gibt, also Orte,

Michel: wo Leute wegziehen, warum vereinsamt der Osten so doll, warum sehen Städte dort

Michel: so anders aus mittlerweile, warum sehen unsere Innenstädte aus, wie sie aussehen,

Michel: warum sieht Hamburg St. Pauli anders aus als Hamburg-Barnbeek.

Michel: Ich war heute in Berlin, ich war in Steglitz, ich habe mir das extra ausgesucht,

Michel: bin ins Fitnessstudio gegangen nach Steglitz und frage ich mal woanders,

Michel: wo ich die nicht mehr kenne, aber ich war noch nie in Steglitz und ich wollte

Michel: mich da hin. Und ich fand es total spannend.

Christian: Andere Welt innerhalb von Berlin. Ich fand es ganz toll.

Michel: Ich dachte mir, das gefällt mir ja richtig gut.

Christian: Kommt, finde ich, auch hier die Gegend, wir sind jetzt hier so an der Grenze,

Christian: schöne Berg-Wilmersdorf, kommt ja manchen Gegenden in Hamburg auch durchaus

Christian: nah. Es hat so ein Spittel-Vibes.

Michel: Aber ich denke, es war anders. Das fand ich irgendwie cool. Da habe ich aber

Michel: auch geguckt, wie sind die Häuser gebaut, wie wohnen die Menschen,

Michel: was sind die für Menschen.

Michel: Auch als ich hier bei euch vor der Tür stand.

Michel: Guck mal, Berlin ist anders aufgebaut. Es gibt Vorderhaus, es gibt Hinterhaus.

Michel: Also das interessiert mich, da interessiert mich das Lokale,

Michel: also weil ich glaube vieles wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten wird

Michel: lokal gelöst werden müssen, weil global lösen einfach bei vielen Dingen nicht geht.

Michel: Und da war es mir wichtig zu wissen, was sind so die Dinge, die die Menschen brauchen.

Michel: Die Stadt ist der Ort, an dem wir sind.

Michel: Die Stadt können wir als unsere Insel immer bewahren. Und diese Insel kann ja

Michel: scheinen auf andere Inseln und zeigen, guck mal, wir haben das so und so gemacht.

Michel: In Hamburg gibt es den Zukunftsentscheid, die Innenstadt wird irgendwie autofrei

Michel: gemacht. Ich bin ein leidenschaftlicher Autofahrer. Ich fliege auch wie ein Irrer.

Michel: Aber mir ist es ganz wichtig, dass wir mich zum Beispiel als Menschen,

Michel: der sehr gerne mit dem Auto in die Hamburger Innenstadt fährt und nach dem Parkplatz

Michel: sucht, dass wir mich dazu zwingen, das nicht mehr zu machen.

Michel: Und seit es das dort nicht mehr gibt, gehe ich zu Fuß in die Innenstadt.

Michel: oder ich fahre mit der Bahn.

Christian: Müssen wir einen Termin mit dem Berliner Bürgermeister machen.

Michel: Also das ist total spannend, aber da habe ich gemerkt, so guck mal,

Michel: ich hätte das vorher nicht so entschieden.

Michel: Vielleicht auch doch, ich weiß es nicht. Aber es haben Leute für mich so entschieden.

Michel: Ich fand das erst komisch und jetzt finde ich das super, dass das so ist.

Christian: Weil die Aufenthaltsqualität wiederum an dem Ort, wo du dann bist,

Christian: anders ist. Total, es ist einfach besser geworden.

Michel: Dass immer was passiert. Und das geht mir auch beim Wohnen so und dann wollte

Michel: ich gerne wissen, was wollen Leute eigentlich?

Michel: wollen Leute immer das Gleiche,

Michel: Wollen alle irgendwie auf 140 Quadratmeter im Altbau wohnen? Ich nicht.

Michel: Oder wollen Leute irgendwie einfach nur in einem schönen Stadtteil sein?

Michel: Wollen Leute einfach nur ein Dach über dem Kopf haben?

Michel: Ist es relevant, dass irgendwie Häuser ab drei Stockwerken einen Aufzug haben?

Michel: Was macht das mit der Gesundheit der Leute?

Michel: Was hat das gemacht, wenn man in Räumen war, früher die hohen Decken hatten

Michel: und jetzt hat man Räume, wo keine hohen Decken mehr drin sind?

Michel: Wie wichtig ist das Licht, was von außen reinfällt? Und was sind das für Menschen, die dort leben?

Michel: Deswegen fand ich dieses, ja, so ein bisschen das Fenster zum Hof.

Michel: Ich gucke in die Wohnung anderer Leute ran und überlege mir,

Michel: was sie gemacht haben könnten.

