Selina Storm

Shownotes

Hamburg, das ist heute: Selina Storm. Seit Sommer 2025 ist sie Mitglied der Hamburger Bürgerschaft und Co-Landesvorsitzende der GRÜNEN in Hamburg. Sie ist auch: promovierte Physikerin, die sich mit Teilchenbeschleunigern auskennt und am DESY in Hamburg geforscht hat. Im Gespräch mit Christian Friedrich spricht sie über ihren Weg in die Wissenschaft und über ihren Weg in die Politik.

Sie hat sich Lernangebote der Hamburg Open Open University herausgesucht, die viel über sie und ihre Wege verraten: Es geht um ein fikitves Klimaparlament, um ein Planspiel zur Förderung der Team-Zusammenarbeit und darum, wie Nanotechnologie Stahlbrücken retten kann.

Shownotes

Selina Storm (GRÜNE Hamburg)

Selina Storm (Bürgerschaft)

Selina Storm (LinkedIn)

Selina Storm (Instragram)

Selina Storm: Bewerbung Listenplatz Bürgerschaftswahl

DESY

Beschleuniger wie PETRA III und PETRA IV am DESY

Gluon

HOOU Lernangebot: Studieren mit psychischen Erkrankungen

Arbeiterkind.de

Verein zur Förderung politischen Handelns

BATNA (Wikipedia)

Alkali-Kieselsäure-Reaktion aka Betonkrebs (Wikipedia)

Welttag des Buches

Momo, Michael Ende (Wikipedia)

Momo, Michael Ende (thienemann Verlage)

Alle Zeit – Eine Frage von Macht und Freiheit, Teresa Bücker (ULLSTEIN)

Lernangebote

Klimaparlament

Cooperate

Wissenschaft kurz erklärt: Nano saves Makro

Weitere Podcast-Folgen

Alexander Porschke spricht über Umweltpolitik in Hamburg und die Entstehung der GRÜNEN in Hamburg

Karla Paul spricht über Engagement, Politik und Literatur

Michel Abdollahi spricht darüber, wie er gegen die Extreme Rechte eintritt

Foto Selina Storm: Henning Angerer/GRÜNE Hamburg

Credits

Moderation: Nicola Wessinghage und Christian Friedrich

Musik: Jakob Kopczynski

Produktion: Christian Friedrich

Die Angebote zum Selbstlernen auf der Online-Plattform der Hamburg Open Online University stehen allen Interessierten frei zur Verfügung.

Um unsere Lernangebote zu nutzen, brauchst du weder zu studieren noch bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen. Schau einfach online vorbei. Unsere Internetadresse ist www.hoou.de

Feedback, Anregungen und Kommentare zum Podcast erreichen uns per E-Mail unter waswillstduwissen@haw-hamburg.de

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Selina: Und gleichzeitig habe ich eine sehr hohe Identifikation mit Wissenschaft insgesamt.

Selina: Es begeistert mich nach wie vor.

Selina: Und ich glaube, zu sagen, ich mache jetzt nur noch Politik, das war eine der

Selina: schwersten Entscheidungen in meinem Leben, weil ich wirklich sehr,

Selina: sehr gerne auch in der Physik und insbesondere in dem Team am DESY gearbeitet habe.

Christian: Herzlich willkommen zu Hamburg, was willst du wissen? Dem Podcast der Hamburg

Christian: Open Online University, kurz HOOU.

Christian: Wir sprechen hier mit Menschen aus der Stadt darüber, was sie gelernt haben,

Christian: wie sie gelernt haben, Darüber, was sie noch lernen möchten oder auch schon gern gelernt hätten.

Christian: Und wir versuchen dabei auch etwas von ihnen zu lernen. Mein Name ist Christian

Christian: Friedrich und Hamburg, das ist heute Dr.

Christian: Selina Storm, seit 2025 Co-Landesvorsitzende der Grünen Hamburg,

Christian: promovierte Physikerin und Sprecherin für Wissenschaftspolitik und öffentliche

Christian: Unternehmen in der Hamburger Bürgerschaft. Herzlich willkommen, Selina. Hi.

Selina: Hallo.

Christian: Du stammst aus dem Norden, bist seit gut fünf Jahren wieder hier in Hamburg,

Christian: hast ja schon vorher eine Zwischenstation, bist Physikerin in der Politik,

Christian: da erspare ich mir jeden Witz.

Christian: Du bist als Erste in deiner Familie an die Uni gegangen, um zu studieren und

Christian: das Physikstudium ist irgendwie auch bekannt für so eine gewisse Härte.

Christian: Also da gibt es, glaube ich, durchaus eine Abbruchquote.

Selina: Auf jeden Fall.

Christian: Und auch einen ziemlich großen Männerüberschuss. Wie blickst du heute auf die

Christian: Zeit, so seit dem Großwerden an der Schlei, wenn du so zurückblickst,

Christian: keine Ahnung, wann entscheidet man sich fürs Physikstudium Irgendwann in den

Christian: Teenagerjahren wahrscheinlich.

Christian: Bis heute. Also wie blickst du so auf die letzten 20 Jahre?

Selina: Also mir war relativ früh klar, dass ich Physikerin werden wollte,

Selina: so mit 16 in etwa, wo ich begeistert war vom Sternenhimmel und wollte unbedingt

Selina: Astrophysik studieren.

Selina: Zu verstehen, was ist das, was die Welt im Innersten zusammenhält.

Selina: Von einer naturwissenschaftlichen Perspektive aus gesehen.

Selina: Und bin dann in die nächstgelegene Uni gegangen. In Kiel, wie das oft so ist

Selina: bei Nicht-Akademiker-Kindern, da guckt man jetzt nicht, welche Uni hat das größte Renommee oder sondern….

Christian: Geht man nicht nach Heidelberg.

Selina: Oder sonst wo, ich weiß gar nicht.

Christian: Wo die Physik stärk ist.

Selina: Ja, also aus meiner Perspektive würde ich im Rückblick auch sagen,

Selina: es ist relativ egal, wo man im Grundstudium anfängt.

Selina: Und wir waren die erste Generation Bachelor, Master.

Selina: Das war nochmal eine besondere Herausforderung, ein besonderer Druck auch,

Selina: auch weil wir viel, viel mehr Prüfungen hatten als die Diplomstudiengänge vorher.

Selina: Und ja, es war wirklich eine harte Zeit. Also wenn ich zurückblicke,

Selina: dann war es die anstrengendste Zeit in meinem Leben, weil ich ein sehr anspruchsvolles Studium hatte.

Selina: Am Anfang hatte ich noch die wahnwitzige Idee, ich könnte noch Philosophie dazu studieren.

Selina: Das hat nicht besonders gut geklappt. Also zwei, drei Vorlesungen,

Selina: Seminare besucht, aber es war relativ schnell absehbar, dass das keine Chance hat.

Selina: Und ich hatte dann am Anfang drei Jobs nebenbei.

Selina: Mein Vater war selbstständig, hat schwankende Einkünfte gehabt und entsprechend

Selina: war auch das BAföG, das ich bekam, sehr schwankend.

Selina: Und nebenbei habe ich schon...

Selina: In der Politik mich obrum getrieben, war damals Sprechmann der Landesarbeitsgemeinschaft

Selina: Bildung in Schleswig-Holstein und auch schon Mitglied im Parteirat.

Selina: Also das war ein ziemlich volles Programm.

Christian: Klingt nach 20-Stunden-Tagen so ein bisschen.

Selina: Ja, so in die Richtung.

Christian: Wie soll ich sagen, ich hole mal alle Klischees raus, die ich über so ein Physikstudium habe.

Christian: Meine Vorstellung ist irgendwie erster Tag Uni, ganz viele karierte Hemden und

Christian: so Druckbleistifte in Brusttaschen.

Christian: Ich kann so ein bisschen, glaube ich, nachempfinden, also vieles ist unterschiedlich,

Christian: ich habe etwas ganz anderes studiert, aber ich war jetzt auch nicht irgendwie

Christian: akademisch sozialisiert und ich hatte gerade zu Beginn meines Studiums,

Christian: auch nach so einer ersten Zeit im Beruf, nicht so das Gefühl, hier gehöre ich hin.

Christian: Wie war denn das bei dir ab? Wann hattest du das Gefühl, weil wenn man promoviert

Christian: in der Disziplin, irgendwann hast du ja das Gefühl gehabt, hier gehöre ich hin.

Selina: Ne, nicht wirklich. Also das ist glaube ich schon ein konstantes Gefühl von,

Selina: ich gehöre eigentlich nicht hin, ich verstehe die Logik des Systems nicht so

Selina: richtig, eine gewisse Unsicherheit, das ist schon etwas, was mich sehr begleitet hat.

Selina: Und nein, die Kalitenhemden gab es in Einzelfällen schon, aber nicht in der großen Mehrheit.

Selina: Und ich glaube, wir sind mit 57 Leuten damals angefangen im Bachelorstudium.

Selina: Und ja, die Abbruchquote war gigantisch. Wir waren, ich glaube,

Selina: am Ende zwölf Leute, die es in Regel Studienzeit, den Bachelor geschafft haben.

Selina: Und das Spannende war, also von den 57 waren irgendwie sechs Frauen.

