Jörn Sturm von Hinz&Kunzt
Shownotes
Jörn Sturm ist seit 2019 Geschäftsführer des Hamburger Straßenmagazins Hinz&Kunzt. Wir sprechen mit ihm über Obdachlosigkeit, ihre Ursachen und Lösungen, über die Wirkweise von Hinz&Kunzt und über Jörns persönlichen Weg hin zu seiner besonderen Rolle in der Stadt Hamburg. Für Jörn hat die HOOU auch passende Lernangebote parat: Bauen im biologischen Kreislauf, (Un)komfortables Wohnen und Digitalisierung & Nachhaltigkeit hat er sich ausgesucht.
Hinz&Kunzt
Website: www.hinzundkunzt.de
Instagram: hinz_und_kunzt
Facebook: HinzundKunzt
Bluesky: hinzundkunzt.de
TikTok: hinzundkunzt
Lernangebote
- Bauen im biologischen Kreislauf aus schnell nachwachsenden Rohstoffen
- (Un)komfortables Wohnen
- Digitalisierung & Nachhaltigkeit
Weitere Infos
Weitere Podcast-Folgen
- Zamina Ahmad kennt sich mit KI aus
- Simone Buchholz wollte einmal Flugzeugmechanikerin werden
- Alexander Porschke hat über 30 Jahre Umweltpolitik in Hamburg geprägt
Foto Jörn Sturm: Miguel Ferraz
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Jörn: Wir haben Verkäufer, die häufig nicht nur Geld natürlich von ihren Kunden bekommen,
Jörn: sondern eben auch mal einen Kaffee ausgegeben.
Jörn: Und was immer total schön ist, manche Verkäufer laden an ihrem Geburtstag dann
Jörn: ihre Stammkäufer dazu einen Kaffee ein oder einen Tee.
Jörn: Und auf diese Art und Weise sind ungezählte Geschichten entstanden,
Jörn: wo Verkäufer für sich neue Perspektiven entwickelt haben, Jobs,
Jörn: Wohnungen gefunden haben.
Nicola: Hamburg, das ist heute Jörn Sturm, Geschäftsführer des Hamburger Straßenmagazins Hinz & Kunst.
Nicola: Mein Name ist Nicola Wessinghage und ich freue mich sehr, dass Jörn zugesagt
Nicola: hat, heute hier im Podcast bei uns zu Gast zu sein.
Nicola: Hinz & Kunst erscheint bereits seit 1993 und ist Deutschlands auflagenstärkstes Straßenmagazin.
Nicola: Insgesamt 38 Angestellte arbeiten für das Projekt und nur ein Teil davon macht die Redaktion aus.
Nicola: Ein professionelles Team von JournalistInnen sorgt dafür, dass Monat für Monat
Nicola: ein spannendes Magazin mit Themen der Stadt entsteht, mit Sozialem,
Nicola: Politischen und Kultur.
Nicola: Aber Hinz & Kunz ist mehr als ein Stadtmagazin. Neben dem Vertrieb der Hefte
Nicola: über die VerkäuferInnen, die damit Geld verdienen, umfasst das Projekt auch
Nicola: Beratung und Sozialarbeit.
Nicola: Jörn Sturm trägt seit 2019 im Team für all das die Verantwortung.
Nicola: Man merkt, dass er grundsätzlich ein Mensch ist, der sich über unsere Gesellschaft
Nicola: und wie wir miteinander leben seine Gedanken gemacht hat. Und macht.
Nicola: Beruflich hat er zuvor in der Medien- und Kommunikationsbranche gearbeitet,
Nicola: war als Geschäftsführer bei Kampnagel und dann beim Theater Kiel verantwortlich.
Nicola: Mir hat es sehr gut gefallen, dass er Kultur und Soziales so gar nicht gegeneinander
Nicola: ausspielen möchte, sondern wichtig findet, dass wir uns als Gesellschaft beides leisten können.
Nicola: Nach dem Gespräch war ich noch ein wenig mehr begeistert von Hinz und Kunst,
Nicola: das ich als Hamburger natürlich schon ganz gut kenne.
Nicola: Und ich kann gut nachvollziehen, dass Jörn von sich sagt, dass er die Sinnfrage
Nicola: in seinem Job jeden Tag positiv beantworten kann.
Nicola: Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen, mal eine Stadtführung von Hinz und
Nicola: Kunst mitzumachen, an die Orte, die man bei traditionellen Stadtführungen sicher nicht kennenlernt.
Nicola: Und vielleicht findet ihr nach dem Gespräch ja auch, dass dieses Projekt in
Nicola: jedem Fall alle mögliche Unterstützung verdient hat.
Nicola: Herzlich willkommen, Jörn, im Podcast Hamburg, was willst du wissen?
Nicola: Schön, dass du heute unser Gast bist.
Jörn: Ja, danke, dass ich kommen darf.
Nicola: Ich habe gerade kurz Hinz und Kunst vorgestellt und ihr versteht euch als Projekt
Nicola: ja auch als Lobby für die Menschen, die keinen festen Wohnsitz in der Stadt haben.
Nicola: Ihr wollt eine starke Stimme sein gegen Armut in der Stadt.
Nicola: Also wie stark empfindest du euch denn an einem Tag wie heute?
Nicola: Wir nehmen auf am 17. Februar.
Jörn: An so einem Tag muss man auf jeden Fall feststellen, dass wir noch eine weite Strecke vor uns haben.
Jörn: Das Elend auf Hamburgs Straßen wird eher größer als kleiner.
Jörn: Und obwohl sich Europas Regierung und damit auch Hamburg vorgenommen hat,
Jörn: die Obdachlosigkeit 2030 abzuschaffen, sind wir noch einen großen Schritt davon entfernt.
Nicola: Ja, ihr habt die Zahlen rausgegeben. Allein im Januar sechs Tote und mit den
Nicola: Menschen, die in Notunterkünften und Krankenhäusern gestorben sind, sind es 18.
Nicola: Insgesamt sind im vergangenen Jahr rund 30 obdachlose Menschen auf der Straße
Nicola: und etwa nochmal eben genauso viele in Krankenhäusern oder Notunterkünften gestorben.
Nicola: Also der starke Winter hat jetzt sicherlich mit dem Anstieg zu tun,
Nicola: aber das ist ja insgesamt sind das ja Zahlen, die man gar nicht akzeptieren kann und möchte.
Nicola: Wie stark frustriert es dich denn, dass so etwas trotz eurer Arbeit möglich ist?
Jörn: Also das macht einen fertig. Bei Hintz und Kunst sind es ja immer zwei Seiten.
Jörn: Da ich ja auch politischer Sprecher bin, geht es bei mir eben auch immer um
Jörn: diese großen Zahlen, die eben fürchterlich sind.
Jörn: Und 3.800 Obdachlose auf Hamburgs Straßen, das ist eine Zahl,
Jörn: die kann man gar nicht fassen.
Jörn: Bei Insel und Kunst funktionieren wir ja ein bisschen anders.
Jörn: Da kommen ja nicht 3.800 Leute, sondern da kommt Uwe, da kommt Ingrid, da kommt Wladimir.
Jörn: Und die Frage ist, was können wir für den tun und wie gehen wir mit dem um?
Jörn: Und da gibt es natürlich auch frustrierende Momente, weil man nicht so helfen
Jörn: kann, wie man helfen will,
Jörn: aber eben auch im Einzelfall ungezählte
Jörn: Geschichten, wo wir Menschen neue Perspektiven ermöglicht haben.
Jörn: Und so kommt man damit um.
Nicola: Es gibt ja auch, ich bin jetzt gleich sehr negativ eingestiegen mit dem sozusagen,
Nicola: was eigentlich am bedenklichsten gerade ist, aber es gibt auch gute Beispiele,
Nicola: nämlich direkt hier um die Ecke interessanterweise, wo wir aufnehmen,
Nicola: konnte ein Obdachlosermann gerettet werden, weil eine Frau ihn auf der Parkbank
Nicola: gesehen hat und bemerkt hat, dass er wirklich in Notlage war und dringend Hilfe
Nicola: brauchte und dann auch ins Krankenhaus gekommen ist und gerettet werden konnte.
Nicola: Das ist ja eigentlich, würde man denken, selbstverständlich.
Nicola: Ein Mann liegt bei der Kälte auf der Bank.
Nicola: Man sieht das und trotzdem laufen viele dran vorbei. Es gibt offensichtlich
Nicola: Berührungsängste. Was müssen wir denn lernen,
Nicola: um die abzubauen und um viel selbstverständlicher Hilfe zu leisten?
Jörn: Also ich glaube zu dem, was Hinz und Kunz in den letzten 33 Jahren geschafft
Jörn: hat, gehört eben auch so ein bisschen Brücken zu bilden, dass sich Leute überhaupt vorstellen können,
Jörn: wer sind diese Menschen, die auf der Straße leben, auch zu zeigen,
Jörn: dass das Menschen wie du und ich sind, die aus irgendwelchen Notlagen,
Jörn: Erkrankungen in diese Not geraten sind.
Jörn: Und das ist erstmal das, was man sich eben auch beim Ansprechen dieser Menschen
Jörn: und genau das muss man eben tun. Man muss versuchen Kontakt aufzunehmen.
Jörn: Kann man sich einfach sagen, das sind Menschen, die in der Not sind und die
Jörn: Hilfe brauchen und fragen.
Jörn: Und eben auch auf Augenhöhe agieren und nicht sagen, ich weiß,
Jörn: was dir hilft, sondern ich frage dich, was du brauchst.
Jörn: Und wenn es hier so ein akutes Problem gibt und man kriegt womöglich von dem
Jörn: Mann oder der Frau keine gute Antwort,
Jörn: dann ruft man den Notauswagen oder den Rettungswagen und dann muss man den Profis das übergeben,
Jörn: dass die dann die richtige Entscheidung treffen.
Jörn: Und genau, insofern hat man eben verschiedene Optionen, sich als Bürger,
Jörn: als Mitbürger, ja auch der Obdachlosen, das sind unsere Mitbürger, dann einzubringen.
Nicola: Und dazu tragt ihr auch bei, indem die Verkäuferinnen des Magazins eben an,
Nicola: also ich beobachte das zumindest an zuverlässigen Stellen, manchmal viele Jahre
Nicola: lang stehen und so ja auch Beziehungen aufgebaut werden zu den Menschen aus dem Stadtviertel.
Nicola: Also wenn mein Verkäufer da vor dem Supermarkt steht, dann kennt man den irgendwann.
Nicola: Ich sehe auch immer wieder, dass viele Menschen mit den VerkäuferInnen dann
Nicola: Gespräche beginnen und neben dem Verkauf des Magazins es auch andere Formen des Austausches gibt.
Nicola: Also das ist ja letztendlich wahrscheinlich auch die Idee dahinter.
Jörn: Genau und auch bei uns das Prinzip. Also wir in Hamburg, bei uns und auch bei
Jörn: vielen anderen Projekten ist es so, dass der Zeitungsvertrieb,
Jörn: die Organisation, die die Zeitung herausgibt, die sorgt dafür,
Jörn: wo stehen die Leute. In Berlin ist es anders.
Jörn: Dort suchen sich die Verkäufer ihre Plätze selber. Da gibt es ein bisschen Anarchie.
Jörn: Da gibt es aber auch vier Magazine gleichzeitig. Während es überall anders eben
Jörn: nur ein großes Magazin gibt.
Jörn: Und das heißt, wir haben den Kontakt zu den Supermarktfilialeitern.
Jörn: Wir machen da ein Angebot. Bei Problemen sind wir da. Der Verkäufer steht da,
Jörn: die Verkäuferin, und baut sich Projekte.
Jörn: Beziehungen neu auf und das eben auch über einen langen Zeitraum.