Christian: So ist es ja tatsächlich. Also ich finde, das ist so eins der Lernangebote,

Christian: in denen man sich sehr gut verlieren kann, weil du kannst ja wirklich durch

Christian: so interaktive Karten klicken, kannst dir Videos, Bilder angucken,

Christian: kannst in die Gebäude teilweise reingehen und kriegst auch so Geschichten von

Christian: den Bewohnern irgendwie mit.

Christian: Deswegen fand ich es spannend und ich fand es auch spannend,

Christian: das ist ja ein Angebot von der Hafencity-Uni. Also ich glaube aus dem Bereich

Christian: Architektur auch, Stadtplanung.

Christian: Und diese verschiedenen Bereiche haben ja auch so ihre eigene Sprache.

Christian: Total. Und sich da ab und zu mal was von abzugucken, finde ich ganz interessant.

Michel: Stadtplanung ist so wichtig, auch für Sicherheit. Wenn ich über Stadtplanung

Michel: rede, dann ist es interessant, wie Männer und Frauen, wie unterschiedlich sie

Michel: darüber reden, weil Frauenstädte ganz anders planen würden.

Michel: Ganz anders. Da wäre viel mehr Licht.

Michel: Da wäre uns zwar nicht, weil sie romantisch sind und so gerne Licht haben,

Michel: weil es so weich ist. Nein, weil sie nicht vergewaltigt werden wollen.

Michel: Mich fragt jemand, du hast nie Angst, wenn du irgendwie am Diebstreich in Hamburg

Michel: irgendwie da unter diese Einbrücke, hab ich so, nee.

Michel: Da war ich so, krass, stimmt, du musst ja Angst, weil ich bin ja ein Mann,

Michel: was soll mir denn passieren? So als Mann gehe ich da durch und denke mir, ist nicht, ist.

Christian: Du bist dann alles danach das Handy weg.

Michel: Ja, das war's. aber du bist nicht irgendwie in einer ganz anderen Form bedroht.

Michel: Und dann habe ich mir überlegt, krass, wie viele dunkle Orte wir haben,

Michel: weil Männer Städte bauen.

Michel: Und deswegen finde ich das sehr spannend.

Christian: Harter Cut, ich möchte ein neues Format mit dir ausprobieren.

Christian: Wir haben früher immer mal wieder Entweder-Oder-Fragen gemacht.

Christian: Ich habe mir jetzt für dich mal was anderes überlegt.

Christian: Und ich bin auch gespannt, interessiert mich auch, wie du es hinterher fandest.

Christian: Rechts neben deinem Sessel, beug dich mal bitte nach vorne, steht eine Schlüssel. Schüssel.

Christian: Nehmen Sie mal bitte zu dir. Für alle, ist ja ein Audio-Podcast,

Christian: ich muss kurz beschreiben, was hier gerade passiert.

Michel: Sehr gut.

Christian: Michel hat eine Schüssel auf dem Schoß. Inzwischen in der Schüssel sind ein

Christian: paar viele Zettel. Die sind alle gefaltet und er ahnt das schon.

Christian: Er darf sie sich raussuchen.

Christian: Da sind Fragen drin, jeweils. Und wir ziehen so lange Zettel,

Christian: bis du drei Fragen beantwortet hast.

Christian: Wenn du sie nicht beantworten willst, lies sie nur kurz vor und sag,

Christian: nee, will ich nichts zu sagen. Das finde ich gut.

Michel: Okay, ich bin gespannt.

Christian: Ich hoffe, du kannst meine Schrift lesen. Kann ich.

Michel: Das ist eine schöne Schrift. Welche Frage wird dir nie gestellt,

Michel: aber du würdest sie gerne beantworten? Das haben wir schon besprochen.

Christian: Das hatten wir schon gehabt.

Michel: Gibt es nicht. Habe ich nicht. Es ist

Michel: mir egal, weil das, was den Menschen interessiert, das passt dann schon.

Michel: Wie schaffst du es, dass Leute in Interviews ehrlich bleiben? Ich bin ehrlich.

Michel: Wenn du mir was gibst, muss ich dir auch was geben. Und wenn du was nicht beantworten

Michel: willst, willst du es nicht beantworten. Dann hake ich nicht nach.

Michel: Und ganz ehrlich, davon steht und fällt kein Interview der Welt,

Michel: dass eine einzige Frage nicht beantwortet wird.

Michel: Dann macht man weiter und die Leute haben Vertrauen und dann hat man ein gutes Gespräch miteinander.

Michel: So, habe ich die Erfahrung bisher gemacht.

Christian: Nächster Zettel.

Michel: Du warst mal im Ausschuss für Integration in der Hamburger CDU.

Michel: Ach, das haben wir jetzt auch schon. Das haben wir auch schon gehabt. Okay, aber du meinst?

Christian: Dann muss der neue Zettel, ja. Da muss ich mal besser drauf achten für die nächste Runde.

Michel: Hast du deine Fragen schon alle gestellt?