Selina: Und fünf Frauen haben es dann tatsächlich geschafft. Also diejenigen,

Selina: die sich dafür entschieden haben, die haben es dann in der Regel auch durchgezogen.

Christian: Mhm.

Christian: Und wo würdest du denn Hürden identifizieren, die vielleicht so einer Akademikerin

Christian: in der dritten Generation gar nicht so richtig auffallen?

Christian: Also glaubst du daher kommt das oder glaubst du daher, dass du als Frau in der

Christian: Physik warst, das ist eine Kombination aus beiden?

Christian: Also wo würdest du sagen, wo gibt es vielleicht Hürden im Wissenschaftsbetrieb,

Christian: die vielleicht, keine Ahnung, Christian nicht wahrnimmt oder Selina mit in der

Christian: dritten Generation AkademikerInnen-Eltern?

Selina: Also der Aspekt Akademikerinnen und Eltern ist, glaube ich, eine gewisse Selbstverständlichkeit.

Selina: Das Gefühl, man gehört dahin und versteht, okay, ich kann zu einem Professor

Selina: hingehen, ich kann da relativ schnell nach Jobs suchen und das kann natürlich

Selina: auch vorteilhaft sein, wenn man irgendwie vorankommen will.

Christian: Genau.

Selina: Wenn man vorankommen will in der Karriere,

Selina: also diese Berührungsängste zu Professoren oder Doktoren ist glaube ich etwas,

Selina: was man am Anfang erstmal überwinden muss, wenn man sonst eigentlich niemanden

Selina: kennt, der, das ist man schon,

Selina: großen Respekt auch hat vor dem Titel und wenn man dann durch die Klausur gefallen

Selina: ist und die Möglichkeit zum Beispiel Einsichtnahme in die Klausuren, dass es die gibt,

Selina: Da keine so große Scheu zu haben und da hinzugehen oder Sachen in Frage zu stellen.

Selina: Also das ist mir schon sehr schwer gefallen.

Selina: Die Frau im Studium zu sein war in der Hinsicht nicht ganz einfach,

Selina: weil man schon blöde Witze teilweise überhören musste.

Selina: Aber sonst von den Professorinnen her, oder es waren ja fast ausschließlich

Selina: Professorinnen, muss man sagen, wir hatten eine Professorin überhaupt,

Selina: da hatte ich nicht den Eindruck, dass ich benachteiligt worden wäre in irgendeiner Form.

Selina: Und im Gegenteil, als ich irgendwann das ganze Studium infrage gestellt habe,

Selina: hatte ich das Glück, auf einen Professor zu treffen, bei dem ich die Bachelorarbeit

Selina: dann geschrieben habe, der mich sehr ermutigt hat und mir dann auch einen Job

Selina: angeboten hat im Anschluss.

Selina: Und dem bin ich bis heute sehr, sehr dankbar, dass er mir diese Chance gegeben hat damals.

Selina: Das war essentiell wichtig, sonst hätte ich wahrscheinlich aufgehört nach dem Bachelorstudium.

Christian: Das hast du, glaube ich, irgendwo, ich habe das von dir gelesen als Zitat,

Christian: dass du es, glaube ich, deswegen abgeschlossen hättest, so in der Form,

Christian: wie du es abgeschlossen hast und auch durchgezogen hast, wie du es hast,

Christian: weil du eben den einen Mentor, die eine Mentorin hattest.

Christian: Du hast glaube ich auch, als du dich beworben hast für den Listenplatz,

Christian: da gibt es ja das Video auch von dir, wie du deine fünf Argumente präsentierst

Christian: und da war das glaube ich auch ein Thema für dich.

Christian: Also dass du da sozusagen von dieser Halbaußenperspektive auf Wissenschaft blickst,

Christian: macht ja auch was mit der Art und Weise, wie du dann Politik in dem Kontext

Christian: machst wahrscheinlich.

Selina: Ja, also ich glaube, da hilft es, eine gewisse Distanz zu haben zu der Wissenschaft

Selina: und auch bestimmte Dinge in Frage zu stellen.

Selina: Und gleichzeitig habe ich eine sehr hohe Identifikation mit Wissenschaft insgesamt.

Selina: Es begeistert mich nach wie vor und ich glaube, zu sagen, ich mache jetzt nur

Selina: noch Politik, das war eine der schwersten Entscheidungen in meinem Leben,

Selina: weil ich wirklich sehr, sehr gerne auch in der Physik und insbesondere in dem

Selina: Team am DESY gearbeitet habe.

Christian: Lass uns vielleicht mal zum DESY kommen, wenn ich darf. Ich verstehe schon,

Christian: du pausierst das und besprichst nicht fürs DESY.

Christian: Ich glaube, man muss da immer so ein paar Sternchen dran machen wahrscheinlich.

Christian: Auf jeden Fall. So nehme ich es zumindest an. Wir haben vorher gar nicht drüber gesprochen.

Christian: Ich bin selber irgendwann siebte Klasse in Physik ausgestiegen.

Christian: Ich schiebe es natürlich auf den Lehrer, aber du wirst ja wahrscheinlich regelmäßig

Christian: gefragt oder bist regelmäßig gefragt worden, ah DESY, Teilchenbeschleuniger, erklär mal kurz.

Christian: Ich habe schon in der Vorbereitung für dieses Gespräch mehr davon verstanden,

Christian: als ich je vorher verstanden habe.

Christian: Aber könntest du meinem Siebtklässler ich irgendwie versuchen zu erklären,

Christian: was beim DESY los ist und was ein Teilchenbeschleuniger macht?

Christian: Also was Petra 3 von Petra 4 unterscheidet?

Christian: Oder sind wir da auf einem Nerd-Level, wo du sagen würdest, nee,

Christian: da brauchen wir jetzt irgendwie länger, brauchen wir eine halbe Stunde für?

Selina: Ich kann es versuchen in ein paar Worte zu skizzieren. Die Frage wurde mir natürlich oft gestellt.

Selina: Also DESY hat eine Historie als Teilchenbeschleuniger. Und das ist wirklich

Selina: ziemlich abgefahren in Physik.

Selina: Und man hat das Ding gebaut, um Teilchen zu entdecken, was man heute vor allen Dingen am CERN tut.

Selina: Man hat aber tatsächlich ein ganz wesentliches Elementarteilchen hier am DESY

Selina: gefunden, das sogenannte Gluon.

Selina: Und der einzige Grund, warum es keinen Nobelpreis dafür gegeben hat,

Selina: war, dass es vier beteiligte Wissenschaftlerinnen gab und den Nobelpreis wird

Selina: nur an drei WissenschaftlerInnen verteilt.

Selina: In dem Fall waren es vier Herren, die sich nicht einigen konnten und entsprechend

Selina: gab es dann keinen Nobelpreis nach Hamburg.

Selina: Okay.

Selina: Können wir nutzen für alle Arten von wissenschaftlichen Experimenten.

Selina: Das fängt bei der Biologie an, geht weiter über die Chemie, zum Beispiel bei

Selina: der Suche nach neuen Katalysatoren.

Selina: Es geht um die Erforschung von Batterien, von Materialien und PETRA 3,

Selina: so heißt Das steht jetzt eben für Positron-Elektron-Tandem-Ringanlage.

Selina: Bei der Gründung damals, ungefähr 2009 sind die in Betrieb gegangen,

Selina: war die weltbeste Anlage.

Selina: Nun ist es so, dass diesen hochintensiven Röntgenstrahl zu produzieren,

Selina: ist relativ kompliziert.

Selina: Und es gibt eine bestimmte Magnetstruktur, die das ermöglicht,

Selina: innerhalb dieses Rings, indem wir die Teilchen beschleunigen.

Selina: Und da gab es jetzt in den letzten Jahren eine kleine Revolution.

Selina: Man hat ein neues Magnet-Design-Pattern gefunden oder erforscht,

Selina: mit dem man einen sehr viel intensiveren Röntgenstrahl produzieren kann.

Selina: Und alle großen Quellen weltweit, also am Diamond zum Beispiel,

Selina: wo ich früher mitgearbeitet habe.

Selina: An der European Synchronous Radiation Facility in Grenoble und wirklich allen

Selina: großen Anlagen weltweit, haben sie entweder diese Struktur, diese neue Struktur

Selina: bereits implementiert und haben dadurch eine sehr viel bessere Röntgenquelle.

Selina: Oder planen das. Und dieses Upgrade von Petra 3 zu Petra 4 ist eben das,

Selina: was wir jetzt hier in Hamburg machen wollen.

Selina: Ich war da stellvertretend verantwortlich für die Planung der Experimente und

Selina: Ziel ist es jetzt möglichst schnell das umzusetzen, wobei möglichst schnell relativ ist.

Selina: Also wenn wir schaffen jetzt 2026, Ende 2026 hoffentlich das Go zu kriegen vom Bundesministerium,

Selina: dann kann dieses Upgrade erfolgen und wir hätten dann die ersten Experimente

Selina: wahrscheinlich Ende 2032.

Christian: Okay, ich komme auch gleich sozusagen zu deinem heutigen Ich zurück.

Christian: Ich fand es einerseits deswegen interessant, weil ich glaube,

Christian: gar nicht allen klar ist in Hamburg, was im DESY so drinsteckt.