Jörn: Das ist mindestens die Hälfte der Einnahme.
Jörn: Also es geht nicht nur um Geld, sondern es geht auch darum, da Beziehungen herzustellen,
Jörn: auch dass die Menschen wieder wahrgenommen werden.
Jörn: Denn Obdachlosigkeit hat ja viel auch mit Schamgefühlen, mit Vereinsamung zu
Jörn: tun und das wird an dieser Stelle dann überwunden.
Jörn: Wir haben Verkäufer, die häufig nicht nur Geld natürlich von ihren Kunden bekommen,
Jörn: sondern eben auch mal einen Kaffee ausgegeben.
Jörn: Und was immer total schön ist, manche Verkäufer laden an ihrem Geburtstag dann
Jörn: ihre Stammkäufer zu einem Kaffee ein oder einem Tee.
Jörn: Und auf diese Art und Weise sind ungezählte Geschichten entstanden, wo Verkäufer,
Jörn: für sich neue Perspektiven entwickelt haben, Jobs, Wohnungen gefunden haben.
Nicola: Du hast ja selbst vor sieben, ungefähr sieben Jahren jetzt bei Hinz und Kunst angefangen.
Nicola: Warst vorher, wie ich schon gesagt habe, in zwei kulturellen Einrichtungen als
Nicola: Geschäftsführer beschäftigt.
Nicola: Und Geld ist ja auch in der Kultur immer knapp.
Nicola: Aber trotzdem kann ich mir vorstellen, dass das erstmal ein krasser Wechsel
Nicola: war. Also weil es ja auch eine ganz andere Arbeit ist, ganz anderes Umfeld.
Nicola: Was war das, was du vor allem lernen musstest, um da auch gut arbeiten zu können?
Jörn: Also ich persönlich habe den Wechsel gar nicht als so krass empfunden.
Jörn: Für mich war das so ein bisschen auch, ich wollte diesen Perspektivwechsel.
Jörn: Ich habe mich nach den Jahren in den Theatern bei sozialen Trägern beworben
Jörn: und hatte dann das Riesenglück, dass ich bei Hinz und Kunz gelandet bin,
Jörn: weil dort so drei Dinge zusammenkommen, die ich gerne mache.
Jörn: Nämlich auf der einen Seite organisiere ich gerne Dinge, das kann ich als Geschäftsführer dort.
Jörn: Dann ist es so, auch bei Hin zum Kunst entsteht ein Medium, das hat ja was mit
Jörn: Kultur, mit Kreation zu tun.
Jörn: Da bin ich jetzt nur bedingt Teil und die dritte große Aufgabe ist,
Jörn: dass ich mich politisch einbringen kann.
Jörn: Von daher war das für mich riesig. Und der Umgang mit den Menschen,
Jörn: das ist ja das, was vielleicht der Hintergrund deiner Frage ist,
Jörn: der ist in Wirklichkeit an den Theatern in Kiel, da haben auch aus 34 verschiedenen
Jörn: Nationen Menschen gelebt, die ganz unterschiedlich waren.
Jörn: Da gibt es eben die Handwerker, dann gibt es die Künstler, es gibt die Lauten
Jörn: und die Leisen, die Alten und die Jungen.
Jörn: Und so ist das auch bei Hinz und Kunz.
Jörn: Und da kann man sehr viel der Menschenerfahrung, die ich eben in den Theatern
Jörn: erlernt habe, die konnte ich da eins zu eins wiederverwenden.
Nicola: Ich hatte mir aber auch vorgestellt, dass es vielleicht erstmal neu ist.
Nicola: Du bist ja auch sowas wie die Stimme eures Projektes und das ist ja im Theater
Nicola: wahrscheinlich ein bisschen anders, oder? Ich weiß das gar nicht genau.
Jörn: Wobei da hatte ich eine lange Übergangsphase. Als ich anfing,
Jörn: hatte hin zum Kunst noch einen politischen Sprecher, Stefan Karrenbauer,
Jörn: der ja auch über 25 Jahre lang diesen Job gemacht hat und überall in der Stadt bekannt war.
Jörn: Das heißt, in den Anfangsjahren stand ich gar nicht so sehr im Fokus und erst
Jörn: als Stefan uns altersteilzeitmäßig verlassen hat, habe ich dann diese Rolle
Jörn: noch übernommen. Das heißt, das war auch ganz schön.
Jörn: Und dann muss man ja auch sehen, ich habe im Oktober 2019 angefangen und im
Jörn: März 2020 begann Corona.
Jörn: Das heißt, ich hatte die Monate, mich reinzugrufen und als ich dann eigentlich
Jörn: vor die Tür gehen wollte, mussten wir uns alle einschließen.
Jörn: Das war für Hinz und Kunst sowieso auch eine heftige Zeit, weil wir eben auch
Jörn: sagen mussten, okay, wir können das eigentlich unseren Verkäufern auch nicht
Jörn: zuguten, dass sie jetzt bei uns zusammenkommen.
Jörn: Verkäufer, die wollten das auch nicht. Das hat sich dann später herausgestellt, erst Ende 22,
Jörn: Anfang 23 ist unser Aufenthaltscafé wieder so genutzt worden,
Jörn: wie wir das vor Corona kannten. weil.
Jörn: Obdachlose sind Überlebenskünstler und die wissen ziemlich genau,
Jörn: wo Probleme sind und wo man sich schützen muss.
Jörn: Und es war eben klar, viele Menschen übertragen viele Krankheiten und deswegen
Jörn: haben sie eben auch schnell gelernt, wenn man sich draußen aufhält mit mehreren
Jörn: Menschen, dann ist es deutlich ungefährlicher, als wenn man drin ist.
Jörn: Das heißt, die sind zu uns gekommen, haben sich einen Kaffee geholt,
Jörn: aber haben dann bei uns vor der Tür gestanden, auch bei sehr schlechten Wetter.
Nicola: Du hast eben gesagt, du wolltest einen Wechsel. Warum?
Jörn: Auch um nochmal zu gucken, eine andere Perspektive auf das eigene Tun zu schaffen.
Jörn: Und dann war es eben auch so, das muss man halt wissen, es gibt zwar in Deutschland
Jörn: glücklicherweise sehr viele Theater, aber es gibt nur genauso viele Geschäftsführerstellen
Jörn: und die sind über die ganze Bundesrepublik verteilt.
Jörn: Und alle Angebote, die ich bekam, waren eben von weit weg.
Jörn: Und ich sah mich weder in Anklam noch in Baden-Baden.
Nicola: Okay. Du bist ja auch fußballmäßig hier ganz gut verortet. Ich habe gesehen,
Nicola: dass du dich da auch bei St. Pauli engagiert hast.
Jörn: Genau. Also Fußball spiele ich immer auch noch selber. Ach, du spielst auch selber.
Nicola: Okay.
Jörn: Inzwischen nennt sich die Staffel Ü50.
Jörn: Das sind die über 50-Jährigen. Genau, beim FC St.
Jörn: Pauli bin ich Vorsitzender des Amateurvorstands.
Jörn: Wir haben 30 verschiedene Sportarten, bieten wir an beim FC St. Pauli.
Jörn: All die Sportarten, die nicht professionell betrieben werden,
Jörn: sondern breiten, aber teilweise auch im Leistungssport, die werden vom Amateurvorstand betreut.
Jörn: Und wir sind so das Bindeglied zum Präsidium um Oko Göttlich und die anderen drei.
Nicola: Das ist auch schon ein langes Engagement dann. Eigentlich bist du doch ein Mensch der Zahlen.
Nicola: Also ich kenne dich ja als Buchhalter, als Geschäftsführer hast du auch viel mit Zahlen zu tun.
Nicola: Und gleichzeitig, wenn du über deinen Beruf sprichst, sprichst du natürlich
Nicola: gar nicht so viel über die Zahlen, weil die Menschen sich wahrscheinlich lieber
Nicola: über die anderen Aspekte unterhalten. Aber würdest du, wie bist du da hingekommen,
Nicola: also auch dich mit Zahlen zu beschäftigen?
Jörn: Ich glaube, das liegt mir einfach. Und schon auch im Rahmen des Studiums war
Jörn: irgendwie klar, dass es da eine Marktlücke gibt für mich, sich mit Zahlen zu beschäftigen.
Jörn: Und jetzt ist es aber ja fürchterlich langweilig, immer nur zu sagen,
Jörn: die Zahlen stimmen nicht.
Jörn: Ja. Gerade in der Kultur oder eben auch in einem Sozialunternehmen geht es ja
Jörn: darum, dass die Dinge, die erbracht werden, die Hilfe, die Leistungen,
Jörn: die kulturellen Projekte, dass die finanziert werden.
Jörn: Das heißt, darum muss es immer gehen, dass diese Dinge bezahlt werden können.
Jörn: Und man muss natürlich darauf achten, dass die Budgets eingehalten werden.
Jörn: Aber es geht jetzt nicht darum, oder so habe ich mich nie verstanden,
Jörn: die Dinge einzusparen, sondern die Dinge zu ermöglichen.
Jörn: Und sozusagen von der von der Schaffensidee, die Dinge zu machen und nicht,
Jörn: auch wenn das natürlich an Theatern oder eben auch in Sozialbetrieben immer
Jörn: von außen suggeriert wird, Dinge müssen gespart werden, es muss günstiger gemacht werden.
Jörn: Es ist einfach so, wir müssen effizient sein, wir müssen gut organisiert sein
Jörn: und dann können wir viele, viele Dinge auf den Weg bringen.
Jörn: Und so habe ich mich immer gesehen und das habe ich auch in all den Jahren glaube
Jörn: ich jetzt so ein bisschen immer weiter verstärkt und da auch einiges inzwischen
Jörn: als eine Erfahrung, die ich dann einbringen kann.
Nicola: Wie hast du das gelernt?
Jörn: Ich habe ein Wirtschaftsingenieurstudium begonnen und in dem Rahmen eben auch
Jörn: BWL gehabt und dann, wie gesagt, es war einfach eine Marktlücke.
Jörn: Leute brauchten Steuererklärungen, die ihnen gemacht wurden und dann habe ich
Jörn: mich halt da immer weiter reingefuchst
Jörn: und dann eben auch sehr viel Zeit investiert, da schlauer zu werden,
Jörn: aber nicht im Rahmen einer.
Jörn: Also einer richtig fundierten Ausbildung, sondern Versatzstücke,
Jörn: die im Laufe der Jahre immer mehr wurden.
Nicola: Also eigentlich sowas wie Autodidakte im weiteren Sinne, könnte man das sagen?
Jörn: Kann man sagen, glaube ich.
Nicola: Es wird immer so negativ gesehen. Ich finde das ja sehr positive Herangehensweise,
Nicola: weil das ja bedeutet, dass man sich durch die Praxis letztendlich etwas nähert,
Nicola: was ja wahrscheinlich am theoretischen Studium, zumindest in dem Bereich, wo du arbeitest,
Nicola: sehr viel mehr Erfahrung dann ermöglicht.
Nicola: So mit diesen Dingen umzugehen.
Nicola: Aber ich habe irgendwo gesehen, dass du auch mal was mit Flugzeugbau zu tun hattest.
Jörn: Stimmt das? Genau. In der Ausbildung, das ist jetzt aber, die habe ich angefangen 1983.
Jörn: Das ist lange, lange her. Da habe ich Metallflugzeugbauer bei Lufthansa gelernt.
Jörn: Also eine richtige Metalllehre.
Jörn: Das war übrigens der letzte Jahrgang, der diesen Beruf so noch gelernt hat.