Christian: Ja, genau.

Michel: Gab es bei Captain's Dinner mal ein, das U-Boot ist für uns beide zu klein, Moment?

Christian: Muss man vielleicht dazu sagen, Captain Stinner, wer es nicht kennt,

Christian: du lädst inzwischen seit, ich glaube, neun Jahren schon. Ja.

Christian: Leute in ein U-Boot im Hamburger Hafen liegt es, glaube ich,

Christian: ein und führst dann ein Interview, halbe, dreiviertel Stunde, glaube ich.

Michel: Halbe Stunde, genau. Aber was meinst du damit, dass das für Kleine ist?

Christian: Ist die Person zu fett gewesen oder ist unser Geist zu groß gewesen?

Christian: Nein, nein, nein, nein. Ich meine eher, ich will hier raus, ich will mit dir

Christian: nicht länger in einem U-Boot stecken.

Christian: Also du bist mit Gast XY da und denkst so im Laufe des Gesprächs,

Christian: meine Güte, ich würde dieses U-Boot sehr gerne sehr schnell verlassen.

Michel: Nein, wir sind immer, nein, das ist nie passiert. Ich habe fast 100 Folgen gemacht

Michel: und ich habe meinen Gast immer rausgebracht, wir haben es immer umarmt und das

Michel: war immer nett. Das ist nicht passiert bisher.

Michel: Da müsste ich irgendwie so Leute einladen, die ich wirklich nicht mag. Das mache ich nicht.

Michel: wo ist die Sammlung Lichtung e.V.? Die ist da verschwunden. Meine mit Tusche

Michel: gemalten Bilder, das schmerzt mich, weil die weg ist.

Michel: Da habe ich tolle Bilder gemalt, mit Tusche, die echt gut waren, als ich 18, 19 war.

Michel: Und die haben wir zu einem Kalender gebastelt für unsere Schulklasse.

Michel: Die ist dann zu einem Freund, zu Merlin gegangen, in Eitelstedt.

Michel: Und dann ist sie dort verschwunden. Sie wird nie wieder kommen.

Christian: Ich habe versucht, einige wieder nachzumalen.

Michel: Aber es hat nicht funktioniert.

Christian: Das ist glaube ich das, was man über dich am wenigsten weiß. Du bist auch Maler.

Michel: Ich male gerne, ja.

Christian: Ich habe Künstlern, aber ich male. Arte steht das noch? Ja, ja.

Christian: Okay, aber inzwischen auch Microsoft Paint.

Michel: Glaube ich. Immer, ja. Die habe

Michel: ich in Tusche gemalt. Aber danach habe ich angefangen, mir Paint zu malen.

Christian: Wie kamst du zu Paint? Willst du das erklären?

Michel: Tusche macht so viel Schmutz. Ehrlich. Ich dachte, mir muss irgendwas haben.

Christian: Okay.

Michel: Aber ich habe ein paar Sachen gemalt. Im Theater bei mir in Hamburg,

Michel: im Zentralcomité, hängen schon einige Bilder.

Michel: Ich plakatiere dort die Lände damit zu. Ich finde die gute.

Michel: Welche Inszenierung muss irgendwann mal ins Zentralkomitee?

Michel: Tatsächlich...

Michel: Möchte ich das nicht entscheiden. Da, wo die Zuschauer kommen.

Michel: Die geilste Inszenierung der Welt ist nichts wert, wenn keiner kommt, um sie zu sehen.

Michel: Lieber die Leute, die das Haus voll machen, dafür sensibilisieren,

Michel: dass sie ein paar Botschaften loswerden.

Michel: Finde ich wichtiger. Also eher andersrum.

Christian: Also in dem Moment, wo du sie hast, versuchen sie irgendwie so in Form zu bringen,

Christian: dass du sie auch gerne zu Gast hast, sozusagen.

Michel: Dass die wissen, was ist gerade los und was muss man. vielleicht am Ende mit

Michel: einem halben Satz dem Publikum doch noch sagen, um nicht immer unpolitisch zu sein.

Michel: Dann kommen vielleicht einige nicht wieder, aber man hat was gemacht.

Christian: Ich merke, das Format funktioniert schon so gut, dass du gar nicht aufhören

Christian: kannst Zettel rauszunehmen. Das finde ich gut.

Michel: Weil ich liebe Fragen beantworten. Hättest du nach dem Studium einen anderen Weg eingeschlagen?

Michel: Ich habe ja gar keinen Weg eingeschlagen. Bis heute habe ich ja keinen Weg eingeschlagen.

Michel: Ich weiß ja gar nicht, was morgen kommt.

Christian: Dann findest du es nicht so als so, also ich gucke von außen drauf und das sieht

Christian: natürlich von außen, erzählt man sich immer eine Geschichte dazu,

Christian: ja, da hat er das gemacht, dann das, dann das.