Christian: Also ich weiß nicht, wie deine Erfahrung da ist. Du hast ja jetzt auch sozusagen

Christian: da wieder eine Außenperspektive.

Christian: Und zum anderen, du bist ja nun eine, die Wissenschaft irgendwie sehr versteht,

Christian: die auch einfach aus dieser Prägung, aus der Biografie heraus,

Christian: glaube ich, auch eine bestimmte Lernkurve hatte, was so Wissenschaft angeht.

Christian: Ah, okay, ich kann Profs ansprechen.

Christian: Ah, okay, hier werden Witze gemacht. Die muss ich jetzt vielleicht einfach überhören

Christian: und irgendwie das machen.

Christian: Kann auch sein, dass man das heute vielleicht anders machen würde.

Christian: Und jetzt machst du ja Wissenschaftspolitik.

Christian: Jetzt weiß ich gar nicht, wer sonst so in der Bürgerschaft irgendwie auch noch

Christian: Wissenschaftspolitik macht. Aber mein Gefühl ist, dass da nicht so viele Leute

Christian: dabei sind, die diesen Wissenschaftsbetrieb so hands-on noch vor zehn Monaten,

Christian: zwölf Monaten irgendwie so hatten.

Christian: Wie fühlt denn sich das an, Wissenschaftspolitik zu machen, wenn man eigentlich

Christian: weiß, gegenüber sitzt, und ich meine das überhaupt nicht böse,

Christian: gegenüber sitzt vielleicht eine Juristin oder eine Lehrerin?

Selina: Ich nehme das tatsächlich gar nicht so wahr, dass die Unterschiede da so wahnsinnig groß sind.

Selina: Mir wird es immer wieder gesagt, du bist doch gerade erst aus dem Betrieb und

Selina: gleichzeitig ist ja Politik nicht nur Wissen über den Betrieb,

Selina: sondern wie machen wir Politik.

Selina: Also es ist schon nochmal ein Unterschied zwischen Wissenschaft und Wissenschaftspolitik.

Selina: Und vor dem Hintergrund spielt das für mich tatsächlich keine so große Rolle.

Christian: Ich habe ja eben schon den Physikerin in der Politikwitz gemacht.

Christian: Also ich erinnere noch zum Beispiel die Pandemiezeit, da wurde ja auch Angela

Christian: Merkel und es gab ja auch ein, zwei Pressekonferenzen,

Christian: wo sich das irgendwie zeigte, dass sie irgendwie, ich glaube da ging es um exponentielles

Christian: Wachstum, wo irgendwie dann zumindest interpretiert wurde, guck mal,

Christian: die hatten ein ganz anderes Verständnis dafür als jetzt Kollege XY.

Christian: Ich hätte jetzt gedacht, dass so Momente schon auch bei dir irgendwie,

Christian: dass es bei dir vielleicht ab und zu mal schneller Klick macht,

Christian: wenn so ein bestimmter Bedarf aus der Wissenschaft an dich herangetragen wird,

Christian: was ja wahrscheinlich auch passiert oder ähnliche Sachen.

Selina: Ja, also ich glaube, das eine exponentielle Wachstum wäre über Wissenschaft

Selina: selber reden und da hilft das schon, aber in der Wissenschaftspolitik macht

Selina: das tatsächlich wenige einen Unterschied.

Selina: Ich glaube, was mir sehr hilft in dem Zusammenhang, ist einfach zu verstehen,

Selina: wie komplex Prozesse auch innerhalb der Wissenschaft sind, an wie vielen Ecken

Selina: und Enden an den WissenschaftlerInnen gezerrt wird.

Selina: Und auch ein bestimmtes Verständnis zu haben, warum bestimmte Dinge auf eine

Selina: bestimmte Art funktionieren.

Selina: Ich glaube, das hilft schon.

Christian: Eins deiner Themen ist ja auch Zugänglichkeit zur Bildung.

Christian: Wenn du dich jetzt zurückversetzt in Selina von vor 20 Jahren,

Christian: entscheidet sich Physik zu studieren und zieht das jetzt durch und na gut,

Christian: da kommen dann vielleicht gerade bei einem schlechten Prüfungsergebnis zu Hause

Christian: auch immer die Fragen, Mensch, willst du nicht doch lieber nochmal hier das

Christian: Autohaus nebenan stellt ein, da kann man die Industriekauffrau lernen.

Christian: Ich nehme an, so Unterhaltungen hattest du. Wie setzt du das denn zueinander in Bezug?

Christian: Also das sind ja nach meinem Verständnis irgendwie verwandte Themen,

Christian: die aber dann doch irgendwie verschiedene Ausprägungen haben.

Christian: Also was lernst du da von dir selbst vielleicht auch aus Gesprächen hier?

Christian: Wie blickst du auf so dieses ganze Thema Zugang zu Bildung, Zugang zu Hochschulbildung?

Christian: Wo fängt das für dich an? Wo hört das vielleicht auch für dich auf?

Christian: Wo andere denken, ach Mensch, da haben wir doch schon lange aufgehört.

Selina: Die Situation von damals ist mit heute nicht wirklich vergleichbar.

Selina: Es gab sehr wenig Internetangebote.

Selina: Wir hatten zu Hause, bis ich 18 war, keinen Computer.

Selina: Das hieß, ich musste immer in die Bibliothek laufen, wenn ich überhaupt ins Internet wollte.

Selina: Und heute ist es ja selbstverständlich, dass im Grunde jeder und jeder ein digitales Endgerät hat.

Selina: Und da sind Angebote, aber wie zum Beispiel von der HU, dass man mal einen Einblick

Selina: kriegt, wie könnte sowas aussehen, glaube ich sehr hilfreich.

Selina: Und das ist natürlich was ganz anderes als ein Studieninformationstag.

Selina: Die sind auch wichtig, um zu sehen, okay, so kann das in etwa aussehen,

Selina: so sind die Räumlichkeiten und wie kann ich mich hier zurechtfinden, das ist das eine.

Selina: Das andere sind aber wirklich die Inhalte und wie kann ein Studium aussehen.

Selina: Und da hilft es natürlich total, auch wenn es so Schnuppe-Angebote gibt von

Selina: den Unis. Ich kann mich so nicht erinnern, dass es zu meiner Zeit das gab.

Selina: Es wäre aber auch einfach weit weg gewesen. Also da hat man,

Selina: glaube ich, schon einen Nachteil, auch wenn man auf dem Land lebt,

Selina: im Vergleich zu der Stadt.

Christian: Sowohl gedanklich als auch räumlich ist es weit weg, glaube ich. Genau.

Selina: Aber wie gesagt, heute ist die Welt viel kleiner geworden, dadurch,

Selina: dass es online auch unendlich viele Möglichkeiten gibt, sich zu informieren.

Selina: Deswegen denke ich, es schon ein bisschen einfacher heute ist.

Selina: Gleichzeitig sehen wir, dass viele Studierende auch bedingt durch Pandemie sehr

Selina: verunsichert sind, dass es vielen Studierenden nicht besonders gut geht.

Selina: Also vielleicht relativiert sich das. Also der Zugang zu Informationen ist heute

Selina: einfacher, aber ich glaube...

Selina: Die Voraussetzungen von jungen Menschen haben sich aus anderen Gründen nicht unbedingt verbessert.

Christian: Ja, da gab es ja gerade viel, auch gerade in den letzten fünf,

Christian: sechs Jahren, du hast angesprochen, Pandemie, psychische Belastung.

Christian: Da gibt es übrigens auch ein Angebot der Hamburg-Oppenland-Universität zu.

Christian: Also da haben sich auch inzwischen die Hochschulen oder zumindest manche Hochschulen,

Christian: ich weiß es von der HAW und der HU, eben auch Gedanken zugemacht,

Christian: wie schaffe ich da vielleicht andere Rahmenbedingungen.

Christian: Und das Lernangebot heißt, wenn ich es richtig im Kopf habe,

Christian: studieren und psychische Gesundheit, haben auch einen Podcast und das legen

Christian: wir natürlich in den Shownotes ab für alle, die sich dafür interessieren.

Selina: Ja, finde ich total wichtig. Die HAW hat sich da wirklich hervorgetan,

Selina: die sich wirklich Mühe geben, sich um die Studierenden zu kümmern,

Selina: da unterschiedlichste Angebote schaffen und da ist wieder auch die Frage,

Selina: können wir vielleicht strukturell was machen?

Selina: Es gibt die Idee von dem akademischen Mentorat, das hat der Wissenschaftsrat 2022 vorgeschlagen.

Selina: Wo man den Lehrenden etwas mehr Zeit einräumt und sie dann auch dafür bezahlt.

Selina: Dass sie sich die Sorgen und Nöte der Studierenden mit anhören.

Selina: Denn oft sind sie die ersten Ansprechpartnerinnen.

Selina: Zusätzlich gibt es ja Angebote für psychische Gesundheit, gibt es Angebote zum

Selina: Beispiel vom Studierendenwerk, die da Beratung anbieten.

Selina: Darüber hinaus sind es aber wirklich oft die Lehrenden, die angesprochen werden.