Jörn: Also sie haben den Inhalt nicht verändert, aber Aber der Beruf hieß dann im
Jörn: berauffolgenden Lehrjahr Fluggerätebauer,
Jörn: weil Metall wurde halt immer weniger, viele Flugzeuge sind noch,
Jörn: zumindest zu einem Teil aus Aluminium, aber Kunststoff wurde immer wichtiger.
Jörn: Und dann hat man halt gesagt, okay, dann heißt der Beruf jetzt nicht mehr Metallflugzeugbauer,
Jörn: sondern Fluggerätebauer.
Jörn: Das sind diejenigen, die am Flugzeug eben die Hülle, die Karosserie bauen und herstellen.
Jörn: Und dann gibt es eben weiter Berufe im Flugzeug, Bau, Elektriker,
Jörn: die Triebwegsmechaniker, die Mechaniker und so.
Nicola: Ja, also schon so ein gewisses Verständnis für Prozesse, Technik und so weiter,
Nicola: was ja dann irgendwie doch ein roter Faden ist.
Nicola: Du hattest ja vorher in deinen Stellen eher mit Menschen zu tun,
Nicola: die in die Oper gehen, ins Theater gehen und jetzt mit Menschen,
Nicola: die auf der Straße leben.
Nicola: Das ist ja schon auch nochmal ein ganz anderes Umfeld. Ich stelle mir vor,
Nicola: dass du vielleicht auch viel mehr Belastendes mit nach Hause nimmst.
Nicola: Hast du da eine Möglichkeit gefunden, damit umzugehen?
Jörn: Ich glaube, wir haben im Team eine gute Möglichkeit gefunden, damit umzugehen.
Jörn: Es gibt Belastendes, auch stark Belastendes, aber wir schweigen diese Sachen
Jörn: bei uns im Team nicht weg, sondern sie sind Thema. Sie sind auch Thema mit den Verkäufern.
Jörn: Das heißt, es werden über diese Dinge gesprochen. Wir haben auch sehr viel Spaß
Jörn: und es wird auch sehr viel gelacht.
Jörn: Die Leute wollen ja überleben und insofern gibt es eben diese positiven Momente
Jörn: und die negativen, die wir haben. Dafür schaffen wir Räume, in denen das passiert.
Jörn: Also je nachdem, wie eng wir mit den Verstorbenen sind, machen wir auch Gedenkveranstaltungen.
Jörn: Wir gedenken einmal im Jahr am Totensonntag allen Verkäufern,
Jörn: die in den letzten zwölf Monaten verstorben sind.
Jörn: Genau, versuchen auf verschiedene Art und Weise Räume dafür zu schaffen.
Jörn: Wir haben auch eine Gedenktafel und genau, das ist der Weg, wie wir das,
Jörn: glaube ich, ganz gut hinkriegen.
Nicola: Ich beobachte immer mehr, wenn es jetzt so um neue Bauten gerade geht.
Nicola: In Hamburg wird ja viel gebaut, auch im Bereich Kultur.
Nicola: Gerade ist wieder ein neues Opernhaus im Gespräch. Wir haben lange,
Nicola: viele Jahre über den Bau der Elphi, der Elphilharmonie gesprochen.
Nicola: Und da ist ja immer wieder zu beobachten, dass man das auch gegeneinander ausspielt.
Nicola: Also die, die dann sagen, die dagegen sind, sagen, das verschlingt so viel Gelder
Nicola: und es wird an Stellen, wo wir es eigentlich sehr, sehr notwendig brauchen würden,
Nicola: gespart. Du hast ja jetzt sozusagen beide Perspektiven. Wie verortest du dich denn da?
Jörn: Also genau, das ist ein Punkt, den man vielleicht ganz grundsätzlich nochmal sagen muss.
Jörn: Auch Obdachlose sind kulturell interessiert.
Jörn: Nur wenn man mit dem Überleben kämpft, dann ist es eben nicht so einfach mal
Jörn: eben ins Theater zu gehen, zumal es ja auch noch Geld kostet.
Jörn: Aber viele unserer Verkäufer, Verkäuferinnen sind kulturell sehr interessiert
Jörn: und wir machen, das ist auch ganz wichtig für uns bei Hin zum Kunst,
Jörn: dass wir auch gemeinsame Kunst- und Kulturaktionen mit unseren Verkäufern machen.
Jörn: Insofern ist es jetzt erstmal nicht so, dass die Menschen,
Jörn: ich glaube alle Menschen brauchen Kultur und das ist auch für mich ganz wichtig
Jörn: immer gewesen, Künstler,
Jörn: Kulturschaffende haben eben auch eine große Verantwortung.
Jörn: Sie zeigen, sie halten uns den Spiegel vor, sie arbeiten an Kritiken,
Jörn: gesellschaftlichen Kritiken, aber sie werden hoffentlich auch immer mal Utopien
Jörn: in ihren Kultur- und Kunstschaffensprozessen drin haben.
Jörn: Insofern halte ich die Kultur genauso wie den Sport für unersetzbar und das
Jörn: muss uns als Gesellschaft auch was wert sein.
Jörn: Und wir brauchen diese Orte, an denen Kultur eben auch passieren kann und wir
Jörn: brauchen da auch exzellente Orte.
Jörn: Also es kann jetzt, am Ende darf man auch nicht,
Jörn: muss man auch exzellente Orte für soziale Arbeit schaffen, aber ich würde mich
Jörn: am Ende einfach nicht beteiligen wollen an der Frage, können wir uns das eine
Jörn: oder das andere leisten,
Jörn: als Menschdeck mit Geld umgeht, habe ich ja schon gesagt, muss man die Sachen eben möglich machen.
Jörn: Und dass man nicht alles möglich machen kann, ist auch so, ist auch richtig.
Jörn: Aber man darf die Sachen nicht gegeneinander ausspielen,
Jörn: sondern man muss abwägen und man muss beides schaffen, beides muss möglich sein,
Jörn: sowohl Kultur oder eigentlich sind es ja,
Jörn: habe ich ja schon gesagt, auch der Sport ist total wichtig.
Jörn: Es kann nicht sein, auch da könnte man ja ein Ausspielen sehen,
Jörn: indem man sagt, wir brauchen mehr Wohnungsbau.
Jörn: Aber mehr Wohnungsbau, wenn wir nicht gleichzeitig auch Sportflächen schaffen,
Jörn: endet auch in einer Katastrophe.
Jörn: Also insofern, man muss das alles miteinander abwägen.
Jörn: Wir müssen uns alle einbringen in den gesellschaftlichen Diskurs darüber und
Jörn: dann zu gucken, okay, was periodisieren wir an welcher Stelle.
Jörn: Und wie gehen wir damit mit den einzelnen Dingen dann um?
Nicola: Ja, ist ja auch die Frage, ob es nur die beiden Antagonisten oder ob das überhaupt
Nicola: Antagonisten sein dürfen oder ob es nicht noch weitere Player gibt,
Nicola: die eigentlich auch in Frage kämen, um zu sagen,
Nicola: wo kann man was möglich machen und wo wird vielleicht auch möglich sein, Geld einzusparen.
Nicola: Das fällt mir immer dabei auf, dass man dann so sagt, es gibt nur die Kultur
Nicola: und die sozialen Projekte, es gibt ja auch noch andere Möglichkeiten und da
Nicola: gibt es ja auch gerade Debatten, Stichwort Erbschaft, Steuer,
Nicola: Stichwort andere Steuern und so weiter.
Nicola: Gut, aber das ist ein eigener Punkt. Wir haben dich ja gefragt,
Nicola: was du gerne nochmal lernen würdest, wenn du Zeit hättest und Geld keine Rolle
Nicola: spielt, wie das ja bei der Hamburg Open Online University der Fall ist.
Nicola: Die Angebote sind ja alle frei zugänglich, wenn man die entsprechenden,
Nicola: da kommen wir auch noch später drauf, technischen Zugangsmöglichkeiten natürlich
Nicola: hat, also einen Internetzugang.
Nicola: Hast du denn persönlich überhaupt noch Zeit, du hast ja gerade beschrieben,
Nicola: dass du in verschiedenen Formen da aktiv bist, was auch zu lernen oder wie verstehst.
Nicola: Du Lernen und wenn ja, wie machst du das?
Jörn: Also genau, ich kaufe mir ein Buch.
Nicola: Ganz einfach.
Jörn: Ganz einfach. Und genau Dinge, gerade ich beschäftige mich auch sehr mit handwerklichen
Jörn: Dingen, die würde ich immer auch ausprobieren.
Jörn: Also ich hatte halt das Glück, diese Ausbildung zu machen, die eine vielfältige
Jörn: handwerkliche Ausbildung ist.
Jörn: Das heißt, ich habe schon mit sehr vielen Materialien gearbeitet und insofern
Jörn: habe ich jetzt auch ausreichend Mut, neue Dinge auszuprobieren, fange damit an.
Jörn: Und also genau, das Buch war sehr wichtig, gibt einen Haufen Bücher zu Hause
Jörn: über irgendwelche Tätigkeiten, die man machen kann oder wo man Dinge entwickeln kann.
Jörn: Und inzwischen ist allerdings auch, sind auch YouTube Tutorials sehr wichtig geworden.
Nicola: Ich wollte gerade fragen, das ist ja auch vielleicht noch ein bisschen anschaulicher, oder?
Jörn: Ja, genau.
Nicola: Okay, also das heißt Buch und YouTube-Video und das ist ja eigentlich eine wunderbare
Nicola: Überleitung zu dem ersten Angebot, was du dir ausgesucht hast.
Nicola: Vielleicht auch vor dem Hintergrund, wenn du sagst, dass du gerne handwerklich
Nicola: und bauen so ein Thema sein könnte.
Nicola: Nämlich das erste Angebot, was du dir von den dreien ausgesucht hast,
Nicola: heißt Bauen im biologischen Kreislauf aus schnell nachwachsenden Rohstoffen.
Nicola: Ich stelle es mal kurz vor, worum es da geht.
Nicola: Das klingt ja schon im Titel nach Zukunft und tatsächlich geht es in diesem
Nicola: HU-Angebot darum, Häuser neu zu denken.
Nicola: Also nicht aus Beton, sondern aus Hanf, Stroh oder sogar Mützel.
Nicola: Pilzgeflecht und man erfährt in dem Angebot, was kreislaufgerechtes Bauen konkret heißt.
Nicola: Denn während Nachhaltigkeit bei Gebäuden ja meistens mit akutem Energiebedarf
Nicola: durch Heizen zu tun hat, beginnt hier der Kreislauf schon bei der Planung,
Nicola: also der Überlegung, was einmal aus dem Haus wird, wenn es nicht mehr ist,
Nicola: also wenn es wieder abgebaut werden muss.
Nicola: Und einiges von dem, was das Lernangebot vorstellt, wird heute auch schon eingesetzt
Nicola: und bei anderen Dingen handelt es sich um visionäre Entwürfe von Studierenden
Nicola: der HafenCity Universität.
Nicola: Dort ist das Angebot auch für die HU entstanden und steht jetzt eben zur Verfügung.
Nicola: Ja, Björn, du hast dir das Lernangebot ausgesucht, träumst du von einem Haus
Nicola: aus Stroh- oder Pilzgeflechten und kannst dir dir vorstellen, darin zu wohnen?
Jörn: Also das mit den Pilzgeflechten, das hatte ich vorher schon mal gesehen,
Jörn: dass das hier an der HCU gemacht wird und die ja auch einen Mitmachkurs haben,
Jörn: wo man diese Pilzgeflechte selber züchtet und dann in Form sozusagen wachsen
Jörn: lässt und daraus dann Bausteine entstehen. Das fand ich total spannend.
Jörn: Die Geschichte mit den Strohballenhäusern, das ist ja etwas,
Jörn: das gibt es schon bestimmt fast zwei Jahrzehnte. Das ist total spannend.