Christian: Dass das so mehr oder weniger geradlinig, kurvig vielleicht daherkommt.

Michel: Ja, eben, man ist dann plötzlich so ein Mensch in der Öffentlichkeit und dann

Michel: ist man für ganz viele Sachen bekannt, die man so gemacht hat.

Michel: Aber es ist eigentlich so gekommen, wie ich das gerne gehabt hätte. Planlos.

Christian: Glück von Staat zu.

Michel: Ich bin glücklich mit dem, was passiert ist. Ich hätte keinen Bock gehabt,

Michel: mein Leben in einer Anwaltskanzlei zu verbringen. Das kann ich mir nicht vorstellen.

Michel: Ich glaube, da wäre ich eingegangen. für Rückgewand, Herr Irre.

Michel: Einfach nur irre. In welches Format, Show, Podcast, Film, Theaterstück möchtest

Michel: du einmal eingeladen werden? Da hatte ich früher ganz viele Wünsche.

Christian: Ja?

Michel: Ja, ich wollte irgendwie mal zu Wer wird Millionär oder ich wollte irgendwie

Michel: in ein amerikanischer Late Night oder ich wollte mal in einem tollen Film mitspielen

Michel: oder ich wollte mal irgendwie bei Faust auf der Bühne vielleicht Mephistopheles spielen oder sowas.

Michel: Habe ich nicht. Ich habe das einfach nicht mehr.

Christian: Aber sind, ohne dass du es jetzt vielleicht aktiv verfolgt hast,

Christian: ein paar der früheren Wünsche in Erfüllung gegangen? Irgendwas,

Christian: wo du sagst, das war so ein Wacker-Cist-Ding?

Michel: Noch in einer amerikanischen Talkshow, noch habe ich in einem Film mitgespielt.

Michel: Doch, ich habe vorhalb einmal in einem Film mitgespielt. Anfangs wurde rausgeschnitten.

Michel: Wenn das doof ist, kann ich nur noch ausfindig aussagen, aber selber spielen kann ich es nicht.

Michel: Aber ich habe das nicht. Also du merkst, ich bin mit mir im Reinen.

Michel: Das ist so im Laufe der letzten.

Michel: Jahre passiert. Dass ich so dachte, ich habe immer gesagt, wenn ich irgendwo

Michel: ein Interview, Aber ich mache auch viele für die Kirchen und rede viel über

Michel: Glauben und über solche Dinge.

Michel: Da hören die natürlich gerne, wenn du was mit Bezug dazu sagst.

Michel: Ich erzähle immer die Hiobs-Geschichte gerne und das Ende davon,

Michel: dass du das Gute vom Herrgott annimmst, auch das Schlechte.

Michel: Und ich habe das immer schon in mir gehabt, seit ich ein Kind bin.

Michel: Wusste ich, wenn ich das Gute annimm, muss ich das Schlechte auch annimm.

Michel: Ich muss akzeptieren, so wie es ist.

Michel: Und je mehr ich im Laufe der letzten Jahre darüber gesprochen habe und das immer

Michel: wieder wiederholt habe, umso mehr habe ich es angenommen für mich.

Michel: Deswegen, ich bin...

Michel: Ich bin kein sehnsüchtiger Mensch. Das, was ich mache, das, was ich will, mache ich.

Michel: Aber das Einzige, was ich wirklich gerne machen würde, ich würde gerne meinen

Michel: Weltraum. Das würde ich gerne machen.

Michel: Wenn Leute, die mich wirklich kennen, die mit mir zu tun haben,

Michel: wissen ganz genau, meine große Leidenschaft ist, alles, was interstellar,

Michel: Weltraum und mit Außerirdischen zu tun hat.

Michel: Das fasziniert mich so unglaublich. Ich denke nicht häufig drüber nach,

Michel: weil wenn ich anfange, über die Unendlichkeit des Universums nachzudenken,

Michel: dann werde ich verrückt.

Michel: Und dann muss ich das ganz schnell wieder beenden. Deswegen beenden wir das

Michel: jetzt an dieser Stelle auch.

Michel: Und ich fange nicht schon wieder, ich hatte neulich mit einer Kollegin darüber

Michel: gesprochen, die mir erzählt hat, dass es neue Forschung dazu gibt,

Michel: dass es mit einer sehr, sehr großen Wahrscheinlichkeit, also mit einer hundertprozentigen

Michel: Wahrscheinlichkeit, Außerirdische gibt.

Michel: Aber der Grund, warum wir aneinander nicht erreichen, ist häufig,

Michel: dass wir nicht zu dem Punkt kommen, an dem Energie unendlich für uns verfügbar

Michel: ist, weil wir uns davor ausgerottet haben.

Michel: Und da musste ich so ein bisschen an die Menschheit denken.