Selina: Und da auch wieder Barriere. Also für mich wäre das damals im Leben nicht infrage gekommen.

Selina: Aber schön zu sehen, dass es offensichtlich nicht überall der Fall ist.

Selina: Und darüber hinaus denke ich, dass es wichtig ist, so Mentoratsangebote zu fördern.

Selina: Es gibt ja inzwischen Initiativen wie arbeiterkind.de, die sich sehr für Bildungsgerechtigkeit

Selina: ansetzen und wo Menschen, die eben auch keinen akademischen Hintergrund haben,

Selina: Studierenden helfen anzukommen und wo sie dann vielleicht ohne Scheu ihre Fragen stellen können.

Selina: Und ich denke, das hätte mir damals sehr geholfen.

Selina: Das kam natürlich die Frage irgendwann, als ich dann durch zig Klausuren gefallen bin.

Selina: Sag mal, ist das denn nicht das Richtige? Und der ganze Stress und wirklich

Selina: aus einer Sorge heraus, die auch verständlich war.

Selina: Und mir hat da einfach geholfen, dass ich sehr stur war und dass meine Oma immer

Selina: gesagt hat, du schaffst das schon so.

Christian: Also die nächste Mentorin sozusagen.

Selina: Ja, also das war für mich wirklich, wirklich sehr entscheidend von ihr,

Selina: so diesen Rückhalt zu haben.

Selina: Und ja, dann habe ich es durchgezogen und irgendwann festgestellt,

Selina: okay, als es dann wirklich mal ums wissenschaftliche Arbeiten ging und nicht

Selina: um Prüfungen, dass es mir Spaß macht und dass mir das doch durchaus liegt.

Christian: Also so nach drei, vier Semestern irgendwann.

Selina: Nee, tatsächlich, erst zur Abschlussarbeit im sechsten Semester.

Christian: Okay, lange durchs Strecke, ja, aber kann ich verstehen.

Christian: Lass uns vielleicht mal, wenn du magst, zu den Lernangeboten kommen oder zu

Christian: unserem ersten Lernangebot, das du dir rausgesucht hast.

Christian: Es gibt ja jetzt auch inzwischen ein paar neue Lernangebote bei der Hamburg

Christian: Open Online University und eins von denen hast du dir rausgesucht.

Christian: Und es nennt sich einfach Klimaparlament. Und die Idee ist, dass die CO2-Uhr

Christian: tickt, wie es im Lernangebot heißt.

Christian: Die Temperaturen steigen, aber irgendwie die Menschen kriegen es nicht hintereinander.

Christian: Also bauen wir jetzt ein Klimaparlament,

Christian: Indem alle Wesen und Unwesen eine Stimme haben und indem diejenigen,

Christian: die in diesem Planspiel irgendwie agieren, das ist das Planspiel,

Christian: miteinander in Verhandlungen treten, wie denn eigentlich jetzt zu einer Lösung zu kommen sei.

Christian: Und Ziel dabei ist letztendlich sowas wie ein größeres Verständnis für das einerseits

Christian: irgendwie ja dann doch komplexe Thema, auch wenn man es irgendwie mit 1,5 Grad

Christian: Logiken und so weiter vielleicht einfach erzählt, erstmal so auf der Oberfläche

Christian: und auch ein Stück weit die jeweils andere Position besser zu verstehen.

Christian: Ich fand, dass du es ausgewählt hast, hat mich jetzt irgendwie nicht überrascht.

Christian: Das ist ja irgendwie ein Kernthema deiner Arbeit, würde ich denken.

Christian: Als ich dann aber beim zweiten, dritten Mal darüber nachgedacht habe,

Christian: was ich jetzt gerne eigentlich von dir dazu wissen wollen würde,

Christian: ist meine erste Frage eigentlich gewesen, da treten jetzt verschiedene,

Christian: ich übersetze es mal in, so glaube ich zumindest, Politikbetrieb,

Christian: verschiedene Stakeholder treten irgendwie in einen Austausch miteinander und

Christian: die machen da Dinge und reden miteinander und die treffen vielleicht auf großes

Christian: Verständnis oder Unverständnis beieinander oder reden auch über unterschiedliche

Christian: Dinge, obwohl sie das Gleiche sagen.

Christian: Wie ist denn da deine Erfahrung eigentlich jetzt so? Du bist ja zumindest in

Christian: deiner jetzigen Rolle, ich glaube für eine Politikerin ja noch relativ frisch,

Christian: darf ich glaube ich sagen.

Christian: Also zehn, ja doch, neun, zehn Monate so um den Dreh.

Christian: Wie viel echte Verhandlung steckt denn so in deiner Arbeit? Wie oft nimmst du,

Christian: denkst du dir die Wesen und Unwesen aus der nichtmenschlichen Welt und sagst,

Christian: für die stehe ich jetzt mal ein oder das bringe ich jetzt mal als Argument ein

Christian: und guck mal, wie es mein Gegenüber so wahrnimmt?

Selina: Und tatsächlich...

Selina: Gerade die Unwesen-Perspektive wird nicht so sehr thematisiert.

Selina: Also was ich das Spannende finde an dem Job, den ich jetzt habe,

Selina: dass du mit sehr unterschiedlichen Menschen und sehr unterschiedlichen Perspektiven zu tun hast.

Selina: Und das passt schon auch sehr gut in dieses Lernangebot. Und tatsächlich ist

Selina: aber der direkte Austausch, die direkte Konfrontation mit Menschen,

Selina: die eine ganz andere Position haben als ich, relativ selten tatsächlich.

Selina: Also wir hatten das ganze Zusammenhang mit dem Zukunftsentscheid hier in Hamburg,

Selina: was ehrlicherweise ein ziemlicher Spagat war, denn es ist klar grüne Programmatik.

Selina: Wir wollen so schnell klimaneutral sein wie irgend möglich.

Selina: Deswegen ist es nur logisch, dass wir den Zukunftsentscheid 2040 unterstützt

Selina: haben und gleichzeitig haben wir einen Koalitionsvertrag, der das nicht so klar benennt.

Selina: Die sagt, okay, wir haben einen bestimmten Korridor, was realpolitisch gesehen

Selina: verständlich ist und realistisch ist.

Selina: Aber entsprechend hatten wir als Grüne einen ziemlichen Spagat zu leisten und

Selina: da irgendwie eine Lösung zu

Selina: finden und die unterschiedlichen Perspektiven einzubringen und zu sagen,

Selina: wie kann das dann aber auch vielleicht funktionieren und wem werden wir da eigentlich gerecht?

Selina: Wenn wir das schaffen, 2040 klimaneutral zu werden und dem vielleicht auch nicht.

Selina: Das war eine interessante Debatte.

Christian: Aber ihr habt nicht so ein Planspiel gemacht. Schade eigentlich.

Selina: Ja, wenn sich da alle darauf einlassen würden, wäre das glaube ich sehr interessant,

Selina: aber ich finde die Idee sehr spannend zu sagen, wir haben all diese unterschiedlichen

Selina: Stakeholder und als Menschen haben wir glaube ich auch eine Verantwortung,

Selina: eine große Verantwortung gegenüber allen Dingen oder Lebewesen,

Selina: die sich ja nicht selber ausdrücken können und nicht wie in diesem Planspiel

Selina: eine Rolle einnehmen können.

Selina: Das ist auch eine ureigene Verantwortung, die wir Grüne mit bestem Wissen und

Selina: Gewissen versuchen wahrzunehmen.

Selina: Und wir wollen eben die Politik für alle Menschen machen.

Selina: Wir wollen es aber auch für unsere Natur und für die anderen Lebewesen.

Selina: Und ich glaube, gerade dieser Perspektivwechsel wäre wahnsinnig wichtig oft

Selina: und das fällt einfach oft hinten runter.

Selina: Und andererseits lehnt sich das auch so ein bisschen an, eine Idee,

Selina: die wir Grünen mitverfolgen ist ein Bürgerinnenrat,

Selina: die eben außerhalb der Politik-Bubble sich bewegen und nochmal vielleicht andere

Selina: Perspektiven mit einbringen können, die im Sinne von Basisdemokratie und Debattenräumen

Selina: nochmal ganz neue Impulse setzen können.

Christian: Oder so ein Planspiel vielleicht auch wieder helfen könnte, um so einen Rahmen irgendwie zu geben.

Christian: Du hast es gerade schon gesagt, so häufig passiert dir das eigentlich gar nicht,

Christian: dass du auf Leute prallst, die irgendwie sagen, Klimawandel ausgedacht.

Christian: Das ist doch alles nur, also diese ganze, dass relativ viele irgendwie zumindest

Christian: bei so den wissenschaftlichen Erkenntnissen, zumindest wenn sie irgendwie...

Christian: Nicht in komplett eine andere Lebenswelt abgedriftet sind, sagen würden,

Christian: okay, da mache ich irgendwie einen Haken dran, das erkenne ich zumindest irgendwie an.

Christian: Und gleichzeitig gibt es dann ja im Klein-Klein doch auch, ja auch in Hamburg,

Christian: wo selbst in der Stadt, in der der Zukunftsentscheid irgendwie durchgegangen

Christian: ist, ja auch wieder politische Gegnerinnen und Gegner, die dem gegenüberstehen, was du da so möchtest.