Jörn: Das hätte ich total gerne gebaut, hat aber bisher noch nicht funktioniert,
Jörn: kommt aber vielleicht noch.
Nicola: Das heißt, irgendwann, ja, das ist auch in dem Angebot, sieht man tatsächlich
Nicola: ein Video, wie Studierende das als Modell eher machen und sich dann selber auch
Nicola: hinterher draufsetzen, um das zu beschweren, weil sie wahrscheinlich nicht die
Nicola: entsprechenden Maschinen haben.
Nicola: Das ist ja eigentlich auch tatsächlich ein bisschen back to the roots,
Nicola: weil früher einmal wurden ja Häuser auch aus Stroh gebaut oder man hat im Stroh
Nicola: geschlafen oder ähnliches und diese Materialien dafür zu nutzen.
Nicola: Ihr habt ja auch ein Haus gebaut, also ihr, damit meine ich jetzt Hinz und Kunst in St. Georg.
Nicola: Wie war das denn da? Habt ihr auch auf solche Materialien setzen können?
Jörn: Ne, das liegt ein bisschen daran, dass das Haus hat nicht Hinz und Kunst gebaut,
Jörn: sondern das hat die Mara und Holger Kassenstiftung für Hinz und Kunst gebaut
Jörn: und Hinz und Kunst mietet die Räumlichkeiten über einen sehr,
Jörn: sehr langen Zeitraum, aber tatsächlich haben wir nur gemietet.
Jörn: Mein Vorgänger war an der Planung beteiligt und in den letzten zwei Baujahren
Jörn: war ich dann auch beteiligt, aber da konnte man nicht mehr den Planung.
Nicola: Beton bauen, abwählen.
Jörn: Also insofern hatte ich da keinen Einfluss drauf, aber würden wir das nochmal
Jörn: machen, müsste man glaube ich an der Stelle auf jeden Fall was tun,
Jörn: weil gerade auch so Holz-Vorelemente, die man so baut und Holz,
Jörn: es gehört ja auf jeden Fall auch zu diesen Nachwachsenden,
Jörn: zwar nicht schnell Nachwachsenden, Aber eben zu den nachwachsenden Baustoffen.
Jörn: Meines Wissens würde in Deutschland mehr Holz zur Verfügung stehen für solche
Jörn: Zwecke, als eigentlich gebraucht werden in Deutschland.
Jörn: Sehr viel Holz wird exportiert, aber das Holz wäre da, um mehr Häuser damit zu bauen.
Jörn: Und ich stelle mir auch vor,
Jörn: dass man da geschwindigkeitsmäßig mehr rausholen kann, weil man kann die einzelnen
Jörn: Bandelemente in Fabriken vorstellen
Jörn: und da muss man sich jetzt hier nicht DDR-Plattenbau vorstellen,
Jörn: sondern da kann mit digitalen Bauprozessen auch sehr viel Individualität geschaffen werden.
Jörn: Aber vor allen Dingen könnte Zeit gewonnen werden auf diese Art und Weise. Das ist ja auch wichtig.
Jörn: Das heißt, würde Hinzukunst ein weiteres Haus bauen, würden wir bestimmt auch,
Jörn: weil wir ja auch immer exemplarisch mit unseren eigenen Aktivitäten zeigen wollen,
Jörn: wie es andere machen können, wäre das an der Stelle gut.
Jörn: Es dümmt eher so etwas in der Richtung.
Nicola: Es ist ja ein Haus dafür abgerissen worden, für das Haus, was jetzt euer Haus ist.
Nicola: Das ist auch ein Ansatz, dieses Projektes oder dieses Lernangebotes zu gucken,
Nicola: was kann man eigentlich aus bestehenden Resten machen und wie kann man Materialien
Nicola: wiederverwerten, also die man vielleicht vermeintlich nicht mehr braucht.
Nicola: Du hast eben gesagt, es steht genug Holz auf der Verfügung.
Nicola: Es steht ja auch viel von Gebäuden, die abgerissen werden oder die man eventuell
Nicola: dann doch sanieren könnte mit neuen Materialien.
Nicola: Also darum geht es ja wahrscheinlich auch.
Nicola: Vielleicht erzählst du noch mal ein bisschen, weil das Haus ist ja auch ein
Nicola: tolles Projekt von Hinz und Kunst. Ihr habt da ja nicht nur eure Büros.
Jörn: Genau, also es ist, wenn man das Kellergeschoss mithält, ein sechssteckiges Gebäude.
Jörn: In den unteren drei Geschossen, also Kellergeschoss, Erdgeschoss und erstes
Jörn: Obergeschoss sind unsere Büros und darüber sind insgesamt sechs Wohnungen,
Jörn: in denen Verkäufer von uns wohnen und zwar in WGs.
Jörn: Das hatte zweierlei Gründe.
Jörn: Also einmal waren unsere Sozialarbeiter der Meinung, dass das etwas ist, was fehlt.
Jörn: Menschen von der Straße leiden auch sehr stark unter Einsamkeit.
Jörn: Und da war der Ansatz zu sagen, alles klar, ihr zieht in WGs,
Jörn: also ihr lebt in WGs, seid füreinander da.
Jörn: Das war so die eine Idee. Und dann ist der Grundriss des Gebäudes jetzt auch
Jörn: nicht so ganz einfach, wenn es darum gehen würde, dass man dort Ein-Personen-Wohnung abbildet.
Jörn: Dann hätte man sehr viel Verkehrsfläche gehabt und das gibt es jetzt in den
Jörn: Wohnungen nur sehr wenig, weil das so ist, dass wir, um das vielleicht einmal zu beschreiben.
Jörn: Man kommt in die Wohnung rein, ist entweder in der Küche oder in dem Aufenthaltsraum
Jörn: und davon gehen direkt die Zimmer ab und die Badezimmer,
Jörn: weil das ist ja auch, jeder der in WGs schon gelebt hat, weiß,
Jörn: dass Badezimmer Konfliktfelder sind. Die gehen von den Zimmern ab.
Jörn: Das heißt, da ist es auch so, maximal zwei Leute teilen sich ein Badezimmer.
Jörn: Und genau, also von daher haben wir fast gar keine Verkehrsfläche.
Jörn: Zumindest auf der einen Seite des Gebäudes. Auf der anderen Seite gibt es ein
Jörn: paar Quadratmeter Verkehrsfläche.
Jörn: Aber insgesamt ist das total gut gelöst. und was sozusagen jetzt die,
Jörn: Wie ihr Jahre angeht, in der jetzt da Menschen drinnen leben,
Jörn: haben wir halt auch schon alles erlebt.
Jörn: Also WGs, wo wirklich ein gutes Zusammenleben entstanden ist,
Jörn: wo sehr viel Gemeinsamkeit auch ist, wo sehr viel auch füreinander sein da ist.
Jörn: Und dann gibt es eben auch andere, die da schwerer mit klarkommen,
Jörn: die vielleicht auch denen gar nicht so bewusst war,
Jörn: was es bedeutet, in einer WG zu leben und wo einfach die Not,
Jörn: das kann man sich ja vorstellen,
Jörn: die Not ist, ich will so schnell wie möglich raus aus der Obdachlosigkeit oder
Jörn: aus der Wohnungslosigkeit.
Jörn: Und dann sagt man sich, okay, alles, kriegt man alles gelöst,
Jörn: aber es stellt sich dann eben doch raus, dass menschliches Zusammenleben viele Aufgaben beinhaltet.
Nicola: Das ist ja eine Erfahrung, die, glaube ich, wie du sagst, jeder Mensch,
Nicola: der einmal in einer WG gemacht hat, auch mit Freunden,
Nicola: man lernt sich neu kennen und ich glaube, man muss schon auch berücksichtigen,
Nicola: das ist natürlich, wenn man dann nochmal, vielleicht auch nochmal ganz andere
Nicola: Probleme mit reinbringt, noch herausforderungsvoller ist, kann ich mir vorstellen.
Nicola: Aber ihr habt insgesamt gute Erfahrungen damit gemacht und die Wohnungen sind auch immer belegt.
Nicola: Genau, es gibt Fluktuationen.
Jörn: Unsere Sozialarbeiter entscheiden, wer dann einzieht, weil es gibt einfach so
Jörn: viele Menschen, die auf Wohnungssuche sind.
Jörn: Und da muss man eben gucken, dass das zueinander passt, dass auch vielleicht
Jörn: die Suchterkrankungen, die vorliegen, wir sind ja suchttolerant bei Hinz und
Jörn: Kunz, das heißt, wir sagen nicht,
Jörn: Du musst erst mal suchtfrei sein, um bei uns mitzumachen, sondern man kann halt mitmachen,
Jörn: man kann die Zeitung verkaufen, ist aber eben aufgefordert, nicht total stoned
Jörn: oder betrunken an seinem Verkaufsplatz zu stehen.
Jörn: Aber es ist nicht so, dass alle entwöhnt sind, die unsere Zeitung verkaufen,
Jörn: sondern sie finden damit eben einen Umgang für sich.
Jörn: Und genauso ist das eben auch bei uns in der Wohnung. Leute müssen nicht clean sein.
Nicola: Um bei uns einzuziehen.
Nicola: Gut, wir haben ja auch in unserer Stadt schon gehört, dass Nachbarschaften nicht
Nicola: immer ganz glücklich sind, wenn Projekte mit obdachlosen Menschen in der Nähe
Nicola: gebaut werden. Wie war das denn bei euch? In St.
Nicola: Georgs ist ja das Haus gebaut worden.
Jörn: Jetzt in der Minenstraße, mittendrin im Stiftsviertel. Das Stiftsviertel hat
Jörn: eine ganz interessante Geschichte in Hamburg.
Jörn: Das ist in St. Georg, also jenseits der Stadtmauern gewesen.
Jörn: Und damals sind eben die Leute vor die Tür, vor die Stadttore geschickt worden.
Nicola: Die obdachlosen Menschen.
Jörn: Oder notbedürftigen Menschen. Und in der Zeit sind dann da schon die Stifte
Jörn: entstanden. Es gibt auch die Stiftsstraße bei uns um die Ecke und eben verschiedene Stifte.
Jörn: Und von daher gibt es auch ein gutes Zusammenleben mit diesen anderen Organisationen.
Jörn: Und natürlich haben wir auch Misstrauen und Beschwerden gehört.
Jörn: Wir versuchen damit umzugehen und eben klarzumachen, wer wir sind,
Jörn: wo unsere Verkäufer stehen,
Jörn: warum sie agieren, wie sie agieren und ich würde sagen, wir haben ein gutes
Jörn: Verhältnis mit der Nachbarschaft.
Nicola: Okay.
Nicola: Gut, das heißt, es ist ein komfortables Wohnen möglich in dem Haus für die Menschen,
Nicola: die, muss man ja auch sagen, das Glück haben, dann da wohnen zu können.
Nicola: Das führt zum nächsten Angebot, das du ausgewählt hast, ein Angebot der HafenCity
Nicola: Universität eben auch mit dem schönen Titel Unkomfortables Wohnen.
Nicola: Und das UN ist in Klammern geschrieben.
Nicola: Ist erstmal ein bisschen widersprüchlich, also jetzt komfortabel oder unkomfortabel
Nicola: und genau darum geht es auch.
Nicola: Was empfinden wir denn eigentlich als komfortables Wohnen und was davon ist
Nicola: wirklich sinnvoll und ist eigentlich komfortabel? Also Beispiel sind Wohnungen
Nicola: komfortabel, die im Winter zu kalt und im Sommer zu heiß sind.
Nicola: Und was wären Alternativen, Wohnungen zu denken, zu bauen und zu gestalten,
Nicola: damit sie tatsächlich den Anforderungen der Menschen an Wohnen entgegenkommen.