Christian: Irgendwie eine traurige Erzählung.

Michel: Ja, also stimmt. Wir hätten in Frieden und in Wohlstand und alles einfach,

Michel: wir hätten einfach Geld verteilen können.

Michel: Alle Menschen hätten gut leben können miteinander und gerecht und fertig,

Michel: aber wir haben es lieber vorgezogen, andere Dinge zu machen.

Michel: Und deswegen erreichen wir die anderen nicht.

Christian: Aber ich darf nicht weiter drüber da möchte ich jetzt auch nicht weiter drüber

Christian: nachdenken zumindest jetzt nicht du.

Michel: Versuchst aufs Neues, womit hast du nochmal, womit bist du bist du krachend

Michel: gescheitert oh ich bin mit so vielen Dingen krachend gescheitert,

Michel: Ich scheitere. Ich habe Fernsehsendungen probiert, die nicht funktioniert haben.

Michel: Ich habe Dokumentationen versucht, die nicht funktioniert haben.

Michel: Ich habe andere Sachen mal geschrieben, die ich versuche zu veröffentlichen,

Michel: die nicht funktioniert haben.

Michel: Einige Gäste kommen nicht zu mir, die ich irgendwie seit Jahren anfrage,

Michel: die nicht wollen. Manche Lesungen laufen überhaupt nicht gut.

Michel: Dann komme ich da an und keiner will, dass sie mir hören, was ich da mache.

Michel: Vieles. Also ich zähle das gar nicht, weil wenn ich nicht scheitere, dann bin ich nichts.

Christian: Ich frage deswegen, weil gerade so bei Personen, die irgendwie in der Öffentlichkeit

Christian: stehen, kriegt man das Scheitern ja auch, also Qualdefinition nicht mit.

Christian: Das ist das Buch, das nicht veröffentlicht wird.

Michel: Kann niemand erzählen. Aber man kann doch sagen, dass irgendwie mal eine Sendung

Michel: scheiße lief oder dass die Quote nicht passt oder dass man irgendwie hier und

Michel: da kämpfen muss oder ich habe das Theater, weil in Hamburg das war eine riesen

Michel: Aufgabe, das irgendwie zum Laufen zu bringen, so die Leute da reinzubekommen.

Michel: Da gibt es so viele, aber ich zähle das nicht, weil wenn ich nicht scheitere,

Michel: habe ich es nicht probiert. Und dann habe ich das Gefühl, habe ich einfach nichts gemacht.

Michel: Ich war ja gerade im Podcast von einem Kollegen in Luxemburg,

Michel: da geht es ums Scheitern. Und dann haben wir ganz viel darüber gesprochen.

Michel: Da wird ganz offen drüber gesprochen. In Deutschland wird das nicht gemacht.

Michel: Aber in den USA ist das gang und gäbe.

Michel: Da redest du erstmal zuerst über das Scheitern und wenn du nicht gescheitert

Michel: bist, dann guckt die andere Person ein bisschen krumm und sagt,

Michel: hast du gar nichts versucht bisher in deinem Leben. Wie kann man denn mal nicht scheitern?

Christian: Ich habe so ein bisschen das, so vor 10, 15 Jahren war es ja so,

Christian: dass das, weiß nicht, Ich glaube, dass das bei dir auch so ankam,

Christian: dass viele so ihre Fuck-Up-Nights, ja,

Christian: Also mit dem Ziel, glaube ich, auch an dieser Fehlerkultur oder was auch immer

Christian: so dahinter steckt als Begriff, mit dem Ziel, das so ein Stück weit zu verändern

Christian: und zu sagen, wir reden jetzt auch mal über Scheitern, weil das auch wichtig

Christian: ist, weil wie du sagst, wenn wir nicht scheitern, haben wir es vorher auch nicht versucht.

Christian: Ich habe das aber immer so ein bisschen als so ein Feigenblatt wahrgenommen.

Michel: Ja, ein bisschen Pop-Art auch so. Ich weiß, was du meinst.

Christian: Wir machen das jetzt auch. Die Konferenz wird abends noch mit der Verkappenheit.

Michel: Ja, das braucht man irgendwie nicht. Ich finde das. Es hilft einigen.

Michel: Ich habe auch einige moderiert und habe gesehen, wie das für Leute doch emotional

Michel: ist, wenn sie darüber erzählen. Aber dieses...

Michel: Also eigentlich muss man andere Leute fragen, wo ich krachend gescheitert bin.

Michel: Also weniger mich, weil ich habe das, vielleicht gibt es Dinge,

Michel: wo ich sage, da bin ich, das war irgendwie okay, das ist nicht krachend,

Michel: sondern das war irgendwie okay.

Michel: Und einige sagen so, nee, das war schon echt ein Misserfolg, das war echt ein Flop.

Michel: Aber so richtig schlimm ist es bisher, habe ich es nicht wahrgenommen.