Christian: Wie leicht fällt es denn eigentlich dann noch in so einem Politikerinnenalltag

Christian: überhaupt auch die Gegenposition auch irgendwie empathisch nachzuvollziehen?

Christian: Also wo setzt du da vielleicht auch persönlich deine Grenze?

Selina: Keine ganz einfache Frage.

Selina: Momentan fällt es mir in vielerlei Hinsicht noch leicht, mich in andere reinzuversetzen.

Selina: Ich kann verstehen, dass Menschen, wenn sie jetzt, wie ich jetzt,

Selina: eine Dreiviertelstunde Pendelweg zur Arbeit haben und alles ist voll mit Baustellen

Selina: und die brauchen doppelt so lange und das dann eine Begleiterscheinung von,

Selina: wir wollen 2040 klimaneutral, wenn das miteinander verknüpft wird,

Selina: dass sie da kritisch sind und das auch nicht wollen, das kann ich sehr gut nachvollziehen.

Selina: Und wo ich dann kein Verständnis habe, ist es tatsächlich, wenn es um die Leugnung

Selina: von wissenschaftlichen Fakten geht, wie gibt es den Klimawandel.

Selina: Und leider erleben wir das auch in der Bürgerschaft von Seiten der AfD,

Selina: die das dann wirklich da vorne sich hinstellen und sagen, also Klimawandel gibt

Selina: es gar nicht und es gibt doch jetzt hier neue Studien und so weiter.

Christian: Hat doch geschneit.

Selina: Hat doch geschneit, ja. So in die Richtung und da kann ich dann nicht mehr mitgehen.

Selina: Da müssen wir versuchen, diese Balance zu finden.

Selina: Die Belange der Menschen, die täglich zur Arbeit pendeln müssen zum Beispiel und Klimaneutralität.

Selina: Das ist in dem Fall vielleicht mit Baustellenmanagement.

Christian: Im übertragenen Sinne, aber auch im wortwörtlichen dann sozusagen,

Christian: wenn es um den Pendelweg geht, ne?

Christian: Wir haben ja eben über sozusagen Hochschulbildung und Zugänge gesprochen.

Christian: Du hast ja auch eine Tochter. Ich weiß gar nicht, darf ich fragen, wie alt sie ist?

Christian: Neun, okay. Das ist ja dann eigentlich genau das Alter, wo sich so Neugier auch

Christian: in, ich sag mal, so Anfänge von Wissenschaftsbetrieb irgendwie umsetzt.

Christian: Also so, wo man die ersten Experimente selber macht und vielleicht auch mal

Christian: jetzt akademisch geprägten Haushalt vielleicht auch mal nachfragt. Wie läuft denn das?

Christian: Kinder stellen ja auch die eine oder andere naive Frage. Also ich erlebe das

Christian: selber, sind noch fünf, sechs Jahre, bis Junior im Alter von deiner Tochter ist.

Christian: Aber man ist ja dann doch immer mal wieder in einer Position,

Christian: wo man sehr komplexe Dinge, sehr hands-on mal im Vorbeigehen auf dem Weg zur

Christian: Supermarktkasse irgendwie erklären muss.

Christian: Begegnest du dir da auch nochmal anders dann im Erklären von Wissenschaft und

Christian: im Erklären von Politik und im Erklären von diesen ganzen komplexen Zusammenhängen?

Christian: Also ich verstehe schon, dass du sagst, so einerseits als Mensch,

Christian: Mitglied der Bürgerschaft, Sprecherin, Co-Landesvorsitzende,

Christian: hast du natürlich, sprichst du für viele, aber auf dem Weg zur Supermarktkasse

Christian: sprichst du ja erstmal nur für dich und deine Tochter und vielleicht noch für

Christian: das nähere Familienumfeld zum Beispiel, wenn es um irgendeine Entscheidung geht.

Christian: Also wie lernst du vielleicht auch dabei nochmal, Wissenschaft zu erklären oder

Christian: Bildung zu erklären und Zugänglichkeit zu erklären oder Klimawandel zu erklären?

Selina: Das hilft mir schon, auch gerade die Gespräche mit meiner Tochter,

Selina: Dinge runterzubrechen.

Selina: Ich kann jetzt nicht mit den ganzen Details kommen, sondern zu sagen,

Selina: was ist die wichtigste Botschaft?

Selina: Und das ist, glaube ich, eine der großen Lernkurven, die ich jetzt in den letzten

Selina: Monaten auch nochmal hier gemacht habe, zu sagen, okay,

Selina: fokussieren auf das Wesentliche, ja, auch in Gesprächen mit Journalisten,

Selina: die haben ja jetzt oft nicht vielleicht so viel Zeit wie wir heute und das versuchen

Selina: zu verständlich zu machen, ist schon eine Herausforderung für mich.

Selina: Aber ich übe es und das muss ein Anspruch an Politik sein, zu erklären,

Selina: warum wir Dinge tun, warum wir auch Dinge vielleicht nicht tun und auch in der

Selina: Bildung und Wissenschaft, wie Dinge zusammenhängen.

Selina: Denn wenn wir es nicht begreiflich machen können, dann wird es sehr schwierig

Selina: und gibt es auch keine emotionale Bindung.

Christian: Das steht ja auch irgendwie in einem Kontext, wie gut erkläre ich jetzt Dinge.

Christian: Und ich nehme wahr, dass es auch in der Wissenschaftskommunikation immer mal

Christian: wieder dazu kommt, dass sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Stück

Christian: weit dafür scheuen, so eine Art von Komplexitätsreduktion auch einzugehen.

Christian: Und gleichzeitig ist es ja wiederum in der Politik so, dass diejenigen,

Christian: die Politik machen und vielleicht auch das Gefühl haben, man könne jetzt der

Christian: Allgemeinheit irgendwie Details, Fakten und irgendwie komplexe Zusammenhänge nicht zumuten.

Christian: Da gab es ja auch so die eine oder andere Strömung, glaube ich,

Christian: innerhalb der Grünen bundesweit, wo man sagen würde, okay, der hat es jetzt

Christian: irgendwie mal anders versucht und die da probieren es jetzt irgendwie wieder anders.

Christian: Denn mir nur die Frage, wie leicht vielleicht dir auch so eine Komplexitätsreduktion fällt.

Christian: Also wenn wir sozusagen das Thema des Podcasts als Lernprozess nehmen,

Christian: dann höre ich so raus, da bist du noch nicht am Ende so in deiner eigenen Wahrnehmung,

Christian: dass du sagen würdest, okay, ich streife die Physikerin, die in Nebensätzen

Christian: und Nachkommastellen denk mal ab und spreche jetzt irgendwie den 20-Sekunden-Beitrag

Christian: ein, weil gestern waren Wahlen.

Selina: Dieser Lernprozess ist definitiv noch nicht abgeschlossen. Da bewundere ich

Selina: immer Robert Habeck, der das immer sehr gut macht, wo ich finde,

Selina: er reduziert Komplexität, aber er erklärt einfach auch komplexe Dinge,

Selina: sodass Menschen sie verstehen können und vereinfacht nicht zu sehr.

Selina: Ja, und gerade in der Wissenschaftskommunikation ist das ein großer Spagat.

Selina: Eines der nervigsten Dinge, die ich in meinem Job, bevor ich zum Leser gegangen

Selina: bin, war eine Iteration zwischen Wissenschaftlern, Journalisten,

Selina: um zu erklären, was tun wir eigentlich?

Selina: Was sind jetzt zum Beispiel konkrete Vorteile von Petra 4?

Selina: Ich weiß nicht, wie viele Iterationen das teilweise genommen hat,

Selina: aber es war sehr, sehr schwierig.

Selina: Und gerade meine Erfahrung ist eben, dass Wissenschaftlerinnen sich da wirklich

Selina: schwer tun, zu sagen, okay, das ist jetzt eine Analogie, die passt vielleicht

Selina: nicht hundertprozentig, aber die macht es gut greifbar.

Selina: Und da mitzugehen, das fällt vielen Wissenschaftlerinnen wirklich schwer.

Selina: Ich glaube aber, das braucht man teilweise, zumindest als Vehikel.

Selina: Und dann ist es aus meiner Sicht auch okay, wenn es nur zu 95 Prozent stimmt.

Selina: Aber das ist ein gewisses Spannungsfeld in der Wissenschaftskommunikation, das definitiv da ist.

Christian: Lass uns vielleicht mal, du hast ja noch ein zweites Lernangebot rausgesucht.

Christian: Mal uns das zweite Lernangebot zusammen anschauen. Das ist auch gratis und online

Christian: verfügbar und es ist wieder ein Planspiel.

Christian: Die HU hat in diesem Jahr 1, 2, 3 Planspiele veröffentlicht,

Christian: die auch irgendwie, fand ich, ganz interessant waren.

Christian: Und in diesem Planspiel namens Co-Operate geht es darum, projektbezogene Teamarbeit

Christian: ein Stück weit, darf ich einzuüben sagen, ich weiß nicht, vielleicht tue ich

Christian: denjenigen unrecht, die das Lernangebot entwickelt haben.