Nicola: Und man lernt dadurch genau hinzusehen, wie nutzen Menschen ihre Wohnungen eigentlich
Nicola: im Alltag, welche Räume werden wirklich gebraucht und wie.
Nicola: Ja, komfortables Wohnen, da habe ich in Bezug jetzt auf Hinz und Kunz natürlich
Nicola: gleich daran gedacht, auf der Straße zu wohnen ist ja definitiv unkomfortabel,
Nicola: vor allen Dingen bei diesem Wetter.
Nicola: Und erstaunlicherweise glauben aber Menschen,
Nicola: dass Menschen in der Obdachlosigkeit das gerne machen oder sagen wir mal so,
Nicola: lieber als in einer Unterkunft zu leben oder in einer Wohnung zu leben,
Nicola: dass es so eine Art Abenteuertum sei.
Nicola: Was macht ihr, um dem zu begegnen?
Jörn: Dem widersprechen, weil das definitiv nicht so ist.
Jörn: Also Menschen, es wird ja immer gesagt, Obdachlose sind freiwillig in der Obdachlosigkeit.
Jörn: Nein, sie wählen die Straße, weil die Alternativen für sie negativer sind.
Jörn: Sind als das, was sie auf der Straße erleben. Und da selbst im Winter.
Jörn: Also es gibt ja das städtische Winternotprogramm mit gut 1000 Plätzen.
Jörn: Da gibt es aber auch welche, die sind Containerplätze. Das heißt,
Jörn: da bekomme ich einen Schlüssel am Anfang des Winters und den muss ich im März
Jörn: wieder abgeben, Ende März und dann ausziehen.
Jörn: Aber in den Monaten dazwischen können die Obdachlosen, die so einen Containerplatz
Jörn: bekommen haben, sich eben da frei entfalten und auch entscheiden, wo sie hingehen wollen.
Jörn: Es sind häufig, stehen diese Containerplätze oft bei Kirchengemeinden oder Universitäten
Jörn: und da sind dann eben auch so ein, zwei Leute an einem Standort.
Jörn: Das heißt, für mich als Obdachlosen, der ich jetzt vielleicht Berührungsängste
Jörn: mit vielen Menschen habe, der auch Angst vor Konflikten hat,
Jörn: ist das natürlich ideal.
Jörn: Und genau das ist eben auch eine Kritik an dem Winternotprogramm.
Jörn: Da kommen viele hundert Menschen zusammen, die müssen sich alle um 1730 anstellen,
Jörn: werden dann auf Dinge gefilzt, die sie nicht mit reinnehmen dürfen.
Jörn: Und schon dieses Filzen, wir haben einen Verkäufer, der kommt aus Jugoslawien,
Jörn: der hat da den Krieg erlebt, für den ist Filzen einfach ein No-Go.
Jörn: Und sehr viele Menschen, die auf Hamburgs Straßen leben, sind eben auch,
Jörn: haben psychische Erkrankungen, für die kommt das nicht in Frage und dann entscheiden
Jörn: die sich für draußen bleiben,
Jörn: weil das Leben in diesen Einrichtungen für sie nicht akzeptabel ist.
Jörn: Die sind aber nicht freiwillig draußen, sondern mangels Alternativen.
Jörn: Und da gibt es auch noch eine Reihe weiterer Gründe, warum die Leute nicht in
Jörn: diese großen Einrichtungen mit so vielen Menschen gehen.
Jörn: Das kann man glaube ich auch nachvollziehen, wenn man sich selber versucht mal
Jörn: zu überlegen, wie so eine Nacht da läuft.
Jörn: Da wird halt kaum geschlafen, weil es Menschen gibt, die eben die ganze Nacht
Jörn: dann wach sind, die da auch mit ihren Nöten zu kämpfen haben, laut sind.
Jörn: Dann gibt es auch Gewalterfahrungen im Winternotprogramm und auch immer wieder auch die Tatsache,
Jörn: dass die Leute sich dann doch einschlafen und dass sie dann am nächsten Morgen ohne Schuhe aufwachen.
Jörn: Und das sind dann alles so Dinge, wo die sagen, okay, wenn ich anschließend
Jörn: mehr Probleme habe als vorher, geschlafen habe ich auch nicht,
Jörn: weil man vielleicht gar nicht richtig zur Ruhe kommt, sondern nur so ein Auge
Jörn: zumacht, dann bleibe ich vielleicht eher draußen.
Jörn: Bei Hinz und Kunz ist es so, wir wissen darum und deswegen sagen wir auch,
Jörn: alles klar, das musst du wissen.
Jörn: In den Nächten, wo es jetzt so weit in den Minusbereich reingeht,
Jörn: da ist es dann schon so, dass jeder von uns im Team sagt, alles klar,
Jörn: hast du mitbekommen, dass diese Nacht minus 5, minus 7 Grad sind.
Jörn: Du musst irgendwo hingehen, weil wenn du irgendwie in der Kälte einschläfst,
Jörn: dann wachst du womöglich nicht wieder auf.
Jörn: Da funktionieren wir da so ein bisschen anders und versuchen auch dahin zu wirken,
Jörn: alles klar, geh mal lieber heute Nacht, geh doch mal lieber in das Winternotprogramm,
Jörn: überwinde deine Ängste,
Jörn: deine Nöte, weil das etwas sicherer ist.
Nicola: Also eigentlich ist es zynisch, das zu sagen, dass die Menschen lieber oder
Nicola: gerne sogar noch schlimmer auf der Straße leben.
Nicola: Und man muss ja auch mal sagen, das finde ich an dem Angebot auch ganz interessant,
Nicola: dass sich der auch damit beschäftigt, wie wir Flächen in der Stadt neu zu Wohnraum
Nicola: gestalten können, die eigentlich gar nicht als Wohnfläche vorgesehen sind.
Nicola: Also es gibt ja hier in Hamburg auch das Projekt eines Parkhauses in der Innenstadt,
Nicola: eines alten, nicht mehr in Funktion seienden Parkhauses, wo ein Wohnprojekt
Nicola: auch schon länger plant und wo man eben auch neue Formen der Wohnungen,
Nicola: also dass mit Schiebewänden dann neue Wohnräume entstehen, also auch neue Nutzungsarten
Nicola: im Sommer und im Winter, je nachdem wie man es eben braucht.
Nicola: Alte Lagerhäuser, wo quasi der wärmste Kern die Küche ist und dann drumherum
Nicola: gebaut wird mit einzelnen Kabinen.
Nicola: Und wir haben ja in Hamburg grundsätzlich einen Wohnungsnotstand,
Nicola: aber sehr viele Gewerbeflächen, also eine Million Quadratmeter ungenutzter Büroflächen
Nicola: wurden Ende 2025 genutzt.
Nicola: Gibt es da Bestrebungen in die Richtung, so etwas umzuwandeln oder nachzudenken,
Nicola: wie man das für Wohnraum besser nutzen könnte oder sagt ihr,
Nicola: das ist jetzt nicht mehr unser Thema?
Jörn: Also wir sind kein Bauunternehmen, wir sind auch keine Wohnungsbaugesellschaft.
Jörn: Für uns ist das immer ein Thema zu sagen, okay, was kann man eigentlich tun,
Jörn: wo kann man eigentlich, was ist Wohnen und was ist noch nur Notunterkunft,
Jörn: sich diese Frage zu stellen.
Jörn: Wir bekommen immer wieder so Angebote von Menschen, die sagen,
Jörn: alles klar, ich kann doch, oder auch studentische Projekte,
Jörn: wir können doch irgendwie so ganz kleine Hütten mit einem Raumvolumen von zwei
Jörn: Kubikmetern bauen und die sind toll gedämmt und dann kann man doch da die kalten
Jörn: Nächte drin verbringen.
Jörn: Da sagen wir immer, nee, das ist eigentlich nicht nachhaltiges Wohnen,
Jörn: weil das ist ja auch nur ein Erfrierungsschutz und der vergleichsweise teuer
Jörn: ist und auch den Bedürfnissen auf der Straße verwendet.
Jörn: Natürlich werden sie genutzt, weil wenn ich im Schlafsack schlafe oder ich finde
Jörn: irgendwo so einen Raum, dann ist das natürlich besser.
Jörn: Aber man muss eben auch den Aufwand sehen, der dann in diesen Notschlafhütten entsteht.
Jörn: Das ist nicht unsere Perspektive. Der Sozialverband Deutschland hat ja jetzt
Jörn: in dieser ganzen Wohnungskrise nochmal darauf hingewiesen,
Jörn: wir müssen alle Wohnungen behindertengerecht gebaut werden, wir müssen hohe
Jörn: Wärmedämmverordnungen umsetzen.
Jörn: Und das sind natürlich alles Dinge, die auch gut und richtig sind.
Jörn: Nur wenn die Not jetzt so groß wie sie gerade ist, uns fehlen 400.000 Wohnungen,
Jörn: die neu gebaut werden pro Jahr.
Jörn: Wenn die jetzt keiner bauen will, weil keiner damit mehr reich wird,
Jörn: ist halt die Frage, der Staat muss diese Funktion, das ist auf jeden Fall unsere
Jörn: Forderung, muss das dann übernehmen.
Jörn: Diese Flächen müssen entstehen und wir müssen uns eben genau überlegen,
Jörn: welche Ansprüche haben wir an diesem Wohnraum und welchen Wohnraum.
Jörn: Ein großes Problem, weshalb ja auch alles so starr ist, sowohl in der Gewerbevermietung
Jörn: als auch in der Wohnvermietung ist.
Jörn: Es sind eben sehr lange Zyklen, dass Mietverträge entstehen,
Jörn: Nutzungen sind immer sehr lang und wenn man dann, wenn man eigentlich einen
Jörn: veränderten Bedarf hat,
Jörn: im Markt kein Ergebnis für sich finden kann, also das berühmte Beispiel,
Jörn: die Frau, die jetzt irgendwie über 70 ist und auf 120 Quadratmeter wohnt,
Jörn: Weil es für sie einfach günstiger ist, auf 120 Quadratmeter wohnen zu bleiben,
Jörn: als sich für 50 Quadratmeter eine teurere Wohnung neu anzumieten.
Jörn: Das ist einfach ein Irrsinn und das hat was mit einem Mangel an Wohnraum.
Jörn: Und einer Starrheit zu tun, die
Jörn: sicherlich auch einen großen Anteil an der Lage, die wir haben, zu tun.
Jörn: Und da glaube ich, kommen wir nicht weiter mit Maximalansätzen,
Jörn: sondern man muss da auch ein bisschen offener mit umgehen.
Nicola: Das ist aber vielleicht auch ein kulturelles Verständnis, weil jetzt gerade
Nicola: das Beispiel der älteren Dame, die dann auf 100 Quadratmeter wohnt,
Nicola: man könnte ja sagen, sie könnte ja eine WG gründen und ich erlebe jetzt schon bei älteren Menschen,
Nicola: dass das jetzt nicht die erste Idee ist, weil es eben auch seltsam Menschen
Nicola: im Alter vorkommt, die dann vielleicht wirklich 70 Jahre höchstens mit ihrer
Nicola: Familie zusammengewohnt haben, mit anderen Menschen,
Nicola: also in Anführungsstrichen fremden Menschen zusammen zu wohnen.
Nicola: Und ich erinnere mich auch, dass es, ich glaube, vor zwei, drei Jahren gab es
Nicola: doch mal einen Vorstoß der Grünen,
Nicola: den Bau von Einfamilienhäusern in bestimmten Stadtteilen hier sozusagen nicht
Nicola: mehr zu genehmigen, also nicht die Einfamilienhäuser abzuschaffen,
Nicola: sondern zu sagen, wenn neue Häuser gebaut werden, dann sollten das Mehrfamilienhäuser
Nicola: sein, weil es natürlich effizienter ist für die Fläche und so weiter,
Nicola: dass es da einen großen Aufschrei gab und das auch inzwischen zurückgenommen worden ist.