Michel: Ich kann dem Schlechten doch noch irgendwas Gutes abgewinnen.

Christian: Zumindest lernt man was. Danke fürs Mitmachen. Ich nehme mit,

Christian: erstens nochmal überlegen, dass ich die Fragen nicht vorher stelle.

Christian: Aber davon abgesehen, wie war es für dich?

Michel: Ich fand es super. Das macht Spaß.

Christian: Kannst du mir auch sagen, wenn ich am Krachen gescheitere bin?

Michel: Alles gut.

Christian: Wir haben noch ein Lernangebot vor uns. Und in dem Lernangebot dreht es sich

Christian: um Nudging für mehr Gesundheit und Nachhaltigkeit.

Christian: Und Nudging, für alle, die es noch nicht gehört haben, ist die Idee,

Christian: dass Menschen mit kleinen Anstupsern irgendwie auf den vermeintlich richtigen

Christian: Weg gelenkt werden, kann man vielleicht so sagen.

Christian: Also so eine Art Verhaltensänderung im Kleinen, die wiederum zu Veränderungen

Christian: im Größeren führt, wie hier jetzt eben Gesundheit, Nachhaltigkeit.

Christian: Und du hast es gerade schon gesagt, es liegt eigentlich da und ich muss es nur noch fragen.

Christian: Du warst heute im Fitnessstudio, hast so wie ich mir das vorstelle,

Christian: eigentlich auch eher so 14 Stunden Tage wahrscheinlich mit viel Reisen und so weiter.

Christian: Wie natscht du dich denn dann ins Fitnessstudio oder musst du das gar nicht?

Christian: Ist das Routine, Wie funktioniert das für dich? Da geht es ja auch um Gesundheit.

Michel: Nehme ich mal. Ja, also ich mache, ich liebe Sport.

Michel: Ich habe das immer gemacht, mein Leben lang. Und ohne Sport geht es nicht.

Michel: Ich habe gestern den ganzen Tag im Auto gesessen. Das hat mir nicht gut getan,

Michel: habe ich gleich gemerkt.

Michel: Deswegen musste ich heute was machen. Ich wusste, das wird knapp mit der Zeit, aber das ist, also...

Michel: dann meine Gesundheit und das, was ich gerne mache und das, was mir Kraft gibt,

Michel: das nicht machen, weil es knapp wird mit der Zeit, wenn ich mich nicht gut,

Michel: dann mache ich das lieber.

Michel: Und war auch toll. Also, mir geht es super. Ich merke, wie energiegeladen ich

Michel: bin und ich habe Steglis kennengelernt.

Michel: Ein toller Falafel-Dolge, das ist ein Mann, weil die Geile, Alter,

Michel: was für eine gute Falafel-Dolge.

Christian: Da musst du mir gleich nochmal sagen.

Michel: Wo du es war. Genau, gegenüber von Fitness, das war fantastisch.

Christian: Okay.

Michel: Also, richtig toll.

Christian: Ach, ein guter Ort für so einen Laden.

Michel: Ja, ja, ja. Du kommst da raus und brauchst das mal. Aber ich habe dieses,

Michel: ich mache das, ich selber mache Dinge, wenn ich sie mir vornehme, dann mache ich sie.

Michel: Das ist so ein Talent, was ich einfach habe. Ich kann mich auf Dinge konzentrieren.

Christian: Einlassen.

Michel: Ich bin sehr diszipliniert erzogen worden. Meine Eltern haben mich sehr streng erzogen.

Michel: Und ich bin wirklich sehr diszipliniert. Als Migrant musstest du das sein,

Michel: weil ansonsten wurdest du abgehängt.

Michel: Das, was ich als Kind eingebläut bekommen habe, nicht doppelt,

Michel: nicht dreifach, nicht vielfältig. Du musst zehnmal besser sein als die anderen.

Michel: Und dafür musst du viel, viel, viel, viel machen, wofür ich sehr dankbar bin.

Michel: Das Jurastudium ist auch ein Studium, was sehr viel Disziplin abfordert.

Michel: Generell Studium ist eine Sache, was Disziplin irgendwann abfordert.

Michel: Dann macht man es konstant. Durch Nudging.

Michel: Oder man lernt halt dann ganz doll am Ende des Tages irgendwie nochmal alle Semester durch.

Michel: Aber ich finde dieses Thema Nudging so interessant.

Michel: Und ich überlege, ob ich diesen Kurs mache, um zu gucken, wie ich mein Umfeld,

Michel: meine Mitarbeiter, Menschen, die ich kenne, von denen ich weiß, dass sie,

Michel: nicht so gut damit umgehen können, wenn man ihnen mit zu viel kommt,

Michel: weil sie das entweder nicht wollen und ablocken oder nicht können.