Christian: Aber es geht um interkulturelle und internationale Settings einerseits,

Christian: aber letztendlich auch darum, irgendwie so eine Art, sie nennen es Kooperationskompetenz

Christian: in unvertrauten und dynamischen Kontexten zu verbessern.

Christian: Wenn ich das jetzt in meine Sprache übersetzen würde, wie können wir zusammenarbeiten,

Christian: wenn Unsicherheit besteht, wenn sich Dinge um uns herum schnell verändern und

Christian: wir irgendwie trotzdem zu Entscheidungen kommen müssen.

Christian: Und auch da lag mir sofort auf der Hand, warum du es dir auswählst.

Christian: Das eine ist, du hast es schon angesprochen, du warst beim Diamond Lightsource

Christian: Projekt in England eine Zeit lang. Du hast also auch so einen internationalen Blick darauf.

Christian: Kannst vielleicht auch hier und da mal, wenn du zum Beispiel auf Gesellschaft,

Christian: auf Wissenschaft, auf Politik schaust, vielleicht auch die ein oder andere Vergleichsebene einziehen.

Christian: Und zum anderen, auch das klang im Gespräch schon mehrfach an,

Christian: im letzten Sommer große Veränderungen, auf einmal ein neues Team,

Christian: dynamischer Kontext, stimmt vielleicht in Teilen.

Christian: Also auch hier ändern sich ja Dinge und in der Bürgerschaft passieren immer

Christian: wieder Dinge, in Politikfeldern passieren immer wieder Dinge.

Christian: Und in dem Planspiel geht es darum, dass eine Gruppe von Menschen die Geschäftsführung

Christian: von einem fiktiven Unternehmen übernimmt und dann wirklich alles umkrempeln kann.

Christian: Also dem Unternehmen einen neuen Namen geben, einen Slogan ausdenken,

Christian: Mitgliedern des Teams kriegen Aufgaben zugeteilt und irgendwie schien mir das

Christian: gar nicht so weit weg von dem, was du im letzten Sommer und vielleicht auch

Christian: jetzt noch irgendwie so machst.

Christian: Also du hast einen neuen Kollegen mit deinem Co-Landesvorsitzenden,

Christian: du hast hier ein neues Team, neue Büros, neue Arbeitsumgebungen,

Christian: neue Ziele auch, denen du dich irgendwie widmest.

Christian: Wie war denn da deine Lernkurve? Was würdest du gerne der Selina im Juli 20,

Christian: was ist es, 2025 noch zurufen aus der Position jetzt?

Christian: Mach das mal so oder so oder so, das macht dir das Leben leichter oder das habe

Christian: ich jetzt gelernt, das würde ich jetzt anders machen?

Selina: Tatsächlich gar nicht so viel, weil ich vorher schon in sehr unterschiedlichen

Selina: und sehr internationalen Teams gearbeitet habe.

Selina: Eigentlich von 2012 an, als ich mit meiner Promotion begann,

Selina: wo ich am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie gearbeitet habe.

Selina: Und wir tatsächlich als Deutsche zwar die stärkste Gruppe waren,

Selina: aber vielleicht insgesamt in Einheit knapp 40 Prozent waren.

Selina: Und alle meine Mitdoktoranden kamen aus anderen Ländern.

Selina: Ich habe mir ein Büro geteilt mit einer Chinesin, einer Griechin und einer Portugiesin.

Selina: Und auch danach in England habe ich in mehr britisch geprägten Teams,

Selina: aber auch immer noch in internationalen Teams gearbeitet.

Selina: Und ich habe mich auch nochmal weitergebildet als Projektmanagerin und gerade

Selina: diese Team-Aspekt-Geschichten finde ich super spannend,

Selina: habe mich viel damit beschäftigt und habe da glaube ich schon ein bisschen was

Selina: mitgebracht, als ich hierher gekommen bin und konnte das dann auch glaube ich

Selina: direkt ganz gut anwenden.

Selina: Dadurch, dass ich diese Erfahrung hatte,

Selina: bin ich gleich mit allen Einzelnen ins Gespräch gegangen, zu sehen,

Selina: wer macht hier eigentlich was,

Selina: wer hat hier welche Rolle und das ist natürlich ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess

Selina: wie in jedem Team, aber das ist tatsächlich eine Rolle, die mir sehr viel Spaß macht, auch zu sehen,

Selina: wie können wir Arbeit auch gut verteilen, wie können Menschen gut arbeiten und

Selina: Kooperation, Co-operate, wie in diesem Planspiel, spielt da eine sehr entscheidende Rolle. Rolle.

Christian: Ja. Wie hast du denn angefangen? Also irgendwann,

Christian: Es gibt ja dann so den Moment irgendwie einer Wahl und man weiß,

Christian: okay, jetzt das, wovon ich letzte Woche noch gehofft habe, dass es passieren würde, passiert jetzt.

Christian: Und dann gibt es ja sozusagen den ersten Arbeitstag irgendwie,

Christian: keine Ahnung, ich stelle mir das so vor, alle kommen irgendwann in ein Büro,

Christian: es gibt so eine Anfangsbesprechung und man überlegt sich, wie machen wir es jetzt.

Christian: Wenn du jetzt in dieses Planspiel einsteigen würdest, da wird ja auch davon

Christian: gesprochen, ihr dürft alles ändern, was ihr ändern wollt.

Christian: Das ist hier wahrscheinlich nicht ganz so gewesen zu Beginn.

Christian: Ihr habt ja vorher ein paar Versprechen gemacht und auch eine politische Ausrichtung so im Grund.

Christian: Aber wie viel konntet ihr denn ändern und wie viel würdest du gern noch ändern?

Selina: Also am Anfang ging es mir erstmal darum, die Menschen alle kennenzulernen und

Selina: zu verstehen, wie funktioniert denn eigentlich hier so ein Alltag.

Selina: Und stellte dann relativ schnell fest, dass es ungefähr anderthalb Tage Alltag

Selina: gibt und der Rest ist Free Floating und hängt sehr davon ab,

Selina: wie ich Prioritäten setze, wie ich meine Termine organisiere.

Selina: Und da gibt es schon sehr viele Möglichkeiten zu gestalten und Schwerpunkte zu setzen.

Selina: Und gleichzeitig fängt man ja erstmal an und sagt, okay, das habe ich mir alles

Selina: vorgenommen, wie kann ich das umsetzen?

Selina: Und ich glaube, da sind wir in einen ganz guten Prozess gekommen.

Selina: Ich habe vielleicht ein bisschen unterschätzt, wie groß die Doppelbelastung

Selina: ist mit Mandat und Vorsitz.

Selina: Da die Balance zu finden ist tatsächlich nicht ganz einfach.

Selina: Da bin ich auch noch im Prozess.

Selina: Ja, aber es gibt Möglichkeiten, viel zu gestalten. Und das Tolle in diesem Job

Selina: ist, dass man sich überlegen kann, ich würde mal gerne mit XY reden und bittet

Selina: das Team, da mal einen Kontakt herzustellen.

Selina: Und in der Regel klappt das denn. Du kannst dich mit den Leuten treffen und

Selina: dich austauschen und dann überlegen, was heißt das jetzt eigentlich für meine Politik.

Christian: Ja,

Christian: Okay, also das dann auch als Hebel zu nutzen, ist wahrscheinlich auch was,

Christian: was irgendwie zu einem Lernprozess dazugehört.

Christian: Sicher hat man vorher auch Teams, aber jetzt hast du ja hier eine ganze Geschäftsstelle,

Christian: wo du theoretisch, so stelle ich es mir zumindest vor, in ein Büro reinlaufen

Christian: konntest und sagen konntest, ich möchte jetzt mal diese Woche das und das und das probieren.

Christian: Und dann kriegst du auch erstmal wahrscheinlich vielleicht noch zwei Nachfragen,

Christian: aber keinen direkten Widerstand erstmal, oder?

Selina: Nee, also solange es jetzt nicht irgendwie gesagt, okay, ich möchte jetzt die

Selina: politische Richtung ändern.

Christian: Genau, das mit dem Klima, das überlegen wir uns nochmal.

Selina: Ja, und ich habe großes Glück, dass wir mit meinem Co-Vorsitzenden,

Selina: mit Leon Adam, dass wir sehr gut miteinander arbeiten können,

Selina: dass wir ähnliche Vorstellungen davon haben, wo kann es eigentlich hingehen

Selina: und dass sie auch wirklich alle an einem Strang ziehen.

Selina: Stichwort Lernen und Kooperieren. Eine Sache, die ich jetzt auch gerade noch

Selina: lerne, ist der ganze Bereich Social Media.

Selina: Das ist natürlich als Politikerin sehr wichtig. Es gehört dazu,

Selina: sich da weiterzubilden und zu überlegen, wie kann das denn eigentlich funktionieren,

Selina: ist sehr wichtig. Ich würde aber noch einmal gern zu dem Lernangebot Cooporate

Selina: und Planspiel zurückgehen.

Selina: Ich finde Planspiele an sich, und es ist nicht zufällig, dass ich zwei Planspiele

Selina: ausgewählt habe, unheimlich wertvoll.

Selina: Ich habe das relativ früh selbst erlebt. Mit 16 bin ich zu einem Verein gegangen,

Selina: Verein zur Förderung politischen Handelns.