Nicola: Also das Einfamilienhaus ist ein bisschen das gehütete Wohl,
Nicola: was man eben als komfortabel findet.
Nicola: Das ist aber eigentlich ja unkomfortabel, wenn ich dann hinterher irgendwann alt bin,
Nicola: selbst zu zweit ein Haus bewirtschaften muss, was eigentlich für eine ganze
Nicola: Familie mindestens gedacht ist, sehr viel Arbeit macht, dann verkommt und dann
Nicola: ja gar nicht mehr komfortabel ist.
Nicola: Also warum ist denn diese kulturelle Denkweise bei uns so stark,
Nicola: dass wir quasi mit unserer Familie leben möchten und uns andere Formen offensichtlich
Nicola: bedingt oder in bestimmten Kreisen nicht vorstellen können?
Jörn: Ich glaube, das ist einfach auch eine gesellschaftliche Starrheit, die es gibt.
Jörn: Also ich würde das positiver beschreiben und ich lese jetzt immer öfter von
Jörn: alten Menschen, die eben dann doch noch eine WG aufmachen, die sich dazu überwunden
Jörn: haben, da neu zu denken und genau das machen. Und ich bin auch...
Jörn: Eigentlich ganz optimistisch, dass die Boomer-Generation, die jetzt in Rente geht,
Jörn: dass die in ihrem Lebenslauf Erfahrungen eingesammelt hat, die jetzt das auch
Jörn: noch mal mehr machen, also wo das mehr sein wird.
Jörn: Und da sich ja auch sehr viele mit sehr vielen Dingen auseinandersetzen,
Jörn: wie will ich leben im Alter, wie will ich mich eigentlich verändern, was soll noch kommen,
Jörn: dass da manches aufgebrochen wird, da bin ich total optimistisch.
Jörn: Das Problem ist dann trotzdem die Starrheit des Marktes, die dann das nicht
Jörn: einfach so diese Möglichkeiten auch immer zulässt.
Jörn: Also es kommt ja dann auch immer noch auf die große Wohnung an.
Jörn: Wie ist die eigentlich geschnitten?
Jörn: Was kann man da eigentlich tun? Wie kann da eine WG leben?
Jörn: Weil es war ja eben mal eine Familienwohnung und wir hatten das ja mit dem Badezimmer schon.
Nicola: Genau. Und natürlich ist es glaube ich auch immer noch so, dass Vermieter lieber
Nicola: dann eben nicht an der WG, weil alle Vorurteile vielleicht auch jemand hat.
Nicola: Aber du hast bestimmt recht und neben der Stichwort Boomer wird es vielleicht
Nicola: auch eine gewisse Notwendigkeit geben,
Nicola: sich mehr mit neuen Wohnformen zu beschäftigen, weil es eben dann gar nicht
Nicola: möglich ist, auch alle einzeln in ihren einzelnen Häusern zu versorgen,
Nicola: sondern sich dann auch Versorgungsgemeinschaften ja vielleicht bilden.
Nicola: Also von daher teile ich deinen Optimismus gerne.
Nicola: Genau, Stichwort Optimismus. Wir haben einen kleinen,
Nicola: ich habe mir eine kleine Rubrik überlegt und zwar in deinem Fall eine gute Fee,
Nicola: die plötzlich hier in den Raum kommt und dir sagt, lieber Jörn,
Nicola: du hast nicht nur drei Wünsche frei, sondern auch drei Personen,
Nicola: an die du die richten könntest.
Nicola: Was würdest du dir wünschen und von wem?
Jörn: Also ich würde mir zuerst von der Sozialsenatorin Hamburgs wünschen, dass sie anerkennt,
Jörn: dass wir die Beseitigung von Wohn- und Obdachlosigkeit 2030,
Jörn: dass der vorhandene Plan dazu nicht reicht,
Jörn: sondern dass wir in einen anderen Rhythmus von Schecks und Aktivitäten geraten,
Jörn: sodass wir uns vielleicht alle 18 Monate überlegen, okay, was haben wir schon
Jörn: erreicht, was muss als nächstes folgen?
Jörn: Und da einen entsprechenden Plan aufsetzt, der auch immer wieder alle paar,
Jörn: ja mindestens einmal nach anderthalb Jahren eben überprüft wird,
Jörn: sind wir auf dem richtigen Weg, haben wir den Zielkorridor erreicht,
Jörn: haben wir ihn überschritten.
Jörn: Und da erkenne ich an, dass die Lage schwierig ist, aber ich möchte eben auch
Jörn: sehen, dass wir sie verbessern.
Jörn: Also das ist definitiv die erste Adresse. Die erste Adresse,
Jörn: Frau Sozial- und Senatorin.
Nicola: Mehr Austausch.
Jörn: Genau, also mehr Mut und mehr Planumsetzung und Plankontrolle,
Jörn: dass wir die Wohn- und Obdachlosigkeit 2030 auch wirklich beseitigen oder zumindest
Jörn: 2030 auf einem guten und besseren Weg sind.
Jörn: Als wir das heute sind. Das wäre auf jeden Fall der eine Wunsch.
Jörn: Ich würde mir von uns allen wünschen, dass wir anerkennen,
Jörn: was wir eine tolle Gesellschaftsform in Deutschland haben und dass das die stabilste
Jörn: und beste Form ist, Probleme zu beseitigen.
Jörn: Auch wenn sie vielfältig vorhanden sind und es nicht leicht ist,
Jörn: ist es aber nicht so, dass die Versprechen von irgendwelchen Menschen,
Jörn: die sagen, ich weiß, wie es geht, das muss nur dieses oder jenes passieren.
Jörn: Denn diese Menschen agieren immer darüber, dass sie Menschen von der Teilhabe
Jörn: ausschließen und dass sie für die keine Lösung haben.
Jörn: Und wenn man in die Geschichte zurückkommt, dann sehen wir, dass das irgendwann
Jörn: uns alle trifft, dass wir zu denjenigen sind, für die Dinge nicht gemacht werden.
Jörn: Und im gesellschaftlichen Austausch, also in der offenen Demokratie,
Jörn: werden wir auf jeden Fall bessere Lösungen finden. Und ich,
Jörn: Bedeutet, wir müssen uns alle einbringen, müssen unsere Wünsche definieren,
Jörn: artikulieren und dann wird es uns besser gehen.
Jörn: Ganz klar Appell an uns alle.
Nicola: An uns alle die demokratische Grundordnung nicht nur zu schätzen,
Nicola: sondern auch zu schützen und zu verteidigen gegen Angriffe, die es ja gibt.
Jörn: Genau und zu nutzen.
Nicola: Und zu nutzen. Genau.
Jörn: Und das Dritte ist, wir müssen, glaube ich, und da sind wir jetzt auf Bundesebene,
Jörn: ihr habt ja schon gesagt, wir brauchen 400.000 Wohnungen jedes Jahr.
Jörn: Das ist völlig klar, dass das nicht durch den Markt geregelt wird,
Jörn: sondern dass es da auch staatliche Aktivitäten geben muss.
Jörn: Das ist übrigens auch schon mal passiert in den 50er Jahren bis Mitte der 60er
Jörn: Jahre ist es gelungen in Deutschland in jedem Jahr 600.000 neue Wohnungen zu bauen.
Jörn: Insofern das geht und das war auch damals schon so, dass das nicht der Markt
Jörn: gemacht hat, sondern nur zum Teil.
Jörn: Sondern das war eben nach den Kriegsjahren eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe
Jörn: und ich glaube, da sind wir jetzt auch wieder und insofern geht an die Bundesbauministerin,
Jörn: da aktiv zu werden und da mehr zu tun.
Nicola: Ist registriert, dokumentiert. Wir werden alles tun, dass es weitergereicht
Nicola: wird und dann hoffentlich auch erfüllt wird, weil was eine gute Fee verspricht,
Nicola: soll ja auch mal irgendwann dann umgesetzt werden.
Nicola: Gut, wir kommen jetzt direkt ohne Übergang zum dritten Lernangebot,
Nicola: was nochmal ein ganz anderes Thema aufmacht, mit dem ihr aber auch zu tun habt,
Nicola: nämlich Digitalisierung.
Nicola: Und zwar geht es aber um Digitalisierung und Nachhaltigkeit,
Nicola: ein Angebot der TU Hamburg mit der Agentur Jöran & Konsorten.
Nicola: Und der Titel sagt das schon. Es geht um verschiedene Facetten des Zusammenspiels
Nicola: von Digitalisierung und Nachhaltigkeit.
Nicola: Wir wissen alle, dass Streaming-Dienste wie Netflix und Spotify einen erheblichen
Nicola: Energieverbrauch mit sich ziehen.
Nicola: Und von den neuen KI-Anwendungen wollen wir lieber gar nicht erst reden,
Nicola: weil wenn man sich die Zahlen da anguckt, wird einem eher schwindelig,
Nicola: was so eine Anfrage oder ein schickes Video, was man da mal eben die KI gestalten
Nicola: lässt, dann an Energieverbrauch mit sich zieht.
Nicola: Und in diesem Lernangebot wird allerdings nicht nur diese kritische Seite dargestellt,
Nicola: sondern auch, was man dagegen tun kann.
Nicola: Also auch eben wieder doch der optimistischere Blick, also wie kann man das
Nicola: denn eindämmen, was ich da an Energie verbrauche und wie auf anderem Wege die
Nicola: Digitalisierung eben auch helfen kann, den Energiebedarf zu drosseln.
Nicola: Das ist ja interessanterweise auch genau etwas, was ich bei euch gesehen habe.
Nicola: Also Digitalisierung hat ja auch für ein Projekt wie Hinz und Kunst,
Nicola: beziehungsweise für die Menschen, die damit zu tun haben, zwei Seiten.
Nicola: Also zum einen bedeutet es für die Verkäufer und Verkäuferinnen,
Nicola: wenn Printmagazine gar nicht mehr gelesen werden, dass sie mit einem Angebot
Nicola: auf der Straße stehen, was jüngere Menschen zunehmend gar nicht mehr betrifft.
Nicola: Brauchen, also für sich gar nicht mehr in Frage kommen.
Nicola: Das heißt, eigentlich müsste das Ganze digital sein und das seid ihr ja auch
Nicola: seit letztem Jahr. Es gibt ein digitales Angebot von Hinz und Grund.
Nicola: Auf der anderen Seite, ein weiterer Aspekt ist, das habe ich ja eben schon mal
Nicola: ganz zu Anfang angedeutet, die Who ist ja ein Lernangebot, was letztendlich
Nicola: allen Menschen zur Verfügung steht, aber irgendwie braucht man zumindest ein Gerät, um es,
Nicola: sozusagen dann aufrufen zu können und ein funktionierendes WLAN.
Nicola: Also auch da ist dann die Teilhabe, es gibt viele Orte, wo freies WLAN ist und
Nicola: auch Geräte, die man nutzen kann, aber es ist eben nicht unbegrenzt und das
Nicola: ist doch eine Frage, hinzu kommt
Nicola: ja auch noch die Kompetenz dann damit umzugehen, die man erlernen muss.
Nicola: Also das sind letztendlich alles Fragen, die negativ sind.
Nicola: Was ist denn für Hinz und Kunz der positive Aspekt der Digitalisierung?
Jörn: Also ich glaube, das ist ja schon klar geworden, ich bin ein optimistischer
Jörn: Mensch und die Digitalisierung bietet auch Chancen.