Michel: So viel mehr gibt es ja nicht. Dass man das Leuten einfacher macht.

Michel: was für ihre Gesundheit zu machen. Ich habe natürlich noch was anderes dabei

Michel: gedacht. Ich dachte mir, okay, wenn ich gelernt habe, wie man das,

Michel: im Gesundheitskontext anwenden kann. Vielleicht kann man es auch im politischen Kontext anwenden.

Michel: Also vielleicht kann ich dann genau das gleiche so, beweg dich mal einen Ticken

Michel: mehr oder ich habe nämlich Leute, ich habe ein paar Menschen in meinem Umfeld,

Michel: die ich sehr gern habe und ich, die müssen ein bisschen was machen,

Michel: weil ansonsten werden sie.

Michel: Es wird schwieriger werden. Die werden irgendwann schwieriger Treppen steigen

Michel: können. Die werden einfach nicht mehr mit einem mitkommen können und das muss sich ändern.

Michel: Aber dann gleichzeitig darüber zu lernen, wie kann ich vielleicht jemanden politisch

Michel: davon überzeugen, dass er doch nicht alles, was Rechtsaußen ist, gut findet,

Michel: sondern so ein bisschen in eine andere Richtung geht, wieder ein bisschen offener

Michel: wird, in der neuen Meinung und der neuen Haltung mal eine Chance gibt,

Michel: vielleicht das mal so ganz bisschen adaptiert und wir dann durch einen,

Michel: durch einen ganz soften und geschmeidigen Weg wieder zurückkommen auf den Pfad der Demokratie.

Michel: Deswegen, weil das andere hat nicht funktioniert.

Michel: Der Finger, der Mahn, der Finger hat nicht funktioniert.

Michel: Und vor allem mit ihnen rede ich nicht, sie sind ein Nazi, das ist auch kein

Michel: guter Gesprächsbeginn und das geht einfach nicht.

Michel: Deswegen finde ich Nudging, ich wusste überhaupt nicht, ich habe es noch nie gehört gehabt.

Michel: Ich habe mir das denken können, was es bedeutet, aber ich habe keine Ahnung.

Christian: Es wird in dem Lernangebot auch nicht weiter erklärt, weil das ist der Nachfolgekurs

Christian: des Vorgängerkurses, Nudging in der Ernährung.

Christian: Da kriegst du auch nochmal eine andere Einführung, was Nudging ist und auch

Christian: eine kritische Einordnung, weil wie du schon sagst, es hat ja was sehr Subkutanes.

Christian: Leute kriegen nicht mit, dass ich sie in eine bestimmte Richtung schubse.

Christian: Also in der Ernährung ist so das klassische Beispiel.

Christian: Du stehst an der Kasse, in der Mensa, in der Kantine, wo auch immer es ist.

Christian: Und da liegen an der Kasse eben nicht mehr die Süßigkeiten, sondern die Äpfel

Christian: rum. Genau, das wäre so ein klassischer Fall Nudging in der Ernährung.

Michel: Was super funktioniert übrigens.

Christian: Genau, und da ist es ja auch noch, wie soll ich sagen, for the greater good.

Christian: Also da haben wir alle was davon und das Individuum am meisten.

Christian: Aber du kannst Nudging natürlich auch...

Christian: für weniger ethisch-moralisch-vertretbare Dinge tun.

Michel: Ich habe es im Büro probiert mit Äpfeln, wollte keiner. Müssen wir ganz ehrlich sein.

Michel: Ich habe die Weingummis wieder zurückgestellt, aber ich habe den allen Leuten

Michel: gesagt, ich mache es nicht gerne.

Michel: Ich habe gesagt, ihr habt hier irgendwie die Weingummis und ich habe neben die

Michel: Weingummis noch Nüsse gepackt, die ich immer selber mische.

Michel: So, die Rande lieben Nüsse, wir kommen aus einer Nussfamilie,

Michel: also kleine Geschichte, dann mische ich die Nüsse da mal selber,

Michel: dann gucke ich mir komisch an, warum ich die nicht immer fertig kaufe,

Michel: aber muss das so sein, wie gut der ist und so.

Michel: Dann habe ich dann gesagt, guck mal, ich packe hier ein Glas Nüsse hin und ich

Michel: packe ein Glas Weingummis hin.

Michel: Die Nüsse sind jetzt die bessere Wahl als die Weingummis. Da ist zumindest noch

Michel: irgendwas drin, aber beides sind Maßen.

Michel: Das würde mich freuen, wenn ich das Glas Nüsse genauso regelmäßig auffüllen

Michel: müsste wie das Weingummiglas, weil die Äpfel haben ja schon nicht funktioniert.

Michel: Tatsächlich ist es so, dass ich die Nüsse relativ häufig auffüllen muss.

Michel: Also anscheinend ist irgendwas passiert und da bin ich ganz glücklich drüber.