Selina: Die sitzen in Bonn. Die überparteiliche.

Selina: Und Fortbildungsangebote machen für Jugendliche, für Schülerinnen,

Selina: von SV-Training über sehr konkrete politische Planspiele.

Selina: Und da haben wir einige gemacht, die mich bis heute stark geprägt haben.

Selina: In dem einen ging es darum, ähnlich wie hier, ein Unternehmen mit zu gründen,

Selina: wo es dann aber darum ging, Waffen zu verkaufen.

Selina: Und dann passierten immer unterschiedlichere Dinge und dann im Nachhinein zu

Selina: reflektieren und zu sagen, hey, was hast du denn da eigentlich gemacht,

Selina: um zu gewinnen, um Profit zu engagieren.

Selina: Ja, mit 16 da sehr naiv reingegangen und dann auch mit gewissen Wettbewerbsgedanken,

Selina: und dann aber zu sehen, hey,

Selina: du hast dich davon so treiben lassen, dass es nur noch darum ging zu gewinnen

Selina: und Ethik und all das hat überhaupt gar keine Rolle mehr gespielt und diese

Selina: Erfahrung einmal zu machen Und zu sagen, hey,

Selina: was sind da die Mechanismen, die vielleicht greifen?

Selina: Welche Dinge sind uns eigentlich gar nicht bewusst?

Selina: Das fand ich unheimlich wertvoll. Ein anderes Planspiel, das ich vor vielen

Selina: Jahren da gemacht habe, war in die Rolle des Iran zu schlüpfen,

Selina: wo es um Verhandlungen um die Atomwaffen ging und da eine Rolle einzunehmen.

Selina: Ich meine, es ist gerade brandaktuell.

Selina: Mir geht es gar nicht mehr so um das Thema selber, sondern einfach diesen Perspektivwechsel

Selina: mal zu machen und zu sagen, ich bin jetzt verantwortlich, ich gucke mich mal um,

Selina: wer alles um mich herum ist und da eine Position einzunehmen und in die Verhandlungen

Selina: zu gehen, das finde ich eine unheimlich wertvolle Erfahrung.

Selina: Und diesen Verein gibt es heute noch.

Selina: Möchte ich hiermit für Werbung machen. Gibt wirklich tolle Angebote für Schülerinnen

Selina: und Schüler, aber auch für Studierende.

Selina: Und ich habe da auch wirklich tolle Menschen kennengelernt, die lustigerweise

Selina: dann auch einige wirklich Karriere in der Politik gemacht haben.

Christian: Ich wollte gerade sagen, da ist ja schon so eine kleine Deformation vorhanden,

Christian: wenn man sich mit 16 entscheidet, zu sagen, okay, ich mache jetzt mal ein Planspiel

Christian: in Bonn, wahrscheinlich auch vor Ort.

Selina: Nee, tatsächlich gehen die bundesweit, wir waren dann in Lauenburg.

Christian: Ja, aber es ist interessant, es gibt ja auch in dem Lernangebot selber,

Christian: Also relativ, ich finde, relativ lange theoretische Einführungen,

Christian: was sind so Methoden, verschiedene Verhandlungsmethoden, wenn erklärt und alle,

Christian: die mal irgendwie Psychologie, Soziologie oder was in der Art studiert haben,

Christian: finden sich da glaube ich schnell zurecht,

Christian: aber auch die, die einfach ein Interesse dran haben, also so das Harvard-Modell

Christian: der ressourcenorientierten Verhandlungen, also so Sachen, die irgendwie Klassiker

Christian: sind, die man irgendwann mal mitnimmt, so im Laufe von einem Karriereweg.

Christian: Aber ich finde auch so diese Qualität, ich weiß nicht, ob ich immersiv sagen

Christian: darf, aber so dieses, ich bin jetzt in diesem Ding drin und ich will jetzt hier

Christian: gewinnen, das ist ja schon auch was, was ich sowohl,

Christian: Internetplattformen zu eigen machen, also die 3-2-1-Meins-Logik bis hin zu eben

Christian: diesen Planspielen, die dann eben versuchen, zu zeigen, wie würdest du denn agieren, wenn.

Christian: Und das finde ich schon, hat schon so eine eigene Qualität, kann ich gut verstehen,

Christian: dass das dich irgendwie auch interessiert hat.

Christian: Und gerade für diejenigen, die halt Politik machen und ja ständig in so Aushandlungsprozessen

Christian: sind, wahrscheinlich auch interessant.

Selina: Ja, das ist tatsächlich aber nicht nur Psychologie und Soziologie,

Selina: auch im Projektmanagement ist das Harvard-Strategie, muss man gemacht haben, ja.

Christian: Wie setzt du sie da ein? Wie machst du es?

Selina: Also tatsächlich habe ich jetzt im Politikbetrieb ein, zwei Situationen,

Selina: wo ich sagte, okay, was ist unsere,

Selina: Partner, unsere Best Alternative to Negotiated Agreement und ja,

Selina: wo kommen wir eigentlich her und wie können wir da in den Verhandlungsprozess

Selina: gehen mit den unterschiedlichen Strategien.

Selina: Das bedeutet Vorbereitung nach einem bestimmten Schema, aber ich finde es tatsächlich hilfreich.

Christian: Man hat zumindest das Gefühl, wenn man irgendwo in ein Gespräch geht,

Christian: man hat vorher nichts übersehen oder vergessen.

Christian: Man fühlt sich informiert und geht da jetzt mal rein und hofft,

Christian: dass das Gegenüber auch an der Sache orientiert irgendwie ist.

Christian: Ist ja ein bisschen wie mit der Taube Schach spielen manchmal.

Christian: Du hast auch noch dir ein drittes rausgesucht und ich würde sagen,

Christian: da können wir zumindest mal kurz nochmal reinschauen, wenn du magst.

Christian: Nämlich auch ein sehr kurzes Lernangebot eigentlich, was ich aber spannend fand,

Christian: weil es irgendwie so, ich bin in NRW groß geworden, da kommt das Thema irgendwie

Christian: immer mal wieder hoch oder ich glaube auch bundesweit passiert es immer mal

Christian: wieder, dass über die Beschaffenheit von Brücken diskutiert wird.

Christian: Und das ist auch so ein Stück weit der Aufmacher von dem letzten Lernangebot,

Christian: das du dir rausgesucht hattest, nämlich Wissenschaft kurz erklärt, Nano saves Makro.

Christian: Und die Idee ist letztendlich, so wie ich es verstehe, so vielleicht noch am

Christian: nächsten von all dem, was wir gerade besprochen haben, dran an dem,

Christian: was man so als Physikerin vielleicht so den ganzen Tag macht.

Christian: Nämlich, es geht irgendwie um sowas wie Materialforschung einerseits.

Christian: Also es geht darum, letztendlich die Stahlbauwerke, insbesondere Brücken,

Christian: in ihrer Lebenszeit zu vervielfachen, indem man sich die Schweißnähte,

Christian: mit der die Dinger zusammengeschweißt werden,

Christian: mal genauer anschaut und da so eine Art Coating, so eine Art Schicht drüber packt.

Christian: Aus, ich habe es mir aufgeschrieben, 5000 Nanometer dick, also 0,005 Millimeter,

Christian: wenn ich es richtig konvertiert habe. Dicke Schicht aus Nickel und Kupfer.

Selina: Das sind aber tatsächlich die Gesamtdicke der Schichten.

Christian: Die Gesamtdicke, ne?

Selina: Die einzelnen Schichten sind sehr, sehr viel dünner.

Christian: Und das, also für mich ja irgendwie dann auch schon schwer vorzustellen,

Christian: also das ist ja eine Dicke irgendwie,

Christian: irgendwo im Lernangebot stand es und ich verballhorn es jetzt,

Christian: aber irgendwie ein Bruchteil eines Haares als Gesamtstärke und das soll dann

Christian: machen, dass eine große Brücke, über die ständig irgendwelche 40 Tonnen herauschen,

Christian: irgendwie ein bisschen besser zusammenhält.

Christian: Hast du dir wahrscheinlich auch nicht ohne Grund ausgesucht, das Lernangebot, oder?

Selina: Ne, also das knüpft natürlich ein bisschen an, wie du sagst,

Selina: an meine Tätigkeit als Physikerin.

Selina: Es ist aber tatsächlich auch ein akutes Problem. Wir haben das auch in Hamburg,

Selina: das Brückenbröckeln aus unterschiedlichen Gründen.

Selina: Ich kenne vor allen Dingen das Schlagwort Betonkrebs.

Selina: Da hilft, glaube ich, diese konkrete Idee nicht. Aber es geht ja um Stahlbrücken,

Selina: wo Nanotechnologie wirklich helfen kann.

Selina: Und ich finde das sehr faszinierend, wie dünn man das schafft,

Selina: diese Schichten aufzutragen und zeigen kann, also auch hier wissenschaftliche

Selina: Forschung einen konkreten Alltagsbezug, eine Lösung schaffen kann.

Selina: Also ich finde, das ist glaube ich wichtig in diesem Zusammenhang,

Selina: auch vor dem Hintergrund, wir haben diesen Sanierungsstau, wir müssen auch in

Selina: Hamburg Brücken sanieren, wir wollen bis 2040 klimaneutral werden.