Jörn: Also die Umsetzung, die wir gerade in der Gesellschaft, gerade in der deutschen
Jörn: Gesellschaft machen, da läuft vieles nicht in die richtige Richtung.
Jörn: Wir neigen ja doch auch dazu,
Jörn: eher die Ängste und die Probleme hervorzuheben, aber wir schaffen es eben auch
Jörn: überhaupt nicht, eine digitale Kompetenz in der Gesellschaft aufzubauen.
Jörn: Ich habe mal irgendwo gelesen, dass im Vergleich der OECD-Länder Deutschland
Jörn: ganz, ganz hinten ist, wenn es um die digitale Kompetenz geht.
Jörn: Das ist definitiv ein Riesenproblem, weil das galt ja schon immer für Bildung.
Jörn: Für ungebildeten Menschen ist es viel leichter, Dinge zu erzählen,
Jörn: die einfach ein Mist sind.
Jörn: Und insofern mangelnde Digitalkompetenz bedeutet eben auch leichter,
Jörn: auf die Scheinwelten rechter und extremer Positionen reinzufallen.
Jörn: Das heißt, der Aufbau einer digitalen Kompetenz ist
Jörn: Total wichtig. Dafür haben wir ja auch eine Stelle bei uns geschaffen,
Jörn: eine Digitallotsin, die eben auch diese Kompetenz vermitteln soll.
Jörn: Das ist etwas, was es braucht.
Jörn: Wir brauchen natürlich bei den Menschen, die zu uns kommen, fehlt es auch an
Jörn: den Geräten. Das heißt, auch das ist ein Problem.
Jörn: Da sind wir dann auf Spenden angewiesen, Menschen, die uns ihre gebrauchten Smartphones schicken,
Jörn: weil Smartphones werden gebraucht, damit ich einen Termin im Amt bekomme,
Jörn: weil inzwischen steht man da vor verschlossenen Türen, wenn man nicht vorher
Jörn: digital einen Termin gemacht hat.
Jörn: Aber Digitalität kann eben auch neue Perspektiven eröffnen, kann,
Jörn: wenn man sie richtig ansetzt,
Jörn: ja auch dabei helfen, Probleme zu ermitteln und dann auch Lösungsansätze zu schaffen.
Jörn: Davon sind wir in Deutschland meilenweit entfernt.
Jörn: Menschen, die in Verantwortung bei Unternehmen, aber eben vor allen Dingen auch
Jörn: in der öffentlichen Verwaltung sind, die freuen sich darüber,
Jörn: dass es immer leichter wird, immer mehr Daten zu sammeln, machen immer kompliziertere Formulare.
Jörn: Da werden jede Menge Daten eingefragt, aber die Fragen sind nicht so,
Jörn: wie man das ja in der Digitalisierung machen könnte.
Jörn: Zu sagen, okay, wir brechen die runter, machen leichte Sprache und helfen auf
Jörn: diese Art und Weise beim Ausfüllen dieser Formulare.
Jörn: Die Formulare sind immer noch so, wie man sie vor 40 Jahren kennt.
Jörn: Sie sind jetzt nur digital und sie sind viel umfangreicher geworden.
Jörn: Das heißt, wir nutzen die Möglichkeiten gar nicht, die da aber sein könnten.
Jörn: Und auch in den Bearbeitungsprozessen ist es ja ein bisschen absurd.
Jörn: Also wenn ich heute einen Wohngeldantrag stelle, dann dauert das acht Monate,
Jörn: bis der fertig bearbeitet wird. Irre.
Jörn: Aber eigentlich ist es so, da hat ein Gesetzgeber festgelegt,
Jörn: wer hat einen Anspruch, wie sind die Kriterien dafür und dann fragt man sich,
Jörn: wenn alle Unterlagen da sind, also wenn der Mensch alle Unterlagen eingebracht
Jörn: hat, warum dauert es dann nicht 20 Minuten, bis der bewilligt wird.
Jörn: Wir fragen uns da die falschen Fragen als Gesellschaft.
Jörn: Da wird häufig darüber gesprochen, okay, da gibt es zu wenig Personal bei den Sachbearbeitern.
Jörn: Aber in Wirklichkeit, wenn man sich das mal durchrechnet, wie viel da angeblich
Jörn: fehlen, dann kommt man auf eine Bearbeitungszeitreduzierung auf sechs Monate.
Jörn: Aber die Frage ist wirklich, warum sind es nicht 20 Minuten?
Jörn: Ich persönlich habe das gerade erlebt, dass das geht, auch in Deutschland.
Jörn: Wir haben eine Wärmepumpe installiert und haben einen Förderantrag gestellt.
Jörn: Da hatte ich nach 20 Minuten meinen Bewilligungsbescheid und konnte dem Handwerker sagen, leg los.
Jörn: Warum ist das bei Wohngeld, bei Elterngeld, bei all diesen Anträgen nicht genauso?
Jörn: Wenn alles vorliegt, warum kommt dann nicht das Go?
Jörn: Und da sind wir meilenweit davon entfernt, die Digitalisierung im Sinne der Menschen zu nutzen.
Nicola: Warum? Was glaubst du, warum? Du hast gefragt, warum ist das so?
Nicola: Hast du eine These, warum das so sein könnte?
Jörn: Es gibt zwei Thesen. Ich hoffe, die erste These greift nicht,
Jörn: aber es könnte ja sein, lass uns die Anträge kompliziert machen,
Jörn: dann gibt es weniger, die erfolgreich die Anträge bewilligen.
Jörn: Das ist allerdings, wäre ein Skandal, wäre demokratisch auch überhaupt nicht
Jörn: zu rechtfertigen, weil wenn man entscheidet, dass Menschen anspruchsberechtigt sind,
Jörn: muss ihnen dieser Anspruch auch gewährt werden und zwar nicht durch Schikanen,
Jörn: sondern durch eine kompetente Beratung.
Jörn: Das andere ist, dass wir zu technikfeindlich denken.
Jörn: Und natürlich ist das auch für Menschen in Behörden schwierig wahrzunehmen,
Jörn: weil auch ihre Jobs werden andere sein.
Jörn: Und dann wird es Dinge geben, wo Dinge dann rationalisiert wird.
Jörn: Schlimmes Wort, aber das schafft ja
Jörn: auch immer Chancen, um neue Dinge zu organisieren, Dinge anders zu machen.
Jörn: Wir müssen uns, glaube ich, auf einen starken Wandel einstellen.
Jörn: Das wird sehr, sehr schwierig und für viele herausfordernd sein,
Jörn: aber man kann die Uhr nicht zurückdrehen.
Nicola: Also das heißt, du beobachtest einen Wandel, der aber eigentlich halbherzig ist.
Nicola: Also wenn man jetzt sagt, wenn man das nicht konsequent durchdekliniert,
Nicola: auch durch die ganzen Prozesse in so einer Behörde bei den Antragstellern,
Nicola: dann liegt es, also ich würde auch eher sagen, Das ist vielleicht,
Nicola: also ich hoffe nicht, dass so ein Bewusstsein dahinter steht, deine These 1,
Nicola: sondern dass es tatsächlich so eine nicht durchdachte Digitalisierung ist,
Nicola: sondern dass man irgendwo hinten anfängt vielleicht eben bei den Formularen
Nicola: und nicht dann die notwendigen Prozesse oder auch nochmal in Frage stellt,
Nicola: welche Daten werden eigentlich erhoben, weil Datenarmut ist ja auch letztendlich
Nicola: eine grundsätzliche Strategie,
Nicola: nachhaltig in Digitalisierung umzugehen, dass man erst gar nicht so viele Daten
Nicola: erfasst, die dann ja auch immer wieder bearbeitet werden müssen.
Nicola: In dem Angebot geht es ja auch darum, so zu schauen, wie kann man denn weniger Energie verbrauchen.
Nicola: Also es ist ja wirklich ganz konkret auch, die Server verbrauchen wahnsinnig
Nicola: viel Energie, gerade eben die KI-Server.
Nicola: Und ich habe ja eben gesagt, ich mache mir selber, kann ich auch ganz auf mich
Nicola: beziehen, nicht immer Gedanken, wie viel KI kann.
Nicola: An jetzt letztendlich auch Energie verbraucht, wenn ich sie nutze.
Nicola: Gleichzeitig aber, wenn ich ein Flugzeug buchen würde, würde ich mir sehr viel
Nicola: Gedanken darüber machen.
Nicola: Also es gibt eine Flugscham, aber noch keinen KI-Scharme.
Nicola: Was müsste denn passieren, dass wir da mehr Bewusstsein haben?
Nicola: Weil das ist ja letztendlich auch der erste Schritt, damit sich was ändern könnte.
Jörn: Ich glaube, jeder, der sich damit beschäftigt, ist auf dem richtigen Weg.
Jörn: Ich muss auch für mich feststellen, dass ich zu selten darüber nachdenke und auch nicht weiß.
Jörn: Deswegen habe ich mir dieses Angebot ausgesucht, weil ich an die Digitalisierung glaube.
Jörn: Ich sehe das Problem und wüsste gerne, wie man es besser machen kann und wie man damit umgeht.
Jörn: Das heißt, es wird bestimmt auf ein bewusstes Handeln hinauslaufen,
Jörn: wie man es eben auch bei Flugreisen oder bei Joghurtbechern macht.
Jörn: Die kleine Maßnahme, die zählt eben.
Jörn: Und manche Dinge sind eben dann doch besser, man liest sie bei Wikipedia nach,
Jörn: als dass man sich auf die Google-KI-Antwort lässt.
Jörn: Das ist ja auch etwas, was wir sowieso lernen müssen, weil die Antwort,
Jörn: die da dann KI erzeugt, die muss ja noch nicht mal gut sein,
Jörn: sondern die ist einfach nur schnell,
Jörn: sie ist umfangreich und glaubwürdig formuliert, Aber es gibt überhaupt gar keine Garantie,
Jörn: dass sie alle Aspekte berührt,
Jörn: weil KI ist ja heute noch eher eine Nutzung von Datenmengen und dann ein Zusammenaddieren von Daten.
Jörn: Von Schlüssen und da wird sozusagen das kreative Moment,
Jörn: das besondere Ereignis wird gar nicht wahrgenommen, weil es nicht oft genug
Jörn: vorkommt, aber gerade dieses besondere Ereignis könnte in einer Antwort ja sozusagen
Jörn: der Kick sein, der Move sein,
Jörn: der die Dinge wirklich verändert.
Jörn: Also insofern gehört ja sowieso eine erhebliche Skepsis dazu.
Jörn: Was antwortet mir da eigentlich KI?
Jörn: Genau, ich muss mich offensichtlich irgendwie orientieren.
Jörn: Ich habe da aber auch noch keinen guten Umgang zu. Ich habe keine Antworten.
Nicola: Ja, aber Antworten habt ihr ja schon zumindest erste gefunden mit der Umstellung
Nicola: auf ein digitales Angebot und da fand ich auch nochmal interessant,
Nicola: weil alle Medien, die ich beobachte,
Nicola: strugglen ja auch damit, mit der Digitalisierung beziehungsweise mit den einhergehenden
Nicola: Verhaltensweisen der Menschen, würde ich eher sagen, weil die Digitalisierung
Nicola: an sich ist ja vielleicht nicht das Problem,
Nicola: sondern dass sich auch Nutzungsweisen verändern, dass Menschen eben eigentlich
Nicola: auch gar keine oder weniger Texte lesen mögen, auf die ja euer Magazin immer noch sehr baut.
Nicola: Wie schaust du denn da auch in eure Zukunft als Magazin, das ja schon sehr darauf
Nicola: angelegt ist, jetzt erstmal über Texte zu funktionieren?
Jörn: Genau, das ist schon etwas, was uns sehr beschäftigt.