Michel: Ich esse auch gerne Weingummis, aber Leute, sorry. aber da in so einem Schnittraum

Michel: zu sitzen und den ganzen Tag irgendwie hier Kettnissen erfolgen,

Michel: Michel labert da irgendwie zu schneiden, dann müsste ich glaube ich auch irgendwie

Michel: permanent Weingummis essen, aber so ein Kilo Weingummis ist nicht gesund.

Christian: Ich kenne das aber auch, man hat ja fast so, man konditioniert sich ja auch selbst so.

Christian: Ich weiß, wenn ich schneide, dann hilft mir auch irgend so ein,

Christian: wie sagt man, Comfort Food? Ja, mache ich nicht.

Michel: Einfach nicht machen. Wegstellen.

Christian: Wie du schon sagst, wenn es nicht da steht, dann ist es nicht was anderes.

Michel: Nicht kaufen, das ist nicht gut. Einfach nicht kaufen, fertig.

Michel: Fertig, einfach nicht kaufen. Und dann ist es nicht da, kannst du es nicht essen.

Christian: Muss ich mich so nudgen. Das war das Lernangebot. Wir haben damit die drei Lernangebote besprochen.

Christian: Üblicherweise frage ich die Leute, die hier so sind, ob sie am Ende noch irgendwas

Christian: loswerden wollen, was sie noch nicht gefragt wurden.

Christian: Die Gelegenheit hattest du jetzt schon zweimal. Einmal habe ich dich gefragt,

Christian: einmal hast du den Zettel aufgemacht.

Christian: Ich erinnere noch, und das kann dir unangenehm sein, dann sag mir das bitte auch.

Christian: Ich erinnere aber noch, als ich früher bei Kampf der Künste war,

Christian: ich bin ja schon eine Zeit lang nicht mehr in Hamburg, hast du immer den Abend beendet mit Sadi.

Christian: Ich habe es ja aufgeschrieben. Du hast es garantiert auswendig.

Christian: Ich habe es auswendig.

Michel: Natürlich.

Christian: Willst du oder willst du lieber nicht? Ich kann gerne. Ich kann auch einen ganz

Christian: schönen Schluss, wenn du dich schon mal hier hast.

Michel: Ich finde es gut. Ich mache zwei, weil die lieben Zuhörer da draußen können

Michel: sich dann überlegen, weil es gibt nämlich zwei.

Michel: Es gibt Sadie und es gibt Feldhusi. Die beiden haben unterschiedliche Sachen

Michel: gemacht. Sadie war ein bisschen blumiger.

Michel: Die Kinder Adams sind aus einem Stoff gemacht, als Glieder eines Leibs von Gott dem Herrn erdacht.

Michel: Geschieht ein Leid nur einem dieser Glieder, so klärt ihr Schmerz in ihnen allen wieder.

Michel: Den Menschen, den nicht die Not der Menschenbrüder rührt, verdient es nicht,

Michel: dass er noch länger das Menschennamen führt.

Michel: Das lieben alle. Das mache ich auch immer gerne, auch am Ende einer Veranstaltung.

Michel: Aber das, was im Iran, das habe ich im Buch auch aufgeschrieben,

Michel: auf allen Zeugnissen vor der islamischen Revolution stand, ob Grundschule oder

Michel: Habilitation, war oben rechts Tavaunobovat, Harkedonobovat.

Michel: Wissen ist Macht. Das ist von Ferdossi. Und das ist so relevant gewesen,

Michel: dass man sich überlegt hat, das auf jedes Zeugnis zu schreiben,

Michel: völlig egal, gleich wie alt man ist. und ich habe mir das immer auch zum Lebensziel gemacht.

Michel: Tavo Nobovat, Harke Dornobovat. Der hat Macht, der Wissen hat.

Michel: Oder der hat Erfolg. Tavo Nobovat bedeutet Erfolg hat. Der hat Erfolg, der Wissen hat.

Michel: Und das finde ich passt in diesem Kontext noch besser, weil einmal muss man

Michel: ein guter Mensch sein, das ist gut.

Michel: Wenn man dann noch ein bisschen was dazu lernt, dann ist alles richtig gut.

Michel: Also Lernen. Heute steht Lerne von der Wiege bis zur Bahre, das ist ein Ausspruch

Michel: des Propheten. Ist genauso gut.

Michel: Nur das ist auf Arabisch und das andere ist auf Persisch. Und ich wäre dafür,

Michel: dass wir das Persische wieder zurückholen.

Michel: Aber Lerne von der Wiege bis zur Bahre ist eine hervorragende Übersetzung des

Michel: Ausspruchs des Propheten. Auch schön.

Christian: Besser hätte man nicht enden können. Danke für deine Zeit.

Michel: Sehr gerne.

Christian: Mach's gut.

Michel: Du auch.

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