Selina: Stahl zu produzieren, produziert sehr viel CO2.

Selina: Wo kann man vielleicht noch andere Lösungen finden? Zumindest temporär,

Selina: bis wir den Stahl dann hoffentlich auch irgendwann klimaneutral hinkriegen.

Christian: Aber ich fand es wirklich beeindruckend, wenn man sich das dann so anschaut und auch da,

Christian: Kurze, sehr kurze Zeit irgendwann mal an der TU Hamburg auch gearbeitet und

Christian: man sich vorstellt, man geht da so durch und irgendwo läuft man wahrscheinlich an einem Labor vorbei,

Christian: wo gerade jemand darüber nachdenkt, irgendwie aus der 10.000 Nanometer dicke

Christian: Schicht eine 5.000 Nanometer dicke Schicht zu machen und dann da irgendwie nochmal

Christian: mit Nickel und Kupfer experimentiert, wie man das jetzt irgendwie so und so

Christian: galvanisieren kann, damit da XY rauskommt.

Christian: Und das merkt man schon gar nicht und verliert man, glaube ich,

Christian: auch auf den Blick für, wenn man so über Hochschulen spricht und irgendwie denkt,

Christian: oh Mensch, das ist aber alles teuer und verknöchert und akademisch und so getragen,

Christian: dass da dann irgendwann nochmal jemand im Kittel irgendwo steht und sagt,

Christian: so jetzt mache ich mal die Welt irgendwie ein Stück besser.

Christian: Ist ja dann, vielleicht romantisiere ich es zu sehr, aber ja auch was,

Christian: was nicht so die erste Assoziation ist mit irgendwie Wissenschaft,

Christian: habe ich so manchmal den Eindruck.

Selina: Ich habe aber den Eindruck, dass es doch viele Menschen gerade in der Wissenschaft

Selina: treibt, können wir das besser machen. Und das ist jetzt nur ein Beispiel davon.

Selina: Ich habe tatsächlich selber mal an einem Projekt gearbeitet,

Selina: das nennt sich Reibrührschweißen, wo man versucht, Metalle nicht miteinander

Selina: zu vernieten, sondern quasi wirklich mit so einer Küchenmaschine zu rühren.

Christian: Das war meine erste Assoziation gerade.

Selina: Ja genau, die Metalle tatsächlich miteinander zu verrühren, sodass dann diese

Selina: Spannung, die auch in diesem Lernangebot eine Rolle spielen,

Selina: schafft zu überwinden oder beziehungsweise gar nicht erst zu kreieren.

Christian: Da wird dann im Prinzip so, sagt man dazu dann Legierung, wenn verschiedene

Christian: Metalle irgendwie in eine Bindung miteinander eingehen, die irgendwie...

Christian: Sagt man dazu homogen ist? Also so, dass die gleichmäßig ist und irgendwie nicht

Christian: Nickel- und Kupferschichten zum Beispiel übereinander sind, sondern dass die

Christian: so ineinander verschmolzen sind?

Selina: Genau, es gibt eine bestimmte Legierung, bestimmte sogenannte Korngrößen,

Selina: die da eine Rolle spielen, bestimmte Kristallformen.

Selina: Und auch da entstehen natürlich Spannungen.

Selina: Und die kann man dann zum Beispiel mit hochintensiver Röntgenstrahlung messen.

Christian: Da schließt sich der Kreis.

Selina: Da schließt sich der Kreis.

Christian: Genau.

Selina: Und das kann natürlich dann auch helfen, zum Beispiel bei Flugzeugen die unterschiedlichen

Selina: Teile auf eine neue Art zusammenzuschweißen, dass es weniger Spannung gibt,

Selina: dass es weniger korrosionsanfällig ist und dadurch Metalle langlebiger werden.

Christian: Langlebiger werden, ja spannend. Ja, Flugzeugbau, Schiffbau,

Christian: auch bei der HU ein großes Thema, auch dazu gibt es Lernangebote.

Christian: Aber die schaffen wir heute nicht mehr. Das Gespräch, das wir hier gerade aufzeichnen,

Christian: erscheint ja im April 2026 und am 23.

Christian: April ist Welttag des Buches.

Christian: Und wenn man so ein bisschen zu dir recherchiert, fällt eigentlich relativ schnell

Christian: auf, dass du entweder in deiner Freizeit, so sie dann noch vorhanden ist,

Christian: auf dem Wasser unterwegs bist oder mit Stand-Up-Paddling verbringst,

Christian: mit Windsurfen glaube ich auch.

Christian: Aber immer wieder sagst du auch, Lesen ist ein Ding.

Christian: Das mache ich ganz gerne. Ja, und da liegt die Frage natürlich auf der Hand,

Christian: was du so gerade zum Welttag des Buches empfehlen würdest.

Christian: Welches Buch sollten alle irgendwie mal in der Hand gehabt und mal gelesen haben?

Christian: Da hast du dir, glaube ich, eins ausgesucht und eins mitgebracht.

Selina: Genau. Ja, Lesen spielt für mich schon ewig eine große Rolle.

Selina: Mein Vater sagte immer schon, sie liest mir all die Buchstaben aus der Zeitung.

Selina: Und mein erster Job war tatsächlich in der Bibliothek in der Kleinstadt,

Selina: in der ich groß geworden bin.

Selina: Dementsprechend ist mir ziemlich schwer gefallen zu sagen, ein Buch,

Selina: das ich allen uneingeschränkt empfehlen würde.

Christian: Ja, das ist gleich ein großes Statement.

Selina: Ja, ich habe mich letztlich für Momo entschieden. Auch weil ich dann zu Hause

Selina: laut nachdachte und meine Tochter meinte, meinst du denn auch Kinder?

Selina: Und dann dachte ich ein bisschen weiter nach und dachte, Momo ist tatsächlich

Selina: ein Buch, das ich allen empfehlen würde. Momo von Michael Ende.

Selina: Ich finde, das thematisiert sehr unterschiedliche Dinge auf eine besondere Art.

Selina: Also Momo ist ein Mädchen, das eine ganz besondere Gabe hat,

Selina: denn sie kann wirklich allen Leuten so zuhören, dass die selbst daraus Erkenntnis

Selina: gewinnen. Und vor allen Dingen ist sie ein Mädchen, das ganz viel Zeit mitbringt.

Selina: Und sie lebt dann in einer Welt, wo Zeit immer mehr zum Rangut wird,

Selina: dadurch, dass die grauen Männer, die grauen Herren den Menschen die Zeit stehlen,

Selina: indem sie ganz viel Stress produzieren und Effizienzdenken treiben.

Selina: Den Menschen erzählen, du kannst ganz viel Zeit sparen und dann hast du das

Selina: am Ende deines Lebens und das ist doch ganz toll und letztlich dafür sorgt aber,

Selina: dass alle die ganze Zeit nur gestresst sind und keiner mehr Zeit für irgendwen hat,

Selina: die Menschen nicht mehr zuhören und da ist natürlich Momo,

Selina: die ein ganz anderes Lebensmodell hat, eine ziemliche Kontrahentin,

Selina: und letztlich kämpft sie dann eben gegen die Zeitliebe,

Selina: zusammen mit dem Meister Hora und da weisen Schildkröte Cassiopeia und so Und

Selina: ich finde das ein ganz wertvolles Buch,

Selina: weil es eben dieses Thema Zeit im Leben beschreibt und eben in den Vordergrund steht,

Selina: dass es um Menschlichkeit geht, dass es um Beziehung geht und dass das eben

Selina: nicht hinten runterfallen darf für Effizienz.

Selina: Gerade in der heutigen Zeit, wo wir immer mehr rennen und das alles immer kurzlebiger

Selina: wird, finde ich das einen schönen, wichtigen Kontrapunkt, sich da immer Gedanken

Selina: drüber zu machen. Und es ist auf eine wirklich sehr schöne Art erzählt.

Selina: Dementsprechend kann ich dieses Buch wirklich jedem und jeder empfehlen.

Christian: Legen wir auch in die Show Notes,

Christian: aber ich glaube, den meisten ist es zumindest vom Titel her bekannt.

Christian: Und Zeit und Zeitverfügbarkeit und überhaupt Schnelllebigkeit ja auch ein gesellschaftspolitisches

Christian: Thema. Also ich weiß, Theresa Bücker zum Beispiel hat, ich glaube,

Christian: vor zwei Jahren inzwischen ein Buch dazu veröffentlicht, wo sie da auch nochmal drauf schaut.

Christian: Das ist dann vielleicht die Folgelektüre danach. Rufe ich gleich hinterher alle

Christian: Zeit von Theresa Bücker, wenn ich so drüber nachdenke.

Christian: Selina, vielen Dank für das Gespräch. Hat mir Spaß gemacht. Auch ich hatte Erkenntnisgewinn

Christian: entlang des Weges. Ich hoffe, die Zuhörenden auch.

Christian: Ich wünsche dir ganz viel Erfolg bei deiner weiteren Arbeit hier.

Christian: Und vielen Dank, dass du dir die Zeit für uns genommen hast.

Selina: Ja, ganz herzlichen Dank auch, dass ich hier sein durfte.

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