Jörn: Ich gucke vor allen Dingen immer auf die Menschen, die jünger als 35 sind.
Jörn: Die besuchen uns ja tatsächlich zahlreich. Wir haben Angebote für Oberstufenklassen.
Jörn: Wir haben Angebote oder unsere Stadtrundgänge werden sehr gebucht,
Jörn: auch von Bundesfreiwilligendienstgruppen.
Jörn: Das heißt, es kommen sehr viele junge Leute zu uns und die frage ich dann manchmal
Jörn: auch, wenn ich auch in diese Vorträge mit reingehe, wer denn wie Medien konsumiert.
Jörn: Und da ist die gedruckte Zeitung tot.
Jörn: Also die gibt es vielleicht noch als Special-Interest-Angebot,
Jörn: irgendwelche Motorsport-Zeitungen oder so.
Jörn: Oder eben, keine Ahnung, egal, also andere Special-Interest-Geschichten.
Jörn: Das heißt, das gedruckte Medium ist da tot. Die Menschen sind gut informiert.
Jörn: Sie konsumieren eben über Social Media, über Internetangebote,
Jörn: konsumieren sie Inhalte.
Jörn: Im Übrigen trifft das ja nicht nur die gedruckten Angebote, sondern in diesen
Jörn: Altersgruppen sind ja auch Radio und TV inzwischen ersetzt. Die Menschen gucken
Jörn: ja keine, die gucken über YouTube, kurze Filme.
Jörn: Das heißt, da verändert sich wahnsinnig viel und wir überlegen natürlich auch,
Jörn: wir müssen offensichtlich auch in die Kanäle rein.
Jörn: Wir müssen Antworten finden, wie unsere Inhalte aussehen.
Jörn: Auch in den Social Media dargestellt wird, wie unsere Angebote eben digital
Jörn: über die heute vorhandenen Geräte möglich sind.
Jörn: Das ist etwas, der Wandel ist auf jeden Fall da, aber es ist natürlich auch
Jörn: so, dass wir dann versuchen auch Inhalte anderes darzustellen.
Jörn: Wir haben neulich einen kleinen Videoschnipsel produziert, den wir dann über
Jörn: Instagram gezeigt haben.
Jörn: Den haben 300, da habe ich gesprochen über die Situation auf der Straße,
Jörn: den haben 350.000 Menschen geschaut.
Nicola: Wahnsinn, mir ist ja auch aufgefallen.
Jörn: Das ist natürlich irre und das ist im Prinzip auch, erstens können wir das steuern.
Jörn: Da sind wir, wenn ich dann mal 15 Sekunden beim NDR was in einem Kurzbeitrag sagen kann,
Jörn: dann hat das häufig nicht die Reichweiten, weil Fernsehen das eben auch nur
Jörn: noch partiell überhaupt schaffen kann bei bestimmten Ereignissen so große Reichweiten.
Jörn: Wir sind immer regional unterwegs, da sind die Reichweiten ja eh kleiner.
Jörn: Das heißt, da steckt eine Chance drin und natürlich auch eine Riesenherausforderung
Jörn: und wir müssen eben gucken, wie wir damit umgehen und gleichzeitig werden wir
Jörn: aber natürlich diejenigen, die unsere Zeitung kaufen, auch das gedruckte Medium haben wollen.
Jörn: Das wird es dann auch noch bestimmt lange weitergeben.
Jörn: Aber wir sind da in einem riesen Umwandlungsprozess.
Jörn: Und darüber müssen wir uns klar werden, was bedeutet das für die verschiedenen Dinge.
Jörn: Wir sind ja zweierlei. Wir wollen unseren Verkäufern ein Produkt geben,
Jörn: das sie verkaufen können, damit sie ihren Weg gehen können.
Jörn: Und gleichzeitig wollen wir eben als Stimme wahrgenommen werden.
Jörn: Und das heißt, wir müssen auch da sprechen, wo die Leute hinhören.
Jörn: Und das heißt, wir sind auch auf den Social-Media-Kanälen unterwegs und müssen
Jörn: gucken, wie wir beide Sachen auch wieder zusammenkriegen.
Jörn: Dass wir ein Angebot haben, was wir kommerziell verwerten können,
Jörn: also unsere Verkäufer und Verkäuferinnen verkaufen können und gleichzeitig eben
Jörn: auch von vielen Leuten wahrgenommen wird.
Nicola: Und dabei eben der Kontakt, was du zu Anfang gesagt hast, auch noch bestehen
Nicola: bleibt, also dass nicht jemand hinter dem Computer sitzt und irgendwelche Bestellungen entgegen nimmt,
Nicola: sondern tatsächlich, das habt ihr im Augenblick ja durch eine Art QR-Code,
Nicola: den die Verkäufer dann den Interessierten quasi hinhalten können,
Nicola: also das Smartphone und damit eben auch noch die Zeitung verkaufen können.
Jörn: Genau, das Wichtige ist ja, das haben wir so ein bisschen ausgeblendet, das machen wir ja schon.
Jörn: Über ein Jahr, dass es eben auch ein digitales Bezahl-Tool gibt.
Jörn: Also immer weniger Leute haben Bargeld in der Tasche und wir haben ein Tool
Jörn: geschaffen, wo die Leute die Zeitungen bei unseren Verkäufern digital bezahlen können.
Jörn: Das machen die Leute auf ihrem eigenen Handy. Da kauft man quasi eine Zeitung
Jörn: und wenn man den Kauf abgeschlossen hat, das Geld bei uns angekommen ist,
Jörn: dann hält man dem Verkäufer einen grünen Haken hin und dann weiß er,
Jörn: alles klar, jetzt gebe ich das gedruckte Produkt rüber und er selber kann dann
Jörn: zu uns kommen und da das Geld abholen oder eben neue Zeitungen kaufen.
Jörn: Das sind ja auch so Dinge, die sich verändern.
Jörn: Da gab es in Corona einen großen Schub. Also sehr viele haben Bargeld abgeschafft.
Jörn: Jetzt würde ich sagen, stagniert das oder der Wandel ist deutlich langsamer.
Jörn: Es gibt ja Länder, die haben den Wandel abgeschlossen. In Skandinavien ist jeder,
Jörn: der mit Bargeld zahlen will, steht unter dem Verdacht, eine Bank ausgeräumt zu haben.
Jörn: Das ist ja bei uns noch überhaupt nicht so. Aber für unsere Verkäufer immer
Jörn: häufiger ein Problem. Nee, Bargeld habe ich gar nicht mehr.
Nicola: Ja.
Nicola: Klar, wird jeder von sich kennen. Ja, wir kommen schon zum Ende.
Nicola: Also ich finde es total spannend. Auch muss gestehen, ich dachte immer,
Nicola: ich kenne ja viel von Hinz und Kunst, habe mich jetzt in der Vorbereitung dann
Nicola: doch nochmal intensiver damit beschäftigt und auch gelesen, dass ihr ja tatsächlich
Nicola: euch komplett aus Spenden finanziert.
Nicola: Und das ist ja auch ein vages Geschäft in dem Sinne, dass man Spenden nicht
Nicola: so richtig steuern kann wie eine Zusage von staatlichen Geldern,
Nicola: die auch nicht unendlich ist und auch natürlich Schwankungen unterliegt.
Nicola: Aber was kann man denn jetzt tun, wenn man so wie ich denkt,
Nicola: was für ein tolles Projekt und die würde ich doch gerne unterstützen.
Nicola: Also an welchen Stellen macht ihr Angebote?
Nicola: Ich fand auch sehr interessant diese Stadtrundengänge. Vielleicht kannst du
Nicola: da noch einen Satz zu sagen, weil das vielleicht auch für viele Menschen in
Nicola: Hamburg noch gar nicht bekannt ist.
Nicola: Und was könnte man sonst noch machen, um euch, euer Projekt,
Nicola: eure Arbeit zu unterstützen?
Jörn: Also in der Tat, Spenden hilft immer. Wir haben auf unserer Homepage hinzunkunst.de,
Jörn: Ein Spendenformular, das ist ganz einfach.
Jörn: Dann kann man in der Tat, man kann den Stadtrundgang buchen.
Jörn: Das tut man auch über unsere Homepage.
Jörn: Den gibt es auch als offenen Rundgang.
Jörn: Das heißt, man muss nicht eine ganze Gruppe stellen, sondern man kann da einzeln hingehen.
Jörn: Da haben wir ein Angebot an Sonntagen, da kann man sich anmelden oder man kann
Jörn: auch sagen, alles klar, wir machen dieses Jahr mal eine andere Weihnachtsfeier oder Betriebsausflug.
Jörn: Wir buchen uns da einen Stadtrundgang, gehen dann erst mit Chris oder Uwe an Orten,
Jörn: wo sich Obdachlose aufhalten und man lässt sich das Leben auf der Straße erklären
Jörn: und kann ja dann anschließend immer noch zusammen irgendwo essen gehen.
Jörn: Das kann man auch auf unserer Homepage buchen.
Jörn: Und wenn man sich einbringen will, das ist schon auch ein Thema für uns,
Jörn: dann gibt es auch so ein paar Tätigkeiten im Bereich der Ehrenamtlichkeit.
Jörn: Da kann man sich an uns wenden und dann vielleicht sogar das ein oder andere einbringen.
Jörn: Mitmachen.
Nicola: Gut, also es gibt gar keine Möglichkeit euch nicht zu unterstützen.
Nicola: Man kann auch die einzelnen Verkäuferinnen und Verkäufer natürlich immer wieder unterstützen.
Nicola: Vielleicht auch einfach doch
Nicola: nochmal ein bisschen Bargeld in die Tasche nehmen, wenn man unterwegs ist.
Nicola: Auch für die Menschen, die in den U-Bahnen gerade unterwegs sind oder in den Bussen.
Nicola: Und sich einfach auch mal auf die Seite nochmal rumschauen, was ihr alles macht.
Nicola: Ein Newsletter gibt es auch, habe ich gesehen.
Jörn: Und die Zeitung ist auch spannend und man kann Und unbedingt muss man sie kaufen,
Jörn: nicht nur dem Verkäufer Geld geben, sondern man muss sie kaufen und mal reinschauen.
Nicola: Genau, weil dort gibt es viel über Hamburg und das ist ja tatsächlich auch,
Nicola: wir haben ja gar nicht so viele tolle lokale Medienangebote,
Nicola: muss man mal sagen, in dieser Medienstadt.
Nicola: Und da ist Hins und Kunst ja seit, wie wir anfangs gesagt haben,
Nicola: 93 ein wichtiger Baustein, der auch über kulturelle Themen, auch da kommen wir
Nicola: wieder zum Anfang berichtet.
Nicola: Ja, Johann, möchtest du noch irgendwas loswerden, was ich dich nicht gefragt habe?
Nicola: Ansonsten würde ich sagen, sind wir am Ende des Gesprächs schon angelangt.
Jörn: Ja, danke sagen, dass ich hier so viel Zeit bekommen habe und ein so großes
Jörn: Fenster habe und über unser Projekt sprechen durfte.
Nicola: Ja, sehr gerne. Ich danke dir und danke allen, die bis hierhin uns gefolgt sind und zugehört haben.
Nicola: Und hoffe, dass ihr auch an den weiteren Folgen nochmal interessiert seid.
Nicola: Michel Abdullahi ist auch ein spannendes Gespräch, das Christian,
Nicola: mein Co-Host, geführt hat.
Nicola: Jetzt im Februar ist die Folge erschienen oder die Folgen, die wir im letzten Jahr gemacht haben.
Nicola: Hört gerne mal rein, abonniert unseren Podcast, dann werdet ihr keine Folge mehr verpassen.
Nicola: Vielen Dank und bis zur nächsten Folge.